Zum Hauptinhalt springen

Netzwerker und Partylöwen – Eine Typologie der WEF-Teilnehmer

Jeder Teilnehmer am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos hat sein Programm und verfolgt aufgrund seiner Funktion ganz eigene Ziele. Der Versuch einer Typologie.

Der Fliessbandarbeiter: Zu dieser Kategorie gehören vor allem Minister. Der Fliessbandarbeiter charakterisiert sich dadurch, dass er ein Treffen dem anderen folgen lässt. Ein Beispiel dafür ist der Schweizer Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Gestern Donnerstag standen bei ihm eine Reihe von bilateralen Gesprächen auf dem Programm. Am Freitag folgen weitere Meetings. Schneider-Ammann trifft sich in erster Linie mit anderen Wirtschaftsministern und Direktoren von internationalen Organisationen. Dabei geben sich seine Gesprächspartner die Klinke in die Hand. Was genau an diesen Treffen herausschaut, bleibt oft diffus. Im Vordergrund steht die Kontaktpflege. Für Minister, die neu im Amt sind, wie den ehemaligen Langenthaler Unternehmer Schneider-Ammann, bietet Davos eine Plattform, seine Kollegen aus anderen Länder oder wichtige Exponenten internationaler Organisationen in kurzer Zeit kennen zu lernen. Der Fliessbandarbeiter verrichtet seine Arbeit in der Regel im Hotel, wo er nächtigt. Im Kongresszentrum ist er kaum anzutreffen – oder nur dann, wenn er einen Auftritt an einem Podium hat. Weil seine ersten Treffen bereits frühmorgens angesetzt sind, ist er kaum an Partys zu sehen. Der Netzwerk-Manager: Dieser WEF-Teilnehmer ist mit dem Fliessbandarbeiter verwandt. Auch er lässt ein Treffen dem anderen folgen. Der Netzwerk-Manager verfolgt ein klares Ziel: Als Firmenchef will er die Kontakte nutzen, um früher oder später ein Geschäft zum Abschluss zu bringen oder einen neuen Kunden zu gewinnen. Auch der Netzwerk-Manager trifft sich vorwiegend im Hotel mit seinen Geschäftspartnern. An den Gesprächsrunden ist er kaum anzutreffen, weder im Publikum noch auf dem Podium. Typische Netzwerk-Manager sind beispielsweise UBS-Präsident Kaspar Villiger oder der künftige Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner. Der Debattierer: Dieser WEF-Teilnehmer hört am liebsten sich selbst sprechen. Auf den vielen Podien in verschiedenen grösseren Hotels in Davos ist der Debattierer in seinem Element. Er ist typischerweise Professor an einer amerikanischen Elite-Universität und nimmt wenn immer möglich an mindestens drei Podien teil. Er steht zudem den Medien gerne für Interviews zur Verfügung. Beispiele für Debattierer sind der US-Professor Nouriel Roubini, der als einer der wenigen vor der Finanzkrise gewarnt hat und seither Kultstatus besitzt, oder der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz. Der Weltverbesserer: Diese Gruppe hat seit dem Beginn der Finanzkrise einen schweren Stand. Standen davor Themen wie Afrika, Armut oder Klimawandel noch im Zentrum der Diskussionen, sind diese seit dem Ausbruch der Finanzkrise stark in den Hintergrund gerückt. Doch die Weltverbesserer haben deshalb nicht etwa an Elan verloren. Die herausragende Figur unter den Weltverbesserern ist der irische Rocksänger Bono, der in Davos Stammgast ist. Auch in diesem Jahr kämpft er für mehr Hilfe für Afrika. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda gehören zu dieser Gruppe. Sie engagieren sich im Kampf gegen Tropenkrankheiten wie Malaria – mit Aufrufen und eigenem Geld. Die Aristokratin: Der unumstritten höchste Glamourfaktor am WEF hatte in den letzten Jahren die jordanische Königin Rania – vor allem seit keine Hollywood-Schauspielerinnen mehr nach Davos kommen. Als blendend aussehende Aristokratin zog die heute 40-Jährige jeweils die höchste Aufmerksamkeit auf sich. In diesem Jahr aber reist sie nicht nach Davos. Andere Adelige mit Ausstrahlung wie die belgische Kronprinzessin Mathilde vermögen diese Lücke indes nicht auszufüllen. Der Staatsmann ausser Dienst: Das WEF bietet abgetretenen Staatsmännern eine willkommene Gelegenheit, sich wieder einmal im Scheinwerferlicht zu sonnen. Bill Clinton kommt wohl nicht zuletzt aus diesem Grund immer wieder gerne nach Davos, wo er sich – wie gestern Abend – gepflegt auf der Bühne mit Klaus Schwab unterhalten kann. Auch der frühere britische Premierminister Tony Blair ist beinahe Stammgast in Davos. In diesem Jahr betätigt er sich als Moderator an einem Podium und wirbt für die «Zürich»-Versicherung. Der Partykönig: Dieser Typ WEF-Teilnehmer hat in Davos ein klares Ziel – er will die beste Party am WEF organisieren. Jahrelang war der 70-jährige deutsche Verleger Hubert Burda der unumstrittene König in dieser Kategorie. Seine Party am Eröffnungstag im Hotel Belvédère wies jeweils den höchsten Prominenten-Faktor auf. In diesem Jahr schaute beispielsweise der ehemalige US-Präsident Bill Clinton vorbei. Dank der Heirat mit der 44-jährigen deutschen Schauspielerin Maria Furtwängler ist es Burda gelungen, seinen Glamourfaktor weiter zu steigern. Doch seit einigen Jahren wird Burda bedrängt: Die neureichen Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin lassen ihrerseits eine Party steigen, mit der sie Burda den Rang ablaufen. Stefan Schnyder>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch