Nicht einig über Folgen

Wilderswil

Mit 400 Nein zu 359 Ja haben die Wilderswiler abgelehnt, das dritte Geschoss des geplanten Betriebsgebäudes für die Gemeindeverwaltung auszubauen.

Die Profile für ein dreigeschossiges Betriebsgebäude stehen; im obersten Stock wird aber nicht die Gemeindeverwaltung einziehen.

Die Profile für ein dreigeschossiges Betriebsgebäude stehen; im obersten Stock wird aber nicht die Gemeindeverwaltung einziehen.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Im Februar 2017 haben die Wil­derswiler 7,75 Millionen Franken für ein Betriebsgebäude für Werkhof und Feuerwehr gesprochen. Eingeplant war auch ein drittes Geschoss mit Büroräumen, die an Dritte vermietet und so zur Finanzierung des Gebäudes beitragen sollten.

Nachdem aber keine Mieter gefunden worden waren, schlug der Gemeinderat vor, mit der bisher bei der ­Burgergemeinde eingemieteten Gemeindeverwaltung in dieses dritte Geschoss zu ziehen und so die Platzknappheit der Verwaltung zu beseitigen und zugleich Mietkosten einzusparen.

Dazu wurde eine Zweckänderung der Drittnutzungsfläche (im Wert von 1,628 Millionen Franken) und ein Kredit von 800'000 Franken für den Ausbau des dritten Geschosses beantragt.

Gute Stimmbeteiligung

Dagegen warnten andere Wil­derswiler Bürger mit einem Flugblatt, das dem «Amtsanzeiger» beigelegt war, angesichts der in nächster Zeit anstehenden Investitionen, besonders auch für die Schule, vor Steuererhöhungen. Der Gemeinderat antwortete auf gleichem Weg, gemäss Finanzplan seien die Investitionen ohne Steuererhöhung tragbar, und es gebe keine konkreten Projekte für eine Schulhauserweiterung oder Turnhallensanierung.

Die Debatte, bei der es auch um den Verwaltungsstandort im Dorf (mit Bushaltestelle) oder am Dorfrand (heute ohne Haltestelle) ging, mobilisierte die Bürger: An der Abstimmung von gestern Sonntag lag die Stimmbeteiligung in Wilderswil mit 42,23 Prozent weit über dem kantonalen Durchschnitt. Das Ergebnis fiel knapp aus: 400 Stimmberechtigte sagten Nein zur Umnutzung, 359 Ja, und 6 legten leer oder ungültig ein.

Unverändertes Baugesuch

Die Folgen des Nein sind für den Gemeinderat klar: Die Gemeindeverwaltung bleibt an ihrem bisherigen Standort, und das Betriebsgebäude wird mitsamt dem dritten Geschoss gebaut. «Die Profile stehen bereits», erklärt Vizegemeindepräsident Walter Gruber auf Anfrage. «Das Baugesuch wird in den nächsten Wochen publiziert.» Läuft alles nach Plan, sollte das Gebäude 2020 stehen. Persönlich ist Gruber zuversichtlich, dass sich mit diesem konkreten Zeitplan nun doch noch Mieter für eine Drittnutzung finden lassen.

«Das ist nicht realistisch», meint Edi Schild, einer von zwei ehemaligen Gemeindepräsidenten, die sich zusammen mit weiteren Bürgern für das Nein eingesetzt haben. Für ihn ist die Ablehnung der Vorlage ein Auftrag an den Gemeinderat, die ganze Planung noch einmal zu überdenken. Der Gemeinderat sage zwar, dass keine Projekte für Schulhauserweiterung oder Turnhallensanierung bestehen.

«Aber die Turnhalle stammt aus den frühen Siebzigerjahren; und für den Bau der Dorfumfahrung muss nicht nur das Feuerwehrmagazin abgerissen werden, sondern auch die darüber untergebrachte ­Tagesschule. Es besteht also Handlungsbedarf», ist Edi Schild überzeugt. Das bestreitet auch Walter Gruber nicht. Doch vorläufig prüfe eine Kommission noch Optimierungen der bestehenden Schulräume.

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