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Mehr Zeit für Tabak, Bienen und Tuba

Der Landwirt Fritz Stooss war 16 Jahre lang Gemeinderat von Wileroltigen, davon acht als Präsident. Nun hat er die letzte Gemeindeversammlung geleitet und tritt zurück. Es fällt ihm nicht leicht «seine» Gemeinde loszulassen.

Auf dem Platz vor dem Gemeindehaus in Wileroltigen kreischen Schulkinder. Gemeindepräsident Fritz Stooss hat sein Velo an die Hausmauer gelehnt und steigt die Treppe hoch in den Gemeindesaal. Dort hat der 53-Jährige vor wenigen Tagen zum letzten Mal die Gemeindeversammlung geleitet. Die 61 Stimmberechtigten wählten an dieser Vizepräsident Daniel Schwaar zum Nachfolger von Stooss. «In Abwesenheit in den Rat gewählt wurde auch der Landwirt Edgar Herren», sagt Fritz Stooss. Einen Vertreter aus der Landwirtschaft im Gemeinderat zu haben, sei für ein Bauerndorf sehr wichtig. Allerdings hat Herren noch die Möglichkeit seine Wahl an- oder abzulehnen. Keine Ortsparteien In Wileroltigen gibt es keine politischen Ortsparteien. Stooss und auch sein Nachfolger sind zwar BDP-Mitglieder. «Aber im Rat agieren alle als Parteilose», betont Fritz Stooss. Er selber könne mit gutem Gewissen sagen, bei allen Entscheiden im Gemeinderat nur an das Gemeindewohl und nie an sich selber gedacht zu haben.«Ich war die ganzen 16 Jahre immer mit Herzblut dabei.» Als er vor acht Jahren das Präsidium übernommen habe, sei ihm klar gewesen: «Acht Jahre und nicht mehr», sagt Stooss. Er ist überzeugt, dass Daniel Schwaar ein guter Nachfolger ist, dem er die Geschäfte überlassen kann. Sorgenkind Ortsplanung 400 Einwohner, davon 270 Stimmberechtigte leben in Wileroltigen. Mit der Überbauung Hubel, die in Stooss’ Amtszeit entstand, liess sich die Einwohnerzahl halten. Sonst habe es nur wenige Veränderungen gegeben, sagt Stooss. Ausser, dass traditionelle Handwerksbetriebe wie die Schmitte und die Wagnerei/Schreinerei verschwanden. «Dafür haben wir jetzt einen Gartenbauer, eine Malerei und einen Winzer.» Stooss selbst bewirtschaftet zusammen mit Ehefrau Elisabeth einen Landwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau und Wald. Eine weitere Überbauung sei leider nicht möglich, weil Wileroltigen, gemäss dem Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) über genügend Baulandreserven verfüge, sagt Stooss. Diese würden aber von den Landbesitzern für die Familie gehortet. Stooss seufzt: «Die Ortsplanung ist unser Sorgenkind.» Der Gemeinderat sei nun mit den Landeigentümern im Gespräch – und auch mit dem AGR. «Wenn niemand Land verkaufen will, kann eben vorläufig nicht gebaut werden. Wir haben eingefädelt, was wir konnten.» Leise Wehmut Alle drei Wochen eine Gemeinderatssitzung, ein regelmässiger Gang auf die Verwaltung sowie Versammlungen auf regionaler und kantonaler Ebene: Fritz Stooss wird im neuen Jahr viel mehr Zeit haben. Dies werde ihm erlauben, in den landwirtschaftlichen Organisationen präsenter zu sein, in denen er sich engagiert. «Ich bin offen für Neues», sagt der scheidende Gemeindepräsident. Auch seinen Bienen will er sich vermehrt widmen. Und der Musik. Stooss spielt in der Musikgesellschaft Ferenbalm Basstuba. Bereits ist er im Organisationskomitee für die Seeländer Musiktage. All das helfe ihm, «seine» Gemeinde loszulassen. Ganz einfach sei das nicht. «Als ich an der letzten Gemeindeversammlung das Schlusswort hatte, war ich doch sehr berührt.» Fritz Stooss schaut aus dem Fenster zu den kreischenden Schulkindern. Dann verlässt er den Gemeindesaal und steigt die Treppe hinab.Laura Fehlmann>

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