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Müssen Thuns Strassenmusiker vorsingen?

ThunLaute Strassenmusiker sorgen bei Geschäftsbesitzern und Anwohnern in der Innenstadt für Unmut. Gewerbeinspektor Reto Keller setzt sich daher für regelmässige Kontrollen ein. Wegen des gleichen Problems werden die Strassenmusiker in Biel zum Vorsingen geladen.

Solange die Tage noch mild sind, zieht es nicht nur Passanten, sondern auch Musikanten auf Thuns Strassen. Besonders im Bälliz sind sie häufig anzutreffen. Während die einen von den Musikern begeistert sind und sich in Ferienstimmung versetzt fühlen, sorgen die musikalischen Beiträge wegen schlechter Qualität oder zu hoher Lautstärke bei anderen für Unmut. Klare Regeln Dem Thuner Gewerbeinspektor Reto Keller ist die Thematik vertraut. «Obwohl Strassenmusiker in Thun nicht mit verstärkten Instrumenten und in einer Gruppengrösse von maximal acht Personen auftreten dürfen, sind sie oftmals sehr laut und stören damit Anwohner und Geschäftsinhaber», stellt Keller fest. «Die Strassenmusikanten tragen aber auch zur kulturellen Belebung der Stadt bei.» Da die Stadt viele Musikanten anziehe, müssten einige einschränkende Bestimmungen aufgestellt werden. «Darbietungen sind nur werktags von 9 Uhr morgens bis 19 Uhr abends erlaubt. Über den Mittag herrscht ein Spielverbot», erklärt Keller. Weiter dürfe pro Standort maximal 30 Minuten musiziert werden. Bei einem Wechsel müsse der neue Platz mindestens 100 Meter vom alten entfernt sein. «Aktives Geldsammeln ist nicht erlaubt, jedoch das Aufstellen eines Hutes oder dergleichen für Geldspenden. Zudem besteht ein Verkaufsverbot für Tonträger.» Verschärfte Kontrollen Organisierte Gruppen, welche die ganze Stadt bevölkern würden, und Scheinmusikanten stellen für Keller ein weiteres Problem dar. «Dabei handelt es sich häufig um Menschen mit einem Gebrechen, die auf einer Mundharmonika oder einem kleinen Keyboard nur einen Ton spielen können.» Da es in Thun bisher kein Bettelverbot gebe, sei auch hier das Vorgehen schwierig. «Strassenmusikanten werden vorwiegend an schönen Tagen zwischen Mai bis Mitte Oktober zum Problem. Als weiteren Schritt versuchen wir nun zu erheben, wann es besonders viele Musikanten hat. An diesen Tagen werden wir vom Gewerbeinspektorat vermehrt in der Stadt präsent sein und kontrollieren, dass die Vorschriften eingehalten werden.» Besonders dann, wenn sich die Musikanten nicht an die Vorgaben der Stadt halten und zu lange und zu laut am gleichen Ort spielen würden. Qualitätssicherung Ein Blick nach Biel zeigt, wie das Problem auch noch angegangen werden könnte. Um eine bessere Kontrolle über Zahl und Qualität der Strassenmusikanten zu haben, müssen die Künstler dort seit zehn Jahren zum Vorspielen bei der Gewerbepolizei antreten. «Dieses Vorgehen dient vor allem der Qualitätssicherung der Musik. Das wirkt sich wieder positiv auf das Ansehen der Stadt aus», betont der Leiter des Polizeiinspektorates Biel René Geiser. Eingeführt wurde das obligatorische Vorspielen im Jahr 2001, als ein Teil der Expo in Biel stattfand. «Zu dieser Zeit wurde überall in der Stadt wild musiziert. Den Behörden fehlte der Überblick über die Anzahl der Musikanten und die Qualität ihrer Darbietungen.» Während der Sommermonate spielen etwa zweimal pro Woche Musikanten bei der Bieler Gewerbepolizei vor. «Die Musikanten müssen keinen Termin vereinbaren. Etliche meiner Mitarbeiter kennen sich mit Musik aus, und auch ich bin passionierter Hobbymusiker. Deshalb ist immer jemand da, der abschätzen kann, ob die Musiker gut genug sind.» Dabei müsse man auch etwas den gesunden Menschenverstand walten lassen. «Wenn einer nur einen Ton auf einem Kinderkeyboard spielen kann, reicht das nicht zum Strassenmusikanten.» Kommt eine ganze Gruppe zum Vorspielen, wird zusätzlich darauf geachtet, dass auch wirklich jeder Musiker sein Instrument beherrscht. «In solchen Fällen lassen wir die Musiker einzeln vorspielen. Wir erteilen dementsprechend nur den richtigen Musikanten der Gruppe eine Bewilligung.» Trotz des rigiden Vorgehens hat Geiser bis anhin vorwiegend positive Rückmeldungen von den Musikanten erhalten. «Eine gute Regelung, wer, wann und wo auftreten darf, ist auch im Interesse der Strassenmusiker. So kommen sie einander nicht in die Quere.» Situation nicht dramatisieren Hermann Jutzi, Chef Polizei Thun, schätzt die Situation mit Thuns Strassenmusikanten als unproblematisch ein. «Meine Mitarbeiter beobachten die Situation in der Stadt laufend und haben keinen Anstieg an Musikanten festgestellt. Weitere Massnahmen müssen nicht ergriffen werden.» Peter Siegenthaler, Gemeinderat und Vorsteher der Direktion Sicherheit und Soziales, bestätigt Jutzis Beobachtungen. «In Thun sind wir vom Problem der Strassenmusikanten nur marginal betroffen.» Die Idee des Probemusizierens lehnt er aber nicht kategorisch ab. «Ich begrüsse neue, unkonventionelle Vorgehensweisen. Das wäre ein zu prüfender Gedanke für uns.» Therese Krähenbühl>

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