Munitionslager Mitholz: Grossen will externe Prüfung

Kandergrund

Im Fall der neuen Risikobeurteilung zum Munitionslager Mitholz fordert Nationalrat Jürg Grossen eine externe Untersuchung.

Nathalie Günter@nathalieguenter

Der Schock am vergangenen Donnerstag war gross: Das Explosionsrisiko im 1947 in die Luft geflogenen Munitionsdepot Mitholz ist grösser als angenommen (wir berichteten). 3500 Tonnen Munition sollen sich immer noch im Berg befinden. Sie liegen zum Teil direkt in der Falllinie der zerklüfteten Felsbrocken.

Bundesrat Parmelin informierte die Bevölkerung am Donnerstag, eine Arbeitsgruppe soll im Auftrag des Verteidigungsdepartements (VBS) das weitere Vorgehen klären. Das ist Jürg Grossen, Nationalrat und Präsident der Grünliberalen Partei, nicht genug. «Das reicht nicht. Der Fall muss rasch, umfassend und von unabhängiger Seite geklärt werden», sagte er gegenüber der «SonntagsZeitung».

Es brauche eine VBS-externe Aufarbeitung, so Grossen weiter. Grossen, der in Frutigen lebt, ist persönlich betroffen. Sein Schwiegervater wohnt im Weiler Mitholz. In einem Haus, das in der Gefahrenzone liegt.

Vorwurf Behördenversagen

Nicht nur eine rasche Entschärfung der Explosionsgefahr sei wichtig, «es müssen auch kritische Fragen gestellt werden», so Grossen weiter. Das VBS habe das Vertrauen bisher nicht gerechtfertigt, man könne rückblickend vielleicht sogar von Behördenversagen sprechen.

Grossen: «Die Situation im Munitionslager hätte schon vor Jahren überprüft werden müssen. Dafür braucht es kein Bauprojekt.» Das VBS hatte das Munitionslager jüngst überprüft, weil im Mitholz ein Rechenzentrum erstellt werden soll. Nur so wurde klar, dass die Explosionsgefahr in den letzten über 70 Jahren unterschätzt worden war.

Wieso das VBS nicht vor den Bauplänen bereits eine erneute Prüfung durchgeführt hat, sei nicht klar. 2012 und 2017 hätten Experten kontrolliert, ob Schadstoffe aus dem Munitionslager in das Grundwasser fliessen würde. Die Risiken einer Explosion wurden dabei aber nicht gemessen.

Falsche Prioritäten?

Der Aufwand dafür wäre aber überschaubar gewesen, schreibt die «SonntagsZeitung». Die elfköpfige Expertengruppe, die zu den neuen Resultaten kam, hätte sich lediglich sieben Mal getroffen. Eine eintägige Begehung vor Ort reichte ihnen für die Analyse aus. Dazu kam ein Tag Aktenstudium im Bundesarchiv.

Dies könne dem Zwischenbericht entnommen werden. Jürg Grossen sei nicht überrascht, dass der Prüfung des Explosionsrisikos keine Priorität eingeräumt wurde. «Sie haben kein Interesse, zu grübeln, wenn das Risiko besteht, dass etwas zum Vorschein kommt», lässt sich Grossen zitieren. «Die Behörden schauen lieber weg». Er vergleicht den Fall mit dem Postauto-Skandal, dort habe ebenfalls ein «kollektives Wegschauen» stattgefunden.

Berner Oberländer

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