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Mit Ross und Wagen zum Titel

StettlenAls Student tauschte Oliver Brand sein Motorrad gegen eine Stute – heute ist er Schweizer Meister im Zweispännerfahren.

«Bisch e Giraff», sagt Oliver Brand zu seinem Pferd. Der liebevolle Tadel ist nötig, einer seiner zwei Wallache ist ein wenig nach rechts ausgebrochen. Kleine Korrektur links, und das Gespann schaukelt gemütlich weiter durchs Worblental. Wenn Oliver Brand seine zwei Pferde vor den Wagen spannt und vom Hof in Boll aus über die Feldwege kurvt, dann blüht er auf. Er erklärt Wagen und Material, erläutert Regelwerk und Wettkampf und erzählt vor allem zahlreiche Anekdoten aus fast 30 Jahren Pferdefahrsport. Die Sache mit der Reitstunde Angefangen hat alles mit einem Verkauf. Brand, heute als Fürsprecher tätig, studierte in den frühen 80er-Jahren in Bern Rechtswissenschaften. Und während seine Kommilitonen nach der ersten Zwischenprüfung («Wenn man ein wenig mehr Zeit für sich hat») das unbeschwerte Studentenleben genossen, kaufte sich Brand aus einer plötzlichen Laune heraus ein Pferd. Das Motorrad musste weichen, gut 30 Pferdestärken reduzierten sich auf eine, auf Suzuki folgte Riana, die «etwas spezielle, aber herzensgute Stute». Das Reiten brachte sich der frühere Kunstturner gleich selber bei, «ich habe einfach mal einen Sattel draufgelegt». Nach einigen Wochen besuchte Brand dann doch eine Reitstunde. «Ich musste minutenlang mit dem Arm kreisen und dazu Runden drehen – es war zugleich meine letzte Unterrichtsstunde gewesen», erzählt der Autodidakt schmunzelnd. Bald schon fühlte sich Riana etwas einsam, Vater Arnold Brand kaufte ein zweites Pferd und begann auch bald schon, im Gespann Turniere zu fahren. Oliver Brand sass als Beifahrer hinten auf dem Wagen. 1995 wurde der Generationenwechsel vollzogen, die Brands haben rotiert, Sohn Oliver steuert vorne, Vater Arnold balanciert hinten aus. An der WM in Ungarn Das Vater-Sohn-Gespann tingelt mit Erfolg von Turnier zu Turnier. Nach dritten und zweiten Plätzen in den Vorjahren haben die Brands dieses Jahr gar den Schweizer-Meister-Titel errungen. Dies, obwohl Oliver Brand seine Turnierpräsenz auf das Minimum reduziert hat: «Heute fahre ich noch die fünf, sechs Anlässe, die nötig sind, um sich für die Schweizer Meisterschaft zu qualifizieren.» Früher, da seien noch sämtliche Wochenenden, einige Feierabende und die kompletten Ferien für den Fahrsport draufgegangen. Brand schaffte es gar ins Nationalkader, Höhepunkt war die WM 1999 im pferdeverrückten Ungarn. «Die Wettbewerbe fanden in einem echten Stadion vor über 20000 Zuschauern statt.» Die ganz grosse Bühne gehört aber auch im internationalen Fahrsport den gut Betuchten. «Es ist ein teures Hobby, und wenn man international konkurrenzfähig sein will, braucht man auch im Zweiergespann mindestens vier Pferde», verweist Brand auf die kostspieligen «Ersatzleute». Und so ist er froh, hat er seine beiden Wallache kaum fünf Autominuten vor seiner Haustüre in Stettlen beim Hof Wahlen in Boll preisgünstig eingestellt. In der Regel viermal pro Woche spannt der 50-Jährige die Pferde vor den Wagen, mal für länger, mal für kürzer, mal «träberlet» er nur, mal trainiert er einen ganzen Hindernisparcours. Enge Kurven, sture Figuren «Fahrsport verlangt Vielseitigkeit», sagt Brand. An Wettkämpfen wird in Dressur, Marathon und Hindernisfahren angetreten. Dass Brand die engen Kurven und schnellen Manöver mehr liegen als die monotonen, bisweilen etwas sturen Dressurfiguren, merkt man spätestens auf dem Wagen. Dort spricht er ständig zu seinen Tieren, korrigiert, lobt, tadelt. «Bisch e Giraff», sagt er wieder liebevoll. Angespannt sieht anders aus. Moritz Marthaler>

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