Maurer gewinnt das 9. X-Alps

Christian «Chrigel» Maurer ist in Monaco eingetroffen - als klarer Sieger des 9. X-Alps und zum sechsten Mal in Folge.

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Starker Gegenwind und stabile Druckverhältnisse (schlechte Thermik) verhinderten am Montag effizientes Vorwärtskommen der Athleten des 9. X-Alps, des härtesten und längsten Gleitschirm-Biwakrennens der Welt. So wurde nichts aus der für Montagabend erwarteten Zielankunft von Christian «Chrigel» Maurer. Wie die übrigen hundert und mehr Kilometer hinter ihm liegenden Konkurrenten war er entsprechend fast nur zu Fuss unterwegs.

Einen letzten Trumpf spielte Chrigel Maurer aus, indem er seinen Nachtpass einlöste. Dieser erlaubte ihm, ab 22.30 Uhr weiter zu Fuss so weit zu laufen wie ihm beliebt, während die übrigen Konkurrenten Ruhezwang haben. In der Nacht auf Dienstag legte er dann aber nur rund fünf Kilometer zurück und ruhte sich die restliche Zeit aus, um für die verbleibende Distanz in der Hitze vom Dienstag fit genug zu sein.

Einen Grossteil der letzten 36 Kilometer Luftlinie am Dienstagmorgen musste nämlich Maurer wegen der ungünstigen Flugverhältnisse ebenfalls zu Fuss bewältigen, was über die engkurvigen, gewundenen Provinzsträsschen oberhalb von Nizza und Monaco bekanntlich ein endloses Unterfangen darstellt.

Um 14.30 Uhr war es dann so weit: 9 Tage und 3 Stunden nach dem Start auf dem Mozartplatz in Salzburg traf Chrigel Maurer bei seiner 6. Teilnahme zum 6. Mal als X-Alps-Sieger auf dem Plateau Peille, 700 Höhenmeter über der Hafenstadt Monaco ein. Traditionsgemäss wird der Sieger am Dienstagabend nach 19 Uhr von Peille an den Meeresstrand hinunter fliegen dürfen. Dieser "Fotoflug" für die Medien und X-Alps-Organisatoren gehört nicht mehr zum Rennen; die Zeit wird bereits beim Eintreffen in Peille gestoppt.

In den neun Renntagen, die Maurer von Salzburg nach Monaco unterwegs war, hat er für die Luftlinienroute von 1'338 Kilometer eine effektive Distanz von 1'971 Kilometern zurückgelegt. 416 Kilometer davon während 76 Stunden zu Fuss, 1'555 Kilometer während 39 Stunden fliegend. Somit konnte Maurer 80 Prozent der Strecke fliegend hinter sich bringen.

Erfolgreiches Team der Advance Thun AG

Begleitet wurde Maurer auf seinen letzten Rennstunden von den überraschend und spontan nach Südfrankreich gefahrenen drei Mitgliedern der Geschäftsleitung der Advance Thun AG, Simon Campiche, Valéry Chapuis und Roland Mischler. Die Vertreter des Oberländer Gleitschirmherstellers sind erfreut, alle vier Advance-Teampiloten ausnahmslos in den vorderen Rängen des Feldes zu sehen.

Dies sind nebst Maurer auch Patrick von Känel (Frutigen), Aaron Durogati (Italien) und Toma Coconea (Rumänien). Alle vier Athleten flogen während des X-Alps mit dem 3,5 Kilo leichten Gleitschirm "Advance-Modell Omega X-Alps 3", der - nomen est omen - eigens für das X-Alps konstruiert und hergestellt worden ist und sowohl leichtgewichtig ist als auch eine hohe Flugleistung aufweist.

Der grosse Kampf im Mittelfeld

Zum Zeitpunkt von Maurers Eintreffen im Ziel befand sich der Zweitplatzierte Maxime Pinot 98 Kilometer (Luftlinie) vor dem Ziel. 65 Kilometer hinter diesem liegt der Österreicher Paul Guschlbauer, der bei seiner fünften X-Alps-Teilnahme den dritten Rang avisiert. Es wäre das vierte Mal, wo er als Dritter in Monaco ankommen würde. Sein Vorsprung auf Benoît Outters (Frankreich, Zweiter von 2017) schmilz jedoch nach und nach, beträgt momentan gerade mal noch 9 Kilometer.

