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Mund zu in Manchester

FussballFür FC-Basel-Coach Thorsten Fink ist sein Team in der Champions League gegen Manchester United krasser Aussenseiter – trotzdem will er «was reissen».

Die nächsten zwei Jahre könnte Thorsten Fink etwas Ruhe haben. 2009 jährte sich zum zehnten Mal sein Fehltritt im Final der Champions League, der die epische 1:2-Niederlage seines FC Bayern München gegen Manchester United einleitete. Zum Jahrestag musste er seine Geschichte immer und immer wieder erzählen. Dann traf er 2010 mit dem FC Basel auf die Bayern und durfte noch einmal zurückschauen. Und weil der FCB jetzt ausgerechnet auf Manchester trifft, ratterte der Basler Trainer gestern halt noch einmal herunter, wie das damals gewesen war und wie die Sache für ihn auch ein Gewinn gewesen sei: «Ich habe für meine Zeit als Trainer gelernt, wie ich mit negativen Situationen umgehen kann.» Damit dürfte das Thema voraussichtlich durch sein – bis 2014, wenn der 15.Jahrestag ansteht. Bis es so weit ist, tritt der FCB erst einmal im Old Trafford gegen Manchester United an. Und er tut dies nach einem Spieltag als Leader seiner Gruppe C der Champions League. Aber das sagt natürlich rein gar nichts über die Kräfteverhältnisse aus, die heute Abend im «Theatre of Dreams», dem Stadion des englischen Traditionsvereins, herrschen – da gibt sich Fink keinen Illusionen hin. «Wir sind krasser Aussenseiter», hält der 43-Jährige fest. Was nicht bedeutet, dass er alle Hoffnung fahren liesse – im Gegenteil. «Wir reisen nicht nach Manchester, um staunend und mit offenen Mündern herumzustehen», sagt Fink forsch, «wir wollen etwas reissen.» Junges Mittelfeld Die Aussage ist um so mutiger, als die Basler in Manchester nicht ohne Probleme antreten. Das Mittelfeld zum Beispiel stellt sich praktisch von alleine auf, weil Benjamin Huggel und Xherdan Shaqiri jeweils eine Sperre absitzen müssen. Und etwas, das Finks Vorgänger in Basel, Christian Gross, auf internationaler Ebene stets als unabdingbar predigte, besitzt der Basler Aufbau auch nicht in rauen Mengen: Erfahrung. Fabian Frei (22), Cabral (22), Jacques Zoua (20) und Granit Xhaka (wird heute 20) bilden ein selbst für die in Talente vernarrte Zeit von heute ein äusserst junges Mittelfeld. Überhaupt wird es eine jugendliche Mannschaft sein, die Fink heute auf den Platz schickt. Immerhin, dank Marco Streller (30) und Alex Frei (32) im Sturm steigt das durchschnittliche Alter der Basler Startformation auf 23,8 Jahre. Ohne die beiden Routiniers wären es noch 22,2 Jahre. Fink fordert «Riesenabend» Das alles ändert nichts daran, was Fink von seinen Spielern verlangt. Dass sie nämlich nicht von ihrer grundsätzlich offensiven Einstellung abrücken, die der FCB unter Fink konsequent verfolgt: «Auch wenn dadurch natürlich das Risiko besteht, dass wir den einen oder anderen Treffer einfangen.» Dass Manchester ganz ohne Torchancen durch den Abend gehen wird, glaubt Fink sowieso nicht: «Auch wenn wir nach vorne spielen wollen, so ist Manchester doch so stark, dass sie uns hinten reindrängen werden.» Also wird der FCB erstens einen starken Goalie brauchen – oder wie Fink sagt: «Yann muss einen Riesenabend haben.» Und zweitens müssen die Basler jene Chancen nutzen, die ihnen die United zugesteht. Zum Beispiel bei Ballverlusten, wenn die englischen Aussenspieler sehr offensiv stehen. «Dann kommt unsere Chance mit Kontern über die Seite», sagt Fink. Womit der FCB also exakt jene Taktik anwenden möchte, die jeweils die Gegner in der heimischen Liga gegen ihn verwenden. Auch sonst durchlebt der FC Basel das Gegenteil dessen, was für ihn in der Schweiz gilt. In Thun waren es am Samstag die Basler, die fünf bis sechs Stammspieler schonten, um die Belastung von drei Wettbewerben auf das gesamte Kader zu verteilen. Heute wird Manchesters Trainer Alex Ferguson die Mannschaft zünftig durcheinanderwirbeln. Wenn Ferguson seine Massnahme erklärt, dann könnte es auch Fink sein, der über seine Rotation spricht. «Wenn wir nicht alle Spieler im Kader einsetzen, wird es eine lange Saison mit all den Wettbewerben, in denen wir antreten.» Fink nimmt das als Bestätigung für seinen eingeschlagenen Weg: «Ferguson hat ja auch ein wenig Ahnung vom Fussball.» Dem FCB brachten seine Wechsel in Thun ein 1:1. Sollten die Umstellungen bei Manchester United dasselbe Resultat zur Folge haben – es dürfte sich wohl kein Basler beklagen. Florian Raz, Manchester>

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