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Neue Talentshow, altes Kleid

FernsehenHeute Abend startet die Castingshow «Die grössten Schweizer Talente» auf SF1. Ein Blick auf die Berner Kandidatenliste zeigt: Die Sendung dürfte nach dem gleichen Muster ablaufen wie die Vorreiterformate in England und Deutschland.

Die Stimme darf schlecht sein, das Aussehen mangelhaft, das Alter ist egal, die Bildung sowieso. Im Zeitalter der Fernsehtalentshows kann jeder berühmt werden – und sei es nur fürs Schielen, Zungenschnalzen, Ohrenwackeln oder Kerzen-Ausfurzen. Nach dem Vorbild des 2007 erstmals ausgestrahlten «Britain’s Got Talent» und der deutschen Kopie «Supertalent» fungiert nun auch das Schweizer Fernsehen als Talentschmiede. Ab heute Abend zeigt SF1 in «Die grössten Schweizer Talente» (DGST), was unser Land an offensichtlichen und weniger offensichtlichen Talenten zu bieten hat. In den Precastings vom letzten Herbst boten über tausend Acts einen Vorgeschmack auf DGST. Clowns, Tierdompteure, Komödianten, Guggenmusikanten und natürlich Singende und Tanzende sind dem Lockruf des Ruhmes gefolgt. Eine bunte Auswahl mit möglichst hohem Unterhaltungswert durfte sich zwischenzeitlich vor der Jury (Roman Kilchsperger, DJ Bobo und Christa Rigozzi) ein zweites Mal behaupten. Diese Darbietungen inklusive scharfzüngiger Jurorenkommentare zeigt das Schweizer Fernsehen in den ersten vier DGST-Folgen. Bewährter Kandidatenmix Die Liste der Berner Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die es ins samstägliche Abendprogramm geschafft haben, zeigt: Die DGST-Macher lassen nichts anbrennen und setzen auf den bewährten Mix aus schräg, herzig, rührend und tatsächlich talentiert. Hatte diese Auswahl doch schon in England und Deutschland für hohe Einschaltquoten gesorgt. Tanzacts und akrobatische Elemente werden ein wesentlicher Bestandteil der Schweizer Talentshow sein. Der Kanton Bern ist in beiden Bereichen gut vertreten. Der Thuner Daniel Zbinden alias Dany zum Beispiel wird Michael Jacksons Griff in den Schritt aufleben lassen. Auch die Showgruppe Inzane rund um die Berner Tänzerin Christa Rytz wartet mit einer Tanzeinlage auf. Und das Duo Inmotion aus Bern geht in der Sparte Akrobatik mit einer YoYo-Show auf Stimmenfang. Ein Blick auf die Siegerstatistik der insgesamt acht deutschen und britischen Vorreitersendungen zeigt: Für die Bewegungstalente dürfte es eng werden. In England gewann 2008 zwar ein 14-jähriger Breakdancer und 2010 eine Gymnastikgruppe. Das deutsche Fernsehpublikum dagegen hatte, wenns um die Wurst ging, nie viel für den vollen Körpereinsatz übrig. Für Würze und den nötigen Witz dürften DGST-Kandidaten wie der Urtener Pizzaakrobat Danilo Sangrigoli, der Ipsacher Handflöter Bernhard Eggimann, Kettensäger Toni Flückiger aus Grünenmatt oder Dogdancerin Gaby Oswald aus Aarwangen sorgen. Allesamt Teilnehmende mit originellen Talenten, die den Unterhaltungswert der abgedroschenen Talentshow ins Erträgliche zu hieven versprechen. Ob sie Podestplatzniveau erreichen, ist hingegen fraglich. Abgesehen vom deutschen Hundedresseur Yvo Antoni, der 2009 in Deutschland das Preisgeld abräumte, wurden Querulantentalente bisher nicht belohnt. Schliesslich soll man mit dem Sieger Geld machen können. Und um Hallen zu füllen und das Publikum in Aufruhr zu bringen, sind Disziplinen wie Pizzabacken, Hundetanz und Skulpturensägen am Ende doch zu unspektakulär. Der Jöö-Effekt Zu klein zum Siegen aber zu grossartig, um nicht ins Programm aufgenommen zu werden, sind Kinder. Das war sowohl in Deutschland wie in England so. Der vierjährige Bieler Anthony Charles Djurovic ist unser Vertreter der Kategorie «Jöö». Der Knirps hat sich anmelden lassen, weil er auf Grund von Emblemen und Autoschlüsseln bis zu hundert Automarken erkennen kann. Miriam Lenz>

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