Ammann-Gruppe: Auf den Schlussstrich folgt Neues

Langenthal

Die Ammann-Gruppe will in Langenthal Kündigungen aussprechen und einen Bereich komplett schliessen. Sollte man sich deshalb grundsätzlich um den hiesigen Standort sorgen? Nicht unbedingt – die Firma setzt die Prioritäten anders.

Etwas hört auf, etwas Anderes beginnt:?Bei Ammann soll ein Team für die Entwicklung von digitalen Produkten hinzukommen.

Etwas hört auf, etwas Anderes beginnt:?Bei Ammann soll ein Team für die Entwicklung von digitalen Produkten hinzukommen.

(Bild: Daniel Fuchs)

Patrick Jordi@jordipatrick

Ein Bereich wird gleich ganz dichtgemacht, auf andere Tätigkeiten soll fokussiert werden. Zudem werden am Standort Langenthal Kündigungen ausgesprochen. Insgesamt bis zu 38, wie gleichentags noch bekannt wurde. Dies die Essenz einer ziemlich kurz gehaltenen Medienmitteilung, die die Ammann-Gruppe vor wenigen Tagen veröffentlichte.

Freilich: In der Kürze liegt normalerweise die Würze. Im vorliegenden Fall bleiben jedoch Fragen offen. Mit welchen langfristigen Entwicklungen ist für den hiesigen Firmenstandort zu rechnen? Bleibt Langenthal ein wichtiges Standbein für die Ammann-Gruppe? «Das Unternehmen muss sich zum Standort und zum Werkplatz Schweiz bekennen», teilte die Gewerkschaft Unia, Sektion Oberaargau-Emmental, unmittelbar nach Bekanntwerden des Stellenabbaus mit. Erwartet werde, dass die Ammann-Gruppe ihre kurz-, mittel- und langfristige Strategie für den Standort Langenthal gegenüber den Sozialpartnern und der Personalvertretung offenlege.

Strategien bleiben geheim

Ammann beteuert, dass «erste Gespräche» mit diesen Parteien «ab sofort» geführt würden. Was die Zukunftspläne angeht, gibt sich die Unternehmung allerdings bedeckt. «Weitere Strategien werden wir grundsätzlich nicht kommunizieren», teilt Massimo Mezzofanti, Direktor Marketing und Kommunikation bei Ammann Schweiz, auf Anfrage mit. Es gebe keine sachliche Grundlage für die Forderung der Sozialpartner.

Von einem kontinuierlichen Stellenabbau will Mezzofanti nichts wissen. Im Gegenteil: Der Personalbestand der Ammann Schweiz AG sei «beinahe» konstant geblieben – und zwar über die letzten 15 Jahre gesehen wie auch nach der letzte Woche angekündigten Massnahme.

Mezzofanti untermauert mit Zahlen: 530 Mitarbeitende (2002), 560 Mitarbeitende (2008, vor der Finanzkrise), 540 (2013) und 560 (heute, vor der Ankündigung). «Wir haben immer wieder Zukunftsfelder gestärkt, während wir gewisse Tätigkeiten eingestellt oder verlagert haben.» Letzteres ist 2014 passiert. Damals wurde das Walzengeschäft nach Tschechien verlegt – was hier rund 28 Mitarbeitende den Job gekostet hat.

Erst lanciert – jetzt Schluss

Nicht aus Langenthal abgezogen, sondern gleich ganz geschlossen, wird demnächst der Bereich der Asphaltfertiger. Schluss sein soll sowohl mit der Entwicklung als auch mit der Montage eigener Produkte. Es handelt sich dabei um ein recht junges Tätigkeitsfeld der Anlagen- und Maschinenbauunternehmung. Erst im Frühjahr 2014 hatte die Firma angekündigt, in den Bereich investieren zu wollen.

«Die Entwicklungsprojekte für dieses bei Ammann relativ neue Produkt waren über die letzten Jahre nicht erfolgreich», begründet Massimo Mezzofanti den Schlussstrich. Er weist die Behauptung zurück, wonach in Langenthal das Augenmerk künftig weniger der Herstellung denn eher der Entwicklung von Produkten gelten solle. «Die Entwicklung und die Fertigung der Herzteile sowie Leitsysteme für Anlagen werden in gleichem Umfang wie heute weitergeführt.»

Neu hinzu komme gar ein Team für die Entwicklung von digitalen Produkten. Das Stichwort dazu: «Industie 4.0», also die Verzahnung der industriellen Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik.

In der Vergangenheit betonte die Ammann-Gruppe wiederholt, der Standort Langenthal sei von zentraler Bedeutung. Daran scheint sich – trotz erneuter Kündigungen – nichts zu ändern. Die Unternehmung richtet sich anders aus: Sie setzt unter anderem auf den Aufbau von neuen digitalen Produkten. Dafür verzichtet sie künftig auf einen Bereich, der hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Insofern scheint der eingeschlagene Weg legitim zu sein.

Berner Zeitung

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