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Marathonläufer trotzen Kälte und Schnee

TrubschachenDer 23. Napfmarathon war gestern geprägt von Kälte, Nebel, Wind und Schnee. Darum sei er auch so schnell gerannt, sagte der Sieger Urs Jenzer

Anders als bei anderen Bergläufen quält der Napf seine Bezwinger mit ständigem Auf und Ab. Sowohl beim Berg- wie beim Tallauf erwartet den Läufer Stotziges vom Strübsten: zweimal 1500 Höhenmeter. Wer diese 42 Kilometer meistert, ist ein Held, egal in welcher Zeit. 253 gut trainierte Männer und Frauen aus der ganzen Schweiz und umliegenden Ländern nahmen heuer die Herausforderung an. Die Läufer kommen Auf der Risisegg, wo das Presseteam die in Trubschachen gestarteten Läufer abpasst, herrscht am frühen Sonntagmorgen zauberhafte Stimmung, trotz Temperatur um den Gefrierpunkt. Nebelschwaden wabern aus finsteren Chrächen herauf, und von den Hängen glöckelt das Vieh zum fernen Alphornklang. Ab und zu beleuchtet sogar ein Sonnenfleck die frisch überzuckerte Schratte oder einen herbstlich gelben Ahornbaum. Aus dem Nichts taucht eine Schar Krähen auf, die mit höhnischem Krächzen über den Grat ziehen. Sie haben sie zuerst kommen sehen, die Marathonläufer, die jetzt die steilen Kehre heraufrennen, schemenhaft aus dem Dunst auftauchend und wieder verschwindend. Noch plagt sie die Schwere in den Beinen nicht, noch danken sie mit heiterer Miene für den Applaus, machen sogar ein Spässchen. «Wir rennen nur, solange ihr schaut», behauptet einer. Und ein anderer hebt die Hand zum Victory-Zeichen und fragt den Fotografen mit strahlendem Lächeln: «Hesch mi?» Gar merkwürdige Gestalten ziehen am Wegelagerer vorbei. Junge, kraftstrotzende Burschen und Frauen, wie man sich Sportler eben vorstellt. Dann aber auch klapperdürre Männchen mit grauem Bart, Veteranen mit Kappe und Handschuhen, deren vor Kälte geröteten Beine aus kurzen, himmelblauen 60er-Jahre-Turnhosen schauen. Einer rennt barfuss, die langen Haare flattern wild. Manche haben einen Gang wie ein lahmendes Kamel, manche erinnern an einbeinige Heuschrecken, andere beineln wie Tausendfüssler. Aber rennen tun sie alle. Wie kommen die zu einem Motor, der sie in diesem Tempo den Berg hinaufzieht? «Mit regelmässigem Training» sagt der Fachmann, Urs Schneider, Ex-Nationalbiathlonist, der die Presse betreut. Und der unbeugsame Wille, Schmerzen und Müdigkeit zu ignorieren und einfach weiterzulaufen. Denn die Krise überfällt den Ersten wie den Letzten, der Marathon ist ein Kampf. Wer nicht aufgibt, erlebt dann die Ausschüttung der Endorphine. Schnell heim an die Wärme Weiter weg auf Niederänzi warten indes die «Besenläufer» Mike Blaser und Thomas Merz. Sie sind Teil der 220 Helfer, die der von den Turnvereinen Trub und Trubschachen organisierte Napflauf erfordert. Hier, ännet dem Napf, ist gerade die Hälfte der Strecke bewältigt. Die beiden haben wirklich einen Besen auf dem Rücken und sind besorgt, dass keiner nach dem Limit von 7 Stunden auf der Strecke bleibt. Bis jetzt sei das noch nie passiert. Wer aufgibt, bleibe beim nächsten Posten, der mit dem Auto er-reichbar ist. Sonst würde es schwierig, das Gelände ist unwegsam, erklären die beiden. Sie hätten im Laufe ihrer mehrjährigen Karriere als Schlusslichter schon einiges erlebt, es seien Blinde, Hüftoperierte und an Krücken Humpelnde unter den weniger schnellen Läufern gewesen. Wanderer bräuchten etwa 12 Stunden für die 42 Kilometer, die besten Läufer bewältigen sie in 3 Stunden. Später, beim Zieleinlauf in Trubschachen, sagt der diesjährige und letztjährige Sieger, Urs Jenzer aus Frutigen, ein neuer Streckenrekord sei nicht möglich gewesen, wegen des Schnees auf dem Napf, der den Weg glitschig machte. Nur wegen der Kälte, sagt er, sei er so schnell gerannt, damit er möglichst bald in die warme Stube zurückkönne. Gertrud LehmannAuszug aus den Ranglisten morgen Dienstag im BZ-Sportteil. >

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