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Musikschule kauft sich ein Haus

BurgdorfKünftig wird die Musikschule in ihrem eigenen Gebäude tätig sein, denn sie kauft nun die Liegenschaft, in der sie bereits seit Jahrzehnten angesiedelt ist. Das Land hingegen übernimmt sie lediglich im Baurecht.

Das Gebäude, das von der Bernstrasse her linksseitig den Zugang zur Burgdorfer Oberstadt markiert, blickt auf eine interessante Geschichte zurück: In den Jahren 1832 bis 1835 erbaut, diente es unter der Leitung des späteren Kindergartenerfinders Friedrich Wilhelm August Fröbel zuerst als Waisenhaus, das auch einen Konzertsaal und eine Bibliothek umfasste. Ab 1855 beherbergte es das Gymnasium, ab 1904 die Mädchensekundarschule und ab 1973 die Musikschule, die hier noch heute ansässig ist. Buchgewinn für die Stadt Das geschichtsträchtige Haus gehört der Stadt, doch nun geht es in die Hände der Musikschule über. Praktisch einstimmig hat der Stadtrat vorgestern Abend den Weg zum Verkauf geebnet und dem entsprechenden Baurechtsvertrag zugestimmt. Somit kann der Verein Musikschule das Gebäude für gut 1,2 Millionen Franken erwerben; das Land im Wert von rund 430000 Franken dagegen bleibt im Besitz der Stadt und wird der Musikschule lediglich im Baurecht abgegeben. Der Baurechtszins beträgt 11700 Franken jährlich. Durch das Geschäft entsteht für die Stadt ein Buchgewinn von 1,6 Millionen, der im laufenden Jahr dem Eigenkapital zugeführt wird. Landabgabe im Baurecht werde von der Burgergemeinde bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert, und auch die Stadt sei verschiedentlich so vorgegangen, sagte Gemeinderat Peter Urech, als er dem Stadtrat das Geschäft vorstellte. Auf diese Weise bleibe das städtische Land auch kommenden Generationen erhalten. Der Deal führte im Stadtrat zu keinen kritischen Voten. Die SP meldete sich lobend zu Wort: «Wir nehmen erfreut zur Kenntnis, dass die Musikschule unterdessen so stark ist, dass sie den Gebäudekauf wagen kann», sagte Dieter Haller namens der Partei. Die Institution bringe viele Kinder und Erwachsene in die Oberstadt und arbeite eng mit diversen städtischen Einrichtungen zusammen, so etwa den Kadetten, der Volksschule und dem Gymnasium. «Idealer Standort» Das Gebäude Bernstrasse 2 sei für sie «in vielen Belangen ein wunderbares Schulhaus», hält die Musikschule in einem Schreiben fest. Die wichtigsten Punkte seien die Raumstruktur und der ideale Standort. «Zwingend notwendig» müssten in nächster Zeit jedoch bauliche Massnahmen erfolgen. Zentrale Anliegen seien Wärmedämmung, Ersatz der nordseitigen Fenster und Renovation der Zimmer. Zudem wolle man die behindertengerechten Gebäudestandards erfüllen und denke mittelfristig auch über mehr Unterrichtsräume und eine grössere Aula nach. Die Stadt selber sieht sich aufgrund der misslichen Finanzlage ausserstande, der Musikschule ihre Wünsche zu erfüllen. Deshalb reifte im Verein Musikschule der Entschluss, das Gebäude zu kaufen und die Arbeiten selber vorzunehmen. Er schreibt: «Die aktuell interessante Zinssituation unterstützt unsere unternehmerischen Absichten zusätzlich.» Neben den Unterrichtsräumen der angeschlossenen Gemeinden bilde die Bernstrasse 2 das Zentrum der regionalen Musikschule. «Eine langfristige Bindung an das Haus und den Standort in der Oberstadt ist für die Musikschule deshalb eine Selbstverständlichkeit, und es ist naheliegend, dass sie die Liegenschaft erwerben möchte.» Aus eigener Kraft kann der Trägerverein aber weder den Kauf noch die Investitionen tätigen, und eine Finanzierung über Dritte wäre für ihn nicht tragbar. Deshalb springt die Stadt mit einem Darlehen in der Grössenordnung von 2 Millionen Franken ein. Das Geschäft bringt der Stadt nebst einem Buchgewinn weitere Vorteile, zum Beispiel die Entlastung von der Unterhaltspflicht. Die dadurch frei werdenden Geldmittel kann sie für andere Liegenschaften einsetzen.Hans Herrmann>

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