Nutzung der Seewärme steckt im Oberland in Kinderschuhen

Faulensee

Wie lässt sich die thermische Energie, die im Thunersee steckt, besser nutzen? Antworten liefert ein Blick auf das Pilotprojekt Strandhotel Seeblick.

Energie aus dem Thunersee zum Heizen nutzen. Dies möchte das Strandhotel Seeblick in Faulensee tun. Doch die Hürden sind hoch.

Energie aus dem Thunersee zum Heizen nutzen. Dies möchte das Strandhotel Seeblick in Faulensee tun. Doch die Hürden sind hoch.

(Bild: Guido Lauper)

«Ohne Innovation gehst du unter», sagt Andreas Fetzer. So entwickelte der Hotelier in Faulensee Sprudelbecken, die sich vom Hotelzimmer auf den Balkon fahren lassen. Die so ausgerüsteten Zimmer im Strandhotel Seeblick sind ein Gästemagnet.

Innovativ ist Fetzer auch in Sachen Alternativenergie, er hat die Dächer mit Solarpanels bestückt, beheizt die Sauna mit Holzenergie: «Eine nachhaltige Energieversorgung ist mir sehr wichtig.» Und er will noch mehr.

In Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Spiez Solar möchte er ein Pilotprojekt umsetzen. Mehrere Liegenschaften in Faulensee sollen in einem Wärmeverbund mit Energie aus dem Thunersee beheizt werden.

Seethermie lautet das Schlüsselwort. Vergleichbar mit Luftwärmepumpen oder Wärmetauschern, die über Erdsonden Wärme gewinnen, lässt sich auch Energie aus dem Seewasser holen, beispielsweise, um Liegenschaften zu beheizen – oder zum Kühlen.

Wärme für ganze Quartiere

Buchstäblich naheliegend also, dass Andreas Fetzer am vergangenen Donnerstag im Saal des Strandhotels Seeblick einem Anlass Plattform bot, der die Bevölkerung für das Thema Seethermie sensibilisieren sollte: «Nutzung von Seewasser zum Heizen – Möglichkeiten und Potenzial für die Dörfer am Thunersee».

Jörg Hoffmann, Gesamtprojektleiter Energie Wasser Luzern, war eingeladen, um die Chancen und Herausforderungen eines Projektes zu erläutern, das in Luzern in den kommenden Jahren umgesetzt wird. 6800 Haushaltungen werden dort inskünftig mit Seethermie-Wärme aus dem Vierwaldstättersee versorgt.

Auch Alain Dougoud, Projektleiter der Kannewischer Group, ging auf die Möglichkeiten und das Potenzial von Seethermie ein. Bereits an über 40 Orten in der Schweiz wird heute Seewasser zum Heizen oder Kühlen genutzt.

Nebst Luzern nehmen die Städte Zürich, Genf, Lausanne, Zug, St. Moritz und Montreux eine Vorreiterrolle ein. Sie nutzen die Seethermie bereits zum Beheizen ganzer Quartiere. Zur Kühlung hingegen kommt Seewasser in Lugano zum Einsatz, für den Supercomputer Piz Daint. Er bildet das Rückgrat des Internets und ist Teil des nationalen Hochleistungsrechenzentrums.

Oberland mit Potenzial

In den Kinderschuhen steckt die Nutzung der Seewärme hingegen noch am Thunersee. Nur gerade das Sportzentrum Wichterheer in Oberhofen heizt mit Seewasser, und in Spiez wird das Freibad mit Energie aus dem See gespeist.

Dabei ist das Potenzial schier unerschöpflich. «Würden 100000 Haushalte ganz mit Wärme aus dem Thunersee versorgt, sänke die Temperatur im See gerademal um 0,1 Grad», führt Ruedi Steuri, Präsident von Spiez Solar, aus. Am von ihm organisierten Anlass in Faulensee äusserte er sich unter anderem zu den Chancen, die die Seethermie etwa in Thun oder Interlaken, dort unter Einbezug des Brienzersees, bieten würden.

Andreas Fetzers Pilotprojekt, sein Strandhotel Seeblick mit Energie aus dem Thunersee zu versorgen, kommt derweil nicht so recht voran. «Verschiedene Hürden sind einfach sehr hoch gesetzt», ärgert sich der Hotelier. Er erwähnt beispielsweise, dass für eine Anlage eine Mindestleistung von 200 Kilowatt vorgeschrieben sei oder dass das Seewasser erst auf 20 bis 30 Metern Tiefe angezapft werden dürfe.

Fetzer fühlt sich in seinen Bemühungen zur Nutzung von mehr ökologischer Energie im Stich gelassen: «Offenbar hält sich das Interesse des Kantons, umweltfreundliche Energieformen wirklich zu fördern und die nationalen Klimaziele 2050 zu erreichen, in Grenzen.»

Berner Oberländer

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