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Nach einer Zitterpartie siegt Wulff

Christian Wulff wird neuer deutscher Bundespräsident. Der CDU-Politiker und Kandidat von Union und FDP setzte sich in der Bundesversammlung im dritten Wahlgang gegen den rot-grünen Kandidaten Joachim Gauck durch.

Sieg mit Hängen und Würgen: Christian Wulff wird nach einem nervenzehrenden Abstimmungsdrama neuer deutscher Bundespräsident. Der bisherige niedersächsische Ministerpräsident erhielt im dritten Wahlgang 625 Stimmen. Er setzte sich damit gegen den von SPD und Grünen nominierten früheren DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck (494 Stimmen) durch. In den ersten beiden Wahlgängen verfehlte Wulff die absolute Mehrheit von 623 Stimmen, obwohl Union und FDP zusammen über 644 Stimmen verfügten. Im ersten Wahlgang fehlten Wulff mindestens 44 Stimmen aus dem eigenen Lager. Die Entscheidung zugunsten Wulffs in der dritten Runde brachte auch die Linkspartei, die vor dem dritten Wahlgang ihre Kandidatin Luc Jochimsen zurückzog. Die Parteispitze gab zwar die Abstimmung frei, kündigte aber zugleich an, dass sich die Mehrheit ihrer Wahlleute enthalten werde. Damit war ein Erfolg Gaucks so gut wie ausgeschlossen. Rückschlag für Merkel Für die schwarz-gelbe Koalition von Kanzlerin Angela Merkel ist es ein weiterer Rückschlag, dass der CDU-Politiker erst im dritten Durchgang gewählt wurde. Union und FDP schafften trotz deutlicher Mehrheit nicht die erhoffte Demonstration der Einigkeit. Vor dem dritten Wahlgang hatte Merkel noch einmal eindringlich für den Kandidaten der Koalition geworben. «Lassen Sie uns im dritten Wahlgang ein kraftvolles Symbol abgeben», sagte die CDU-Chefin nach Angaben von Teilnehmern in der Unionsfraktion. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sprach von einer historischen Verantwortung der Unions-Wahlleute. «Es geht jetzt um mehr als um den dritten Wahlgang», wurde er aus Koalitionskreisen zitiert. Bis zuletzt hatte es Kritik gegeben, dass die schwarz-gelbe Koalition ihren Kandidaten Wulff vor allem aus machtpolitischem Kalkül aufgestellt habe. In Umfragen unter der Bevölkerung hatte Gauck vor Wulff gelegen. Das Staatsoberhaupt wird aber nicht vom Volk direkt, sondern von der Bundesversammlung gewählt. Vereidigung am Freitag Der neue Bundespräsident soll morgen Freitag in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat vereidigt werden. Seine Amtszeit dauert fünf Jahre. Der bisherige Amtsinhaber Horst Köhler hatte am 31. Mai in einem historisch einmaligen Vorgang seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten erklärt. Zuvor war ein Interview des 67-Jährigen, in dem er Auslandseinsätze der Bundeswehr auch mit Wirtschaftsinteressen begründete, auf heftige Kritik gestossen. Über Köhlers Nachfolger entschieden 1244 Wahlmänner und Wahlfrauen. Die absolute Mehrheit in den ersten beiden Wahlgängen lag bei 623 Stimmen. Die deutsche Bundesversammlung setzte sich zusammen aus den 622 Abgeordneten des Bundestags sowie ebenso vielen Mitgliedern, die von den Landesparlamenten entsandt wurden. Zumeist waren es Landtagsabgeordnete. sda >

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