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Nach Fassadenstreit: Fricke kündigt

HerzogenbuchseeNach dem Zoff um seine Fassade zieht Matthias Fricke die Konsequenzen und verabschiedet sich aus dem Gewerbeverein. Ihm fehlt die kritische Grundhaltung im Dorf. «Probleme aussitzen und schweigen, das mag ich nicht.»

Die Gemeinde hat Ihr Baugesuch gutgeheissen. Gratulation! Sie dürfen die weisse Fassade Ihres weissen Hauses definitiv weiss streichen. Gibts ein grosses Fest? Matthias Fricke: Danke für die Blumen. Eine rauschende Feier wäre schon angebracht. Mit Weissbier und Weisswürsten – passend zur Fassade (lacht). Die Bauverwaltung würden Sie auch einladen? Mit meiner weissen Fassade habe ich die ja zur Weissglut getrieben. Deshalb würde ich eine Feier im engen Kreis vorziehen. Aber zu einem Versöhnungsgespräch wären Sie bereit? Wenn die Gemeinde mit mir und nicht mehr nur über mich sprechen möchte – jederzeit! Der Streit mit den Behörden hat sich von August bis November hingezogen. Gab es in dieser Zeit nie ein echtes Gespräch? Gute Kommunikation hat mit Teilen zu tun. In meinem Fall gab es so was leider nicht. Meine Briefe wurden grösstenteils ignoriert. Wenn ich meine Fragen telefonisch stellte, klammerte sich die zuständige Person ans Gesetzbuch wie ein Ertrinkender an den Rettungsring. Die Bauverwaltung sagt aber klar: Gemäss Gesetz brauchen Sie als Besitzer eines erhaltenswerten Hauses für den neuen Anstrich eine Baubewilligung. Ihre Kritik sei somit entkräftet, alle Bürger müssten gleich behandelt werden. Seit mein Fall publik ist, habe ich sehr viele Rückmeldungen erhalten und gemerkt: In diesem Dorf gibt es gleich und gleicher. Ich könnte diverse Beispiele aufzeigen, die belegen, wie unterschiedlich im Dorf ein solches Projekt beurteilt werden kann. Was haben Sie denn für Reaktionen erhalten? Sehr viele positive von normalen Bürgern. Leider kamen von meinen Kollegen des Gewerbevereins nur drei Rückmeldungen. Eine Enttäuschung für Sie? Sagen wir es mal so: Ich bin auf dem Boden der Realität gelandet. In Gesprächen mit mir haben sich Gewerbetreibende in den letzten Jahren immer wieder über die Gemeinde beschwert, über langwierige Bewilligungsverfahren und hohe Kosten. Jetzt komme ich, will eine Diskussion ins Rollen bringen – und stehe alleine da. Das ist schon schmerzlich. Treten Sie deshalb aus dem Gewerbeverein aus? Ja. Aber nicht wegen meiner Fassade, das ist im Grunde genommen ja eine Bagatelle. Mir fehlt hier im Dorf eine kritische Grundhaltung. Wie soll die Gemeinde attraktiv bleiben? Was unternimmt sie gegen das Ladensterben? Wie will sie das «Kreuz» am Leben erhalten? Solche Fragen werden unter den Teppich gekehrt, statt offen und ehrlich diskutiert. Probleme aussitzen und schweigen – das mag ich nicht. Beim Gewerbeverein waren Sie der kreative Kopf. Haben Kronen, Herzen und Sonnenschirme entworfen, mit denen sich die Geschäfte schmücken konnten. Damit dürfe es vorbei sein. Sag niemals nie (lacht). Ideen hätte ich noch viele. Manchmal klingen sie halt etwas verrückt, oder ich bin zu schnell damit. Grundsätzlich gibt es in Herzogenbuchsee viele Projekte, bei denen ich mich einbringen könnte. Dann bleiben Sie im Dorf wohnhaft und streben als Deutscher weiterhin den roten Pass an? Auf jeden Fall. Die Erfahrungen der letzten Wochen haben mich eher motiviert, weiterzumachen. Als Schweizer könnte ich bei politischen Prozessen viel besser mitwirken und etwas bewegen. Das würde mich freuen. Kaum ist die eine Schlacht geschlagen, denken Sie schon an die nächste? Geschlagen ist sie noch nicht ganz. Die Baubewilligung habe ich zwar erhalten – um meine Fassade streichen zu können, müsste es aber mindestens fünf Grad warm sein. Deshalb wollte ich die Maler ja auch im Sommer kommen lassen. Jetzt ist es zu kalt, und das Baugerüst dürfte länger bleiben. Ein Vorteil hat das Ganze aber: Ich habe jetzt auf jeder Etage einen Balkon. Darauf könnte ich Tische stellen und das Freudenfest mit den Weisswürsten steigen lassen. Die Metallstangen liessen sich bestimmt mit Weisstannenzweigen dekorieren. Das würde perfekt zur Thematik passen. Ihr Humor scheint unerschöpflich Das liegt an meiner Grundeinstellung. Es gibt Leute, die sind grundtraurig, ich bin grundfröhlich. Meinen Humor verliere ich bestimmt nicht so schnell – jedenfalls nicht wegen einer weissen Fassade. Stefan Schneider Zur Person: Matthias Fricke (51) kommt aus Karlsruhe (Deutschland) und wohnt mit seiner Familie seit 1998 in Buchsi. Beruflich ist er als Unternehmenscoach tätig, nebenbei engagierte er sich in den letzten Jahren als Vorstandsmitglied und Ideengeber beim Gewerbeverein. >

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