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Neue Chance für die alte Bahnhofshalle

HerzogenbuchseeFür die historische Bahnhofshalle wird dringend ein Abnehmer gesucht. Seit Jahren ist sie zerlegt im Berner Oberland eingelagert – jetzt klären die Behörden ab, ob sie dafür einen Verwendungszweck haben.

Lange Jahre war sie eines der Wahrzeichen von Herzogenbuchsee: Die alte Bahnhofshalle über dem Gleis eins, bestehend aus 56 Holzpfosten und geschmückt mit filigranen Laubsägeverzierungen. Russgeschwärzt war sie wegen des Rauchs der Dampflokomotiven, die tagtäglich schnaubend einfuhren und die Reisenden von weit her in die aufstrebende Gemeinde brachten. Lange, sehr lange ist es her. Im Jahr 1979 wurde die Perronhalle in ihre Einzelteile zerlegt und abtransportiert, heute lagert sie in Uetendorf, in einem Lager des Thuner Dampfmaschinenmuseums Vaporama. Das könnte sich bald ändern. Für das riesige Bauwerk wird nämlich ein Abnehmer gesucht, bei der Gemeinde Herzogenbuchsee liegt eine konkrete Anfrage auf dem Tisch. Die Gemeinde klärt ab Das Schreiben traf Ende Mai bei Gemeindeverwalter Rolf Habegger ein. Die Vaporama-Sammlung werde im Herbst nach Winterthur gezügelt, und dort habe man keine Verwendung für die Bahnhofshalle, wurde mitgeteilt. Ob die Buchser sie nun übernehmen? Geantwortet haben sie noch nicht. Zuerst müsse man prüfen, ob es für die Konstruktion einen Verwendungszweck gebe, sagt Rolf Habegger. «Darum kümmert sich gegenwärtig unsere Bauabteilung.» Findet Herzogenbuchsee einen Standort, geht ein lange gehegter Traum vieler Bahnfans in Erfüllung. Kurz vor dem Abbruch im Jahr 1979 formierte sich in Herzogenbuchsee nämlich eine Alternativgruppe, die mächtig Druck erzeugen konnte. Eine Petition wurde lanciert und mit 727 Unterschriften dem damaligen SBB-Generaldirektor Hans Eisenring übergeben. Im Verkehrshaus ein Thema An vorderster Front kämpfte Hans Wyssmann, heute Personalchef beim Verkehrsclub der Schweiz (VCS). «Die Perronhalle stammt aus der Pionierzeit der Schweizer Bahngeschichte und war die letzte ihrer Art im Land. Deshalb versuchten wir, dieses historische Bauwerk zu retten», erinnert er sich. Oft hat die Alternativgruppe in den folgenden Jahren bei den SBB nachgefragt, ob es nicht doch noch irgendwo einen Verwendungszweck gebe. Über einen Umzug ins Verkehrshaus Luzern wurde diskutiert, das Freilichtmuseum Ballenberg war ein Thema und auf dem Roggwiler Gugelmann-Areal hätte die Halle Teil eines neuen Freizeitparks werden sollen. «Leider liessen sich die Pläne nirgends realisieren. Das war eine Enttäuschung für mich», gesteht Hans Wyssmann. «Viel Geld und Platz nötig» Jetzt, mit 30 Jahren Verspätung, könnte die Geschichte doch noch ein Happy End finden. Allerdings: «Die Chancen sind klein», vermutet Wyssmann. «Wer die 95 Meter lange Konstruktion wieder aufstellen will, muss viel Geld investieren und über entsprechenden Platz verfügen.» Realistisch und wünschenswert wäre für Wyssmann, dass einzelne Teile der Halle in den Bahnlehrpfad integriert werden können, der von Herzogenbuchsee aus die SBB-Neubaustrecke entlang führt. «Der Lehrpfad könnte damit aufgewertet werden», ist er überzeugt. «Lässt sich kein neuer Platz finden, bleibt die Halle in Uetendorf», versichert Matthias Zellweger, Präsident der Vaporama-Stiftung. «In diesem Fall müssten wir mit dem Kanton Bern und der Denkmalpflege nach einer sinnvollen Lösung suchen.» Das letzte Wort also ist noch nicht gesprochen über die Zukunft der russgeschwärzten Perronhalle, die seit 32 Jahren im Oberland Staub ansetzt und auf bessere Zeiten wartet. Stefan Schneider>

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