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Mühlegässchen-Durchstich erhitzte die Gemüter

Thun historischDas Mühlegässchen sorgte schon vor 100 Jahren für heftige Diskussionen. Damals gings um den Durchstich in die Hauptgasse. Erst vor zwei Jahren beschloss man die Sanierung des «Schandflecks».

Die Mühlepassage war in Thun stets ein umstrittenes Thema. So das erste Mal im Dezember 1911, als sie im Entstehen begriffen war. Nachdem sich mehrere Leser dieser Zeitung zum geplanten Mühlegässchen-Durchstich zur Hauptgasse in zum Teil gehässigen Leserbriefen geäussert hatten, schrieb die Redaktion darauf: «Die Auseinandersetzung ist an einem Punkt angelangt, die dem Gemeindewohl nicht mehr förderlich sein kann. Wir erklären deshalb Schluss in dieser Angelegenheit.» Gemeinderat stimmte Ja Die verordnete Schweigepflicht zum Thema im «Tagblatt» bedeutete aber keinesfalls das Ende der Diskussionen. Der Hauptgasse-Leist befasste sich weiterhin mit der Frage des Mühlegässchen-Durchbruchs. Das Mühleloch sollte 6 Meter breit werden, wovon 2,1 Meter für das Trottoir und 4,2 Meter auf die Fahrbahn entfielen. Die Thuner Gemeindeversammlung genehmigte das Projekt schliesslich mit 203 Ja- gegen 129 Nein-Stimmen und entschied sich bei zwei Enthaltungen für den Durchbruch des Gässchens. «Diese Lösung ist keine ideale, aber sie ist durchführbar und entspricht einem Bedürfnis», lautete das Fazit der Thuner Exekutive vor 100 Jahren. Vor knapp zwei Jahren wurde die Passage, die unterdessen in die Jahre gekommen war, verschönert. 190000 Franken standen der Stadt Thun zur Verfügung. Der Entscheid, das von vielen Bürgern zuvor «Schandfleck» genannte dunkle Loch zu sanieren, löste mehrheitlich positive Reaktionen in der Bevölkerung aus. Was vor 100 Jahren ausserdem für Schlagzeilen sorgte: 4.12.1911 An den Gemeinderatswahlen wurden Fürsprech Roost mit 702 als Gemeindepräsident und Bez.-Ing. Neuhaus mit 662 von 770 gültigen Stimmen als Vizepräsident gewählt. Gemeinderäte wurden die Sozialdemokraten Isler (794), Münch (731), Heiniger (714), Burkhalter (689) und die drei Freisinnigen Lohner (573), Grütter (475) und Trächsel (407). 9.12.1911 In einem längeren Artikel über das neue Strafgesetz gegenüber der Frau schreibt Hedwig Correvon u.a.: «So will ein Gesetzesparagraph der Überanstrengung in körperlicher und geistiger Hinsicht der Untergegebenen vorbeugen, indem es den Schuldigen mit Gefängnis oder Busse bis zu 10000 Franken belegt. Wer die Not oder Abhängigkeit einer Frau arglistig missbraucht, wird ebenfalls bestraft. Geht jedoch die Frau die Ehe mit dem Täter ein, so ist dieser straflos.» 9.12.1911 Unter dem Titel «Thuner Inseratenblatt» wurde am 8.Dezember die 1.Ausgabe eines neuen Geschäftsanzeigers herausgegeben. Das neue Blatt erscheint wöchentlich am Freitag und ist gratis. Die einspaltige «Petit-Zeile» kostet nur 8 Rappen. Das neue Organ bezweckt, jedermann die Möglichkeit einer billigen und doch effizienten Werbung zu geben, weshalb die Insertionskosten äusserst billig gehalten werden. 16.12.1911 Vergangene Nacht verstarb im Alter von 72 Jahren der Buchdruckerei-Besitzer und Verleger des «Geschäftsblatts», Eugen Stämpfli. Der gelernte Buchhändler kam 1861 nach Thun und richtete eine Buchhandlung ein. 1874 übernahm er die Buchdruckerei Marti und damit den Verlag des «Geschäftsblatts». 16.12.1911 An der Hauptversammlung des Veloklubs Thun im Hotel Emmental wurden Jahresbericht und Rechnung genehmigt. Der Vorstand mit Präsident Chr.Wyttenbach und Vizepräsident Wüthrich an der Spitze wurde bestätigt. Der Verein zählt 58 Aktiv-, 15 unterstützende und 7 Ehrenmitglieder. 18.12.1911 Die Gemeindeversammlung unter dem Präsidium von Roost genehmigte den Antrag des Gemeinderates, das Schulgeld für die oberen Schulanstalten abzuschaffen. In Bezug auf die Gratisabgabe der Schulmaterialien bleibt es bei dem Beschluss von 1905, der dahin lautet, mit der Ausführung zu warten, bis das neue Schulhaus gebaut ist und «der Blick für neue Schulausgaben weiter ein freierer geworden sei». 18.12.1911 An den Wahlen vom 16./17.Dezember wurde Herr Lanz mit 358 Stimmen zum Gemeinderatspräsidenten gewählt. Herr Isler wurde mit 320 Stimmen Vizegemeinderatspräsident. Das absolute Mehr betrug 184 Stimmen. 18.12.1911 40 Lehrerinnen und Lehrer aus der Amtssektion Thun versammelten sich, um die Modifikation der Zeugnisabgabe zu regeln. Es wurden folgende Leitsätze gefasst: 1.Halbjährliche Zeugnisse. 2.Weglassen der Note für Religion. 3.Verminderung und Zusammenzug von einzelnen Fächern für die Notengebung. 4.Wieder Taschenformat der Zeugnisse. 27.12.1911 Nachdem mehrere «Lausbuben» den Lattenzaun an der Goldiwilstrasse demoliert hatten, schreibt das «Tagblatt»: «Kurz gesagt, eine Arbeit geliefert, die verdienen würde, mit dem ‹Munifisel› bezahlt zu werden! Eine wirklich echt minderwertige Lebware.» 30.12.1911 In einem Stall in Thun trat die Maul- und Klauchenseuche auf. Sie wurde von einem aus dem Kanton Luzern stammenden Schlachtochsen eingeschleppt. Sämtliche Tiere des Stalles wurden geschlachtet. Mit weitgehenden Massnahmen wurde versucht, das Ausbreiten der Seuche zu verhüten.pdQuelle: Stadtarchiv Thun>

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