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Als das Zentrum noch autofrei war

Einst hiess sie Amthausgasse, heute kennen wir sie als Bahnhofstrasse. In den letzten 100 Jahren hat sich im Langenthaler Stadtzentrum einiges verändert, doch viele der markanten Häuser sind geblieben.

Nur Fussvolk gab es damals, 1911, im Kern von Langenthal anzutreffen. Im Hintergrund das Choufhüsi. Seit Freitag rollt der Verkehr auf der Langenthaler Bahnhofstrasse auch wieder Richtung Bahnhof. Bilder: zvg, Olaf Nörrenberg

Endlich, werden sich viele Autofahrer im Zentrum von Langenthal sagen. Endlich dürfen sie beim Manor wieder die Bahnhofstrasse runterfahren, ohne auf eine Umleitung zu stossen. Nach der Sanierung vom Spätsommer bis Mitte Dezember ist das Stadtzentrum nun vorerst baustellenfrei. An der Kreuzung sind die Pflastersteine weg, eine Betonplatte und Teerbelag ersetzen sie. Vor dem Museum sollen jedoch einzelne Arbeiten am Strassenrand und am Belag erst nächsten Frühling abgeschlossen werden, wenn es dann wärmer ist.

Bloss Schotter

Pflastersteine gab es im Zentrum von Langenthal auch vor 111 Jahren keine. 1906 bestand der ­Strassenbelag nämlich bloss aus Schotter. Nur an den Rändern stabilisierte eine Pflästerung die Strasse. Sowieso, die Bahnhofstrasse hiess damals gar nicht Bahnhofstrasse, sondern Amt­hausgasse. Das alte Waaghaus von 1748 auf der rechten Bildseite war bis dato noch Sitz des Re­gierungsstatthalters. Nebenan war eine Filiale der Kantonalbank untergebracht. Heute befindet sich hier das Museum.

«Hohe Trottoirs waren nötig»

Markant zeigte sich schon damals das Kaufhaus, das im 17. Jahr­hundert aus Holz gezimmert wurde. Die Langenthaler er­setzten dieses erst 1808 durch ­jenen Bau, der auch noch über 200 Jahre später bestehen sollte. Ebenfalls auf der rechten Seite im Bild sieht man das hohe weisse Gebäude, das Portmann-Haus. Es diente erst dem Tuchhandel, später verkaufte man darin Speze­reien, bevor die Räume zur Drogerie Kaffeebaum umgebaut wurden. Das Eckhaus zur Marktgasse hin war der eigentliche Kaffeebaum, das traditionelle Spezereiengeschäft Geiser, heute ein Reisebüro und die UBS-Filiale.

Den genauen Standort und die Funktion der jeweiligen Gebäude kann Stadtchronist Simon Kuert konkret bestätigen. Er fand einen Plan, der 1904 gezeichnet wurde, also zwei Jahre bevor das obere Bild entstand. Auf diesem Foto sind nebst den herumstehenden Passanten auch die hohen Trottoirs deutlich sichtbar. «Diese waren nötig, leitete man doch die Langete regelmässig bei Hochwasser durch die Amthausgasse zum Bahnhof ab», sagt Kuert.

Keiner besass ein Auto

Links im Bild ist das Restaurant Bierhalle zu sehen, das 1867 entstand, und das Elise Bürgi während 26 Jahren bewirtete. Trotz häufiger Wechsel in der Folge hiess die Wirtschaft auch weiterhin Bierhalle Bürgi. Erst im Jahr 1920 wurde das Restaurant aufgegeben. Albrecht Häusler kaufte die Liegenschaft, eröffnete eine Papeterie und Buchhandlung, später eine Druckerei.

Ins Auge sticht zudem, wie verkehrsfrei das Stadtzentrum um 1900 noch war. In der Markt- und der Amthausgasse verkehrten damals nur Fussgänger und Fuhrwerke mit Pferden. Motorwagen gab es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. In Langenthal besass aber auch 1906 noch keiner ein Automobil.

Heute fahren Autos, Busse und Lastwagen auf der Bahnhof­strasse. Das Amthaus, die Langete durch die Gasse und nun auch die Pflastersteine an der viel befahrenen Kreuzung sind passé. Ob sie künftigen Generationen fehlen werden? Julian Perrenoud

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