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Mit ergebener Selbstverständlichkeit

Lauenen Im Rahmen des Kammermusikfestes des Menuhin Festival Gstaad gab

Der junge deutsche Pianist Martin Stadtfeld, bekannt vor allem durch seine filigranen Bach-Interpretationen, präsentierte am Sonntag in Lauenen die ganze Palette seines Könnens und Empfindens. Diese beiden Eigenschaften sind bei ihm untrennbar. Die Voraussetzung für sein faszinierendes Spiel ist eine absolut sichere Technik, die er dann in einer Selbstverständlichkeit umsetzt, die berührt. Kein einziger Ton überlässt er dem Zufall, jeder einzelne ist musikalisch ein kleines Kunstwerk, das sich vom Meister perlend in ein Ganzes einfügen lässt. Stadtfeld liebt den musikalischen Fluss, ohne dabei jemals in virtuose Oberflächlichkeiten abzurutschen. In seiner Musik liegt eine grosse Ausdruckskraft, eine innige Tiefe, und doch besticht sie durch Einfachheit und Transparenz. Noch klang sanft und ausdrucksvoll Mozarts Allegro der C-Dur-Sonate KV 279 nach, schon kratzt Alban Bergs Sonate op.1 neu Gefühle auf. Auf eine geheimnisvolle Offenbarung steigert sich die Musik meditativ bis zu würdiger Erhabenheit. Die Interpretation von Bachs Englischer Suite Nr.4 BWV 809 liess keine Frage offen, weshalb Stadtfeld gerade diesem Komponisten eng verbunden ist. Wie bestimmt und doch fast zärtlich er Bachs unterschiedliche Galanterien herauskristallisierte, war atemberaubend. Jegliches Räuspern oder Geräusche von den Holzbänken aus stören dabei empfindlich. Mächtig schritt Richard Wagners Musik (aus «Tannhäuser» und «Tristan und Isolde»), durch Franz Liszts Bearbeitung, einher. Doch auch hier siegt bei Stadtfeld das musikalisch Feine. Dass kraftvolles Spiel nicht grob sein muss, bewies der Pianist aufs Eindrücklichste. Freudig jubilierte er diese Kraft hinaus. In Liszts Variationen über «Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen», illustrierte Martin Stadtfeld melodisch wunderschön den Choral «Was Gott tut, das ist wohlgetan». Nach diesem unvergleichlichen Rezital bedankte Stadtfeld sich mit einer Zugabe von Robert Schumann, wo er sein Publikum noch gründlich in der Romantik schwelgen liess, gefolgt von Bach, dessen Werke ihm auf den Leib geschrieben sind. Lotte Brenner>

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