Müll gehört nicht ins Grüngut

Interlaken

610 Tonnen Grüngut sammelt die Gemeinde Interlaken jedes Jahr. Daraus entsteht fruchtbare Komposterde. Doch zu viel Plastik im Grüngut gefährdet das Recycling.

Alfred Glaus und Stefan Wyss achten bei der Grünabfuhr auf die Qualität des Grünguts.

Alfred Glaus und Stefan Wyss achten bei der Grünabfuhr auf die Qualität des Grünguts.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Es ist heiss in Interlakens Strassen. Aber Alfred Glaus und Stefan Wyss ziehen unermüdlich Grüngut-Container vom Strassenrand zum Ghüderauto. Auch kleine Plastikkübeli mit Rüstabfällen werden flink eingesammelt und geleert. «Interlaken ist die einzige Gemeinde auf dem Bödeli, die solche Kübeli noch leert – vor allem wegen der Haushalte ohne Garten im Zentrum», erklärt Daniel Bösiger in der Führerkabine.

Die zweifelhaften Gerüche aus den Containern und Kübeln nimmt das Team sportlich. Untaugliche Gebinde oder halb leere Container lassen die auf Effizienz und Sauberkeit bedachten Profis aber stehen – und vor allem Grüngut, das mit Plastiksäcken und anderen Abfällen vermischt ist.

«Als wir entschieden, kein Grüngut in Plastiksäcken mehr anzunehmen, brach ein Sturm der Entrüstung los», erinnert sich der Interlakner Werkhofchef Andreas Michel. Denn es gibt Beutel im Handel, die sich gemäss Aufdruck zersetzen sollen. «Allerdings tun sie es nicht in der gleichen Zeit wie die Grünabfälle», erklärt Werner Grossen von der AVAG AG für Abfallverwertung, die deshalb zusammen mit den bernischen Gemeinden eine Sensibilisierungskampagne lanciert hat.

Aus Abfall werden Blumen

Plastiksäcke und anderer Ghüder im Grüngut müssen vor der Verarbeitung mühsam aussortiert werden. Dann werden die Rüst- und Gartenabfälle im Biomassezentrum Spiez zuerst vergärt und dabei als Energielieferanten genutzt. In einem zweiten Schritt wird das Gärgut kompostiert. So entsteht nach etwa einem Jahr Komposterde, die grösstenteils an die Firma Ricoter in Aarberg geht. Bis zu 30'000 Tonnen Grüngut werden so jedes Jahr wieder zu fruchtbarer Erde.

«Kompost ist ein wertvolles Produkt», sagt Werner Grossen. «Aber wenn zu viele Störstoffe drin sind und die Qualität nicht mehr stimmt, will ihn zum Schluss keiner mehr.» Auf politischer Ebene wird deshalb europaweit daran gearbeitet, dass keine Kunststoffsäcke mit irreführenden Angaben mehr in den Handel gelangen. Damit aber kein Abfall mehr im Grüngut landet, muss jeder Einzelne zu Hause die Abfälle sorgfältig trennen.

Eine Erfolgsgeschichte

«Eigentlich sind wir bei der Grüngutsammlung auf guten Wegen», waren sich Christian Hostettler, Daniel Niedermann, Alex Schären und Andreas Michel von den Werkhöfen Bönigen, Matten, Unterseen und Interlaken an der Medienkonferenz gestern Mittwoch einig. «Seit wir das Grüngut gratis einsammeln, wird viel weniger wild im Wald oder an Bachborden deponiert.» Allerdings: Bezahlt wird die Dienstleistung doch – via Grundgebühr von allen Einwohnern. Und je schlechter die Qualität, desto höher die Kosten.

«In Interlaken verwarnen wir deshalb Leute, die Abfälle nicht ordentlich bereitstellen», sagt Andreas Michel. Zwischen 120 und 180 solche Anzeigen gebe es jeweils pro Jahr. Und beim zweiten Mal werden die Fehlbaren gebüsst. Meist komme es aber gar nicht so weit. So geben sich auch Neuzuzüger Mühe und orientieren sich spätestens nach einer Verwarnung im Abfallkalender ihrer Gemeinde.

Berner Oberländer

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