Niederbipp

Einen Monat mehr Zeit gefordert

NiederbippDas Dorf plant in Sachen Verkehr seine Zukunft. Die Diskussion zum Richtplan fällt kritisch aus. Vermisst werden die Jungen – und ein angemessener Rahmen.

Die Gehrengasse soll für Schüler wegen fehlender Fussgängerstreifen und Trottoirs zu viel Risiko bergen.

Die Gehrengasse soll für Schüler wegen fehlender Fussgängerstreifen und Trottoirs zu viel Risiko bergen. Bild: Thomas Peter

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Zögernd bewegen sie sich zu den fünf Tischen, auf denen Pläne und Tabellen aufgelegt sind. Rasch sind die Hemmungen überwunden, und die Diskussionen unter den Niederbipperinnen und Niederbippern nehmen an Fahrt auf. «

Aus dem Brühlweg wollt ihr wirklich eine Einbahn machen?»; «Die Hauptsache ist doch die Autobahn», oder «Viel zu viele Eltern holen ihre Kinder mit dem Auto von der Schule ab» – um nur einige Voten zu nennen, die im gut besuchten Räberhus widerhallen.

Die rund fünfzig ­gesprächigen Bewohner sind der Einladung der Gemeinde gefolgt, ihre Meinung zum Richtplan ­Verkehr 2017+ kundzutun. Dieser Richtplan wurde nach der letztjährigen Zukunftskonferenz vom Oensinger Planungsbüro BSB + Partner mit einer Arbeitsgruppe entworfen (wir berich­teten).

Der Einladung nicht gefolgt

Der Entwurf des Richtplans beinhaltet 16 Merk- sowie 2 Ergänzungsblätter. Alle widmen sich einem konkreten Thema, so etwa der grundsätzlichen Entlastung der Dorfstrassen, dem Braui-Kreisel, Geschwindigkeiten, dem Parkieren, dem Bahnhof und dem Schulweg sowie der Zerschneidung der Gemeinde durch die Kantonsstrasse und die Eisenbahnlinie.

«Heute sollt ihr euch einen Überblick verschaffen, die Pläne könnt ihr dann in Ruhe zu Hause oder in der Gemeindeverwaltung studieren», betont Simon Friedli vom Planungsbüro. Er und sein Kollege Dominik ­Langenstein sind an diesem Abend ebenso gefordert wie Bauverwalterin Nadja Stauffiger und die Mitglieder des Gemeinderates. Sie alle werden mit Fragen, Idederbieen und Anliegen bombardiert.

Auch Grossrat Beat Bösiger (SVP) lässt es sich nicht nehmen, über den Verkehr in seiner Heimatgemeinde mitzureden. Er findet es indes schade, dass kaum junge Niederbipperinnen und Niederbipper der Einladung gefolgt sind: «Das Durchschnittsalter der hier anwesenden beträgt ü-50. Schade dass diejenigen, die die Thematik in Zukunft betrifft, nicht da sind.»

Rund eine halbe Stunde haben die Anwesenden Zeit, die Pläne und Merkblätter zu studieren. Anschliessend zieren Post-it-Zettel die Unterlagen. Bis Ende Monat sollten die Bewohnerinnen und Bewohner nun die Möglichkeit haben, ihre weiteren Anliegen schriftlich bei der Gemeinde zu deponieren. Einigen ist das aber zu knapp. «Normalerweise hat man für so etwas 30 Tage Zeit», moniert ein Votant. Ein anderer stellt den Antrag, die Frist bis Mitte September zu verlängern. «Dann können wir auch gerade Ende September machen», erwidert Bauverwalterin Nadja Stauffiger. Planer Simon Friedli lenkt ein: «Wenn ihr froh darum seid, ist das eine gute Sache.»

Keine konkreten Lösungen

Weitere Missstände werden geortet und den Planern und Behörden zugeordnet. So wird die geplante Überbauung im Oberfeld thematisiert. «Über hundert Wohneinheiten sollen dort entstehen, und im Richtplan bleibt die Strasse einfach so, wie sie ist», beschwert sich eine Votantin.

Ihr fehlen ganz grundsätzlich konkrete Lösungen. Der Richtplan sei ein Instrument, mit dem ­Probleme angegangen werden könnten, erklärt Simon Friedli. Konkrete Lösungsvorschläge würden darin aber nicht gemacht. Gemeindepräsidentin Sibylle Schönmann (SVP) ergänzt, dass die Grossüberbauung im Oberfeld erst angegangen werden könne, wenn die Erschliessung geklärt sei.

Auch für die wachsende Industrie wünschen sich die Niederbipper einen besseren Anschluss, am liebsten gar eine ganze Umfahrung rund ums Dorf. Und die Schulwege sollen sicherer gestaltet werden.

«In der Gehrengasse sind täglich Schulkinder unterwegs. Die Strasse ist zu schmal, es gibt kein Trottoir, und es wird zu schnell gefahren», beschwert sich ein Anwohner. Rund um die Schule werde eine 30er-Zone geprüft, so Friedlis Antwort.

Sein Ziel ist es, bis Ende Jahr einen fertigen Richtplan, samt Prüfung durch den Gemeinderat und das Amt für Gemeinden und Raumordnung, vorweisen zu können. Friedli weiss: «Das wird schon schwierig.» Aber er werde anrufen oder eine Glace vorbeibringen, um das Ganze zu beschleunigen.»

(Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 22.08.2018, 06:46 Uhr

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