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Mit «La Paloma» ins neue Jahr tanzen

affoltern«Früher tanzten wir vom Silvester ohne Pause direkt zum Neujahrstanz», sagt Andreas Jegerlehner aus Ulmiz. Heute gehen es die nicht mehr ganz jugendlichen Paare zwar etwas ruhiger an, aber noch immer ist ihre Begeisterung zu spüren, wie ein Besuch im Gasthof Emmentaler zeigt.

Schon von aussen ist der vertraute Schlager «La Paloma» zu hören und lockt an diesem trüben 1.Januar ein tanzfreudiges Publikum in den Saal vom Gasthof Emmentaler, der zur Schaukäserei Affoltern gehört. Ab Nachmittag bis Mitternacht werden die Tanzpaare von Alleinunterhalter Franky Solo mit Schlagermelodien in Walzer-, Tango- oder English-Walz-Takten verwöhnt. Ohne Partner läuft nichts «Ich kann stundenlang tanzen, nichts tut mir weh, und ich fühle mich beweglich und jung», fasst Helga Sägesser (78) aus Bützberg ihre Tanzbegeisterung in Worte. Mit ihrem Partner Andrea Lorenzini (76) schwebt sie ausgesprochen elegant und leichtfüssig übers Parkett, samt gekonnten Drehungen und offenen Figuren. «Wir sind das erste Mal hier am Neujahrstanz und haben das Inserat in der Zeitung gesehen», sagen beide und ergänzen, dass sie am Mittwoch bereits am nächsten Tanzanlass seien. Ohne Partner laufe bei diesen Veranstaltungen gar nichts, da würden die Frauen die ganze Zeit am Tisch sitzen. Das wissen auch Ruth Lüthi und ihre Kollegin, die mit Ruedi Zahnd aus Wabern einen «geteilten» Tanzpartner mit dabei haben. Sobald Musik ertönt, entscheidet das Dreierteam, wer diesen Tanz «fährt». Nur für den Herrn gilt natürlich Dauereinsatz. «Danach geht alles einfacher» «Bei uns hat der Neujahrstanz im Gasthof Emmentaler, der früher ja Löwen hiess, Tradition», sagen Andreas Jegerlehner und Marianne Maeder aus Ulmiz. Zusammen mit Hanna Hofer aus Münsingen und Hans Müller aus Wiler freuen sie sich über Musik und Gesellschaft. Und fügen lachend an, dass sie in jungen Jahren von Silvester ins Neujahr jeweils «düregmacht» hätten. «Ich geniesse diesen traditionellen Jahresbeginn, mir geht danach alles einfacher», fasst Marianne Maeder ihre Eindrücke zusammen. Damit ist sie gleicher Ansicht wie Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti. Er hält fest, dass «der erste Tanz im neuen Jahr Harmonie und Zuneigung ausdrückt, die im ganzen Jahr erhalten bleiben sollen». Im Kanton Bern ist traditionell aber der Bärzelistag (2.Januar) Tanztag. Wie Schaukäserei-Geschäftsführer Adrian Zehnder informiert, findet in Affoltern der Neujahrstanz einen Tag früher statt – wohl um «sich zu profilieren», wie er meint. Denn getanzt werde im Emmentaler seit Jahren regelmässig – auch während des Jahres. Erstmals spielt an diesem Neujahr mit René Lanz alias Franky Solo ein neuer Musiker als Alleinunterhalter. Der Profi hat rund 120 Musikstücke in seinem Repertoire und kann Wünsche seines Publikums meistens erfüllen. Nur bei den Rolling Stones oder Beatles muss Franky Solo passen – die gehören nicht zu seinem Musikstil. Auch ohne diesen Sound sind Martha und Heinz Joss aus Herzogenbuchsee sowie Vreni und Ruedi Loosli aus Bleienbach sehr zufrieden mit dem Angebot. «Wir sind zum zweiten Mal am Neujahrstanz dabei», sagen die vier. Wie den anderen Paaren sind ihnen Abwechslung und eingängige Melodien wichtig. Soeben ertönt «The Green Green Grass of Home», und die Tanzfläche füllt sich schlagartig. Kaum jemand bleibt sitzen, die Leute sind eindeutig zum Tanzen gekommen. «Am Abend werden wohl 70 bis 80 Personen den Saal füllen», sagt die erfahrene Servicefachfrau Margrit Lerch. Dann wird der Nachschub mit erfrischenden Getränken anstrengender, und Franky Solo spielt vielleicht «La Paloma» ein weiteres Mal. Das Publikum dankt ihm seinen Einsatz mit Tanzbegeisterung, Applaus und etwa einem Bier. Ursina Stoll-Flury >

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