Weitere 58 Kilometer hinter Outters liefert sich der 24-jährige Patrick von Känel aus Frutigen einen Abnützungskampf um den fünften Platz - und zwar gleich gegen sieben Konkurrenten: Da wäre mal der Belgier Tom De Dorlodot, der zum 7. Mal am X-Alps dabei ist und sich auf dem Sprung zu seinem weitaus besten Resultat befindet (bisheriger bester Rang 10.).

Der Bergführer Gaspard Petiot aus Frankreich, der vor zwei Jahren bis zur Streckenhälfte den Führenden Chrigel Maurer arg bedrängte, dann aber am Comersee bei einer Landung verunfallte und das Rennen aufgeben musste. Weitere Mitstreiter um Patrick von Känel: Der Südtiroler Weltcupsieger Aaron Durogati (zum vierten Mal dabei, bisherige Ränge 7. und 6.), der letztmalige Vierte aus Österreich Simon Oberrauner, der Rumäne Toma Coconea (bisher an allen neun X-Alps am Start und zwei Mal Zweiter) sowie die beiden Deutschen Manuel Nübel und Markus Anders.

All diese acht Athleten stürmen inerhalb eines Radius von nur 23 Kilometern fast geschlossen in Richtung Monaco. Sie passierten am Montagabend den drittletzten Wendepunkt St. Hilarie (Grenoble) und sind unterwegs zum Turnpoint Monte Viso.

Noch drei Tage

Das Rennen läuft noch bis zum Donnerstag. Es kann davon ausgegangen werden, dass mehr als die Hälfte der noch 27 im Rennen befindlichen Athleten in dieser Zeit Monaco erreichen werden.

Zu ihnen wird der dritte Schweizer im Teilnehmerfeld, der Emmentaler Adrian Keller kaum gehören, hat er doch auf Platz 21 liegend am frühen Montagabend den Titlis erreicht, befindet sich jetzt auf dem Weg zum Saanenland und hat somit erst gut die Hälfte der gesamten Renndistanz zurückgelegt.


Das ist der sechsfache X-Alps-Champion

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Christian Maurer – die Welt kennt ihn schlicht als «Chrigel», ist am 27. Juli 1982 in Adelboden geboren, weshalb er in der Szene auch «Adler von Adelboden» genannt wird. Dies nicht zuletzt deshalb, weil er auch schon mit Adlern gemeinsam geflogen ist. Schon im Alter von fünf Jahren übte Klein-Chrigi am steilen Hang neben dem elterlichen Haus mit einem von Mutter Monika selbst genähten kleinen Gleitschirm (mit Hanfschnüren!) stundenlang und machte so seine ersten Hüpfer. Als Neunjähriger hob er erstmals richtig ab und begann mit 16 Jahren wettkampfmässig mit der Fliegerei. Heute wohnt Maurer in Frutigen. Maurer ist dreifacher Gesamt-Weltcupsieger im Streckenfliegen (2005, 2006, 2007), Europameister 2004 und fünffacher Schweizermeister. Seine weiteren Erfolge: 2004 Europarekord im Streckenflug (323 Kilometer vom Niesen ins österreichische Tösens). 2009 Weltrekord im Infinity Tumbling mit 210 Loopings innerhalb von sechs Minuten. Sechsfacher Sieger des alle zwei Jahre stattfindenden X-Alps (2009, 2011, 2013, 2015, 2017 und 2019). 2014, 2016 und 2018 Sieg am X-Pyr, einem dem X-Alps gleichenden Biwakrennen über 439 Kilometer in den Pyrenäen. 2019 Schweizerrekord FAI-Dreieckskurs über 343 Kilometer Streckenflug.

2018 gründete Chrigel Maurer die X-Alps Academy. Hier werden talentierte junge Gleitschirmpiloten an die grossen Herausforderungen des 1138 Kilometer langen Rennens vorbereitet. Der 24-jährige Frutiger Patrick von Känel, der beim laufenden X-Alps zur Zeit auf dem sechsten Zwischenrang Richtung Monaco zieht, ist einer dieser Nachwuchspiloten.

Berner Oberländer

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