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Neuer Ort für alte Tradition

unterseenWie es Brauch ist, stieg auch heuer das Hardermanndli mit seinem Wybli, begleitet von wilden Gesellen vom Berg herunter. Diesmal nicht auf den Sagiplatz in Interlaken, sondern auf den Stadthausplatz in Unterseen.

Weil am Sagiplatz zu Rameli (Interlaken) gebaut wird, der Löie abgerissen ist und dem geschlossenen Bären gleiches bevorsteht, verlegte die Harder-Pootscheta ihr Hauptquartier auf den Stadthausplatz zu Troja (Unterseen). Und so stiegen denn am Nüüjahrsmondrischt das Hardermanndli, sein Wybli und die Harderzwerge ins Stedtli herunter, wo sie auf wilde Pootschen und deren Nachwuchs trafen, auf Trychler und Musikanten. Sie zogen vom Stadthausplatz zum Raeuberegge, die Unterseener Bahnhofstrasse hinab, die Interlakner Bahnhofstrasse hinaus und durch die Marktgasse, die Spielmatte und die Kreuzgasse zurück in die Stedtli-Altstadt. Ein paar Tausend Zuschauer standen unter Regenschirmen am Strassenrand und hofften, von keinem der wilden Gesellen entführt zu werden. Was jedes Jahr am 2. Jänner die Einheimischen aus der guten Stube lockt und tausende Auswärtige aufs Bödeli bringt, nennt sich offiziell Harder-Potschete. Wir sagen es auf Bödelitüütsch und schreiben, wie es Ritschard Güschtel selig in seinem Bödelitüütsch-Wörterbuch erörtet hat: Harder-Pootscheta. Entstanden ist sie Mitte der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts, als der alte Brauch des Chlummlerns mit der Sage vom Hardermanndli verbundhääglet wurde. In den letzten Jahren kam der Landvogt dazu, der von seinem Gefolge Wastelen (Guetjahresbrote) an das Volk verteilen lässt. Die Sage vom Hardermanndli wird in verschiedenen Versionen erzählt. Verbreitet ist die: Einst traf ein lustwandelnder Mönch aus dem Kloster Interlaken im Harderwald ein Holz sammelndes Meitschi. Er stellte ihm nach und jagte es den Waldweg entlang. Da sprang das verfolgte Mädchen in seiner Herzensangst über die jähe Fluh hinaus und zerschellte in der Tiefe. Der Mönch, der Unflat, aber wurde vom himmlischen Richter irdischer Untaten in Stein verwandelt. Sein Gesicht ist seither hoch oben an der Fluh zu sehen. Seit gefühlten hundert Jahren führen die beiden Oberlaferiga Hubipedro und Abu Hassan ab einer chrisverzierten Bühne herab durch das Programm der Pootscheta. Sie kündigen an, erläutern und kommentieren ganz im Stil von Beni national Turnschue: «Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage.» Dann gibt es ja noch den 2.-Jänner-Knacker, die humoristisch-satirische Brattig, deren Redaktion unbekannt ist und nach der Drucklegung des Blettlis abzureisen pflegt. Wer sich zu Gemüte führen wollte, wer mit wem und was wieso und überhaupt, der wurde fündig. Das Publikum stand Seite an Seite und Bauch an Rücken auf dem Stadthausplatz und wurde nass. Denn Petrus liess es regnen. Beat «Fischli» Hofer, der Brüetsch von Polo, kochte ein gutes Mittel gegen Nässe und Kälte: Pootschensuppe. Das Rezept verriet er nicht. Nur soviel: «Es ist eines von der Urgrossmutter des Harderwyblis.»Ueli Flück>

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