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Neuer Wein in alten Schläuchen

Jazzfestival BERNVom 11.März bis 21.Mai treten Spitzenjazzer auf, die noch nie in Bern waren. Die alte Garde tritt jedoch vorerst nicht ab.

«Für ein zehnwöchiges Programm braucht es allein für die Hauptkonzerte vierzehn Orchester», sagt Hans Zurbrügg, Organisator des Berner Jazzfestivals. Er hat den heute etablierten Anlass 1979 lanciert. Mit seinem Sohn Benny hat er früh mit der Planung begonnen. «Uns ist dabei fast Unmögliches gelungen: Mehr als die Hälfte der Gruppen waren noch nie an unserem Festival.» Damit ist das Bild des Jazz in Bern so vielfältig wie sonst nirgends in der Schweiz. Spielorte sind wieder das Theater National, das Stadttheater und der Marians Jazzroom im Hotel Innere Enge. Forscher und Tüftler Dass Forschen nach Neuem kein Privileg der Jugend ist, beweist Michel Legrand (79). Der Pariser pendelt seit Jahrzehnten zwischen Jazz und Variété, zwischen Miles Davis und Maurice Chevalier und schafft unsterbliche Musik. Wie subtil sein Pianospiel ist, zeigt er, erstmals in Bern, an der Gala im Stadttheater. Dort gibt sich auch Patti Austin die Ehre. Sie hat auf der CD «Avant-Gershwin» erklärte Männerdomänen aus der Oper «Porgy and Bess» so erfolgreich zur Frauensache erklärt, dass ein Grammy resultierte. Der grösste Tüftler aber ist Dave Holland, einer der versiertesten Experimentatoren überhaupt. Sein Overtone Quartet mit dem Topsaxofonisten Chris Potter forscht ohne Scheuklappen überall, wo musikalisch etwas drin liegt. Äquilibristen Mit der Sicherheit von Hochseilartisten überwinden der Pianist Wolfgang Dauner (75) und der Geiger Jean-Luc Ponty (68) die Grenze zwischen Jazz und Klassik. Weit zurück liegen Dauners brennende Klaviere und Pontys Experimente bei Frank Zappa. Die Musik ist ruhiger geworden, aber brandaktuell. Ähnliches gilt für den Gitarristen Biréli Lagrène. Auf der CD «Gipsy Trio» ist seine Virtuosität dorthin heimgekehrt, wo ihr barocker Überschwang überzeugt, zur Manouche-Tradition nämlich. Der Meisteräquilibrist des Jazz aber heisst Ahmad Jamal. Sein perfektes Spiel mit Raum und Zeit begeisterte schon Miles Davis. Urgesteine Zu den auftretenden Urgesteinen gehören Bob Wilber (83), Archäologe des Jazz an Klarinette und Saxofon, und der Bluesbarde Joe Louis Walker. Beide sind bekannt, und doch sorgen sie immer wieder für Überraschungen. Noch nie in Bern war Roy Gaines, 1937 geborener Blueser aus Texas. Jahrelang diente er Koryphäen wie Aretha Franklin bevor er die Solokarriere wagte und mit bläserverstärktem Tuxedo Blues die Clubs eroberte. Sista Monica und Carmen Lundy haben bereits als Kinder Gospel gesungen. Man spürt es bis heute. Als gestandene Frauen legen sie viel inneres Feuer in ihre Lieder und machen auch vor politischen Themen nicht halt. Beide sind erstmals in Bern, im Gegensatz zum Superpyromanen Michel Camilo. Wenn der Tastenvirtuose aus der Karibik zugreift, besteht akute Feuergefahr. Weltentdecker Der Quirligste aber ist Paquito D’Rivera. Wie kein Zweiter versteht es der Kubaner, mit der Klarinette Menschen anzuziehen wie einst der Rattenfänger. Ziel ist aber nicht Hameln, sondern Buenos Aires und der Tango. Erfreulich, dass dabei das Bandoneon «unseres» Michael Zisman zum Zug (und Druck!) kommt. Auf eine Reise in innere Welten entführt Tom Harrell. Scheinbar teilnahmslos setzt er am Horn zu improvisatorischen Höhenflügen an, als wollte er sagen: Zum Teufel mit Schizophrenie und Medikamenten, mein Elixier ist die Musik. Keiner bleibt kalt. Ulrich RothVorverkauf: www.jazzfestivalbern.ch und www.starticket.ch >

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