Massiver Widerstand in Unterseen gegen 5G-Antenne

Unterseen

143 Bürgerinnen und Bürger machen mobil gegen eine geplante Mobilfunkanlage 5G in Unterseen. Mit einer Einsprache wollen sie das Vorhaben stoppen. Die Bauinitiantin Swisscom klärt auf.

Bürgerinnen und Bürger aus Unterseen wehren sich gegen eine geplante Mobilfunkanlage. Sie befürchten die schädlichen Folgen von 5G.

Bürgerinnen und Bürger aus Unterseen wehren sich gegen eine geplante Mobilfunkanlage. Sie befürchten die schädlichen Folgen von 5G.

(Bild: Keystone)

Bruno Petroni

«Die Baupublikation ist unlauter. Sie unterschlägt, dass es sich bei der geplanten Antennenanlage um eine solche für den späteren Betrieb eines 5G-Netzes handelt, dessen Erhöhung der Strahlengrenzwerte sowohl in Bevölkerung als auch in Fachkreisen und Politik höchst umstritten ist.» Mit diesem einen von fünf Argumenten erheben 143 Bewohner von Unterseen Einsprache gegen den Bau einer neuen Mobilfunkantenne, die dereinst an der Beatenbergstrasse zu stehen kommen soll.

Im Weiteren bemängeln die Einsprecher, dass die Angaben zu den Sendeleistungen der einzelnen Antennen mit bis zu 930 Watt viel zu tief seien. «Gemäss Auskunft einer unabhängigen Fachstelle vermögen die gewählten Antennentypen ein Mehrfaches bis zu 48000 Watt zu leisten», schreiben die Einspracheführer Walter Seiler und Peter Hafner. Die Bewohner des betroffenen Quartiers an der Seidenfadenstrasse befürchten eine Wertminderung ihrer Liegenschaften von 10 Prozent.

Und: «Die Antennenbetreiber konnten bislang nicht nachweisen, dass Mensch und Tier bei der Bestrahlung durch 5G-Mobilfunkanlagen langfristig keine gesundheitlichen Schäden davontragen.»

«Ein übler Trick»

Laut 5G-Gegnerschaft lehnen beispielsweise die Ärztevereinigung FMH, die Vereinigung Ärzte für den Umweltschutz, der Bauernverband, der Hauseigentümerverband und der Hausverein den Betrieb des 5G-Netzes vorläufig ab und neuerdings gar der Ständerat. Dies sei jedoch nur wenig bekannt.

«Laut einem kürzlich ausgestrahlten TV-Beitrag sollen 61 Prozent der Bevölkerung gegen eine 5G-Abdeckung sein», argumentieren die Unterzeichneten. «Trotzdem werden von den Mobilfunkbetreibern drauflos Antennenanlagen publiziert, die dereinst 5G ausstrahlen sollen.»

Und weiter: «So hat auch die Swisscom in Unterseen eine Anlage mit zwei Masten publiziert, die für den Betrieb von 5G ausgelegt ist, was die Swisscom aber verschweigt. Stattdessen gibt sie viel zu niedrige Sendeleistungen an. Die gewählten Antennentypen können rund 50-mal mehr leisten als die bisherigen. Offenbar wendet die Swisscom vielerorts denselben üblen Trick an.»

Der Widerstand der Bevölkerung in Unterseen gegen den Bau solcher Anlagen in dicht besiedeltem Wohngebiet ist gross. Dies zeigte sich schon vor einigen Jahren, als sich mehrere Hundert Personen vergeblich gegen eine 4G-Mobilfunkantenne an der Seidenfadenstrasse wehrten.

In einem Schreiben an den Unterseener Gemeinderat ersuchen die 5G-Gegner diesen, seine Planungshoheit wahrzunehmen und bei der bevorstehenden Nutzungsplanung im Rahmen der laufenden Ortsplanungsrevision entsprechende Einschränkungen vorzunehmen: «In Anbetracht der ungeklärten gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks sollten in Wohngebieten von Unterseen keine leistungsstarken Antennenanlagen zugelassen werden. Die Wohnqualität und das Wohlbefinden der Bevölkerung sind höher zu gewichten als die wirtschaftlichen Interessen der Mobilfunkbranche.»

Das sagt die Gemeinde

Jürgen Ritschard ist der Gemeindepräsident von Unterseen. Er sieht auf Anfrage momentan keine Möglichkeit, die Bauabsichten der Mobilfunkbetreiber zu stoppen: «Die Strahlenwerte sind Bundesangelegenheit.» Zu gegebener Zeit werde sich die Kommission der Ortsplanungsrevision mit dem Thema befassen. «Ich rechne damit, dass im Verlaufe des Jahres dann eine erste Auflage veröffentlicht wird.» Mehr könne er dazu nicht sagen.

«Halten uns an Grenzwerte»

«Alle Baugesuche, die die Swisscom zurzeit eingibt, sind so ausgelegt, dass diese die 5G-Frequenzen unterstützen. Wir halten uns jederzeit an die geltenden Grenzwerte; die Antennen werden 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr von einem zertifizierten Qualitätssicherungssystem überwacht», äussert sich Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher zu den Vorwürfen.

«Wir distanzieren uns in aller Form von den Vorwürfen von üblen Tricks.» Die Swisscom verschweige nicht, dass die Antenne für 5G ausgelegt sei. Korrekt sei, dass die Antennen theoretisch mehr leisten könnten. «Das ist und war schon immer so. Massgebend ist nicht das theoretisch Mögliche, sondern die Leistung, die von den Behörden verfügt und bewilligt wird.»

Berner Oberländer

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