An den Jazz-Tagen fühlen sie den Herzschlag des Tangos

Langenthal

Bis Ende nächster Woche verwandelt sich das katholische Kirch­gemeindehaus in ein Jazz-House mit fünf Konzerten. Mit der argentinischen Sängerin Lily Dahab und Band gelang ein emotionaler Auftakt.

Überzeugte zum Auftakt der Jazz-Tage mit viel Passion und Melancholie: Die argentinische Sängerin Lily Dahab.

Überzeugte zum Auftakt der Jazz-Tage mit viel Passion und Melancholie: Die argentinische Sängerin Lily Dahab.

(Bild: Daniel Fuchs)

Brigitte Meier

Huellas oder auf Deutsch Spuren hinterlässt Lily Dahab nicht nur auf ihrem gleichnamigen Album, sondern nach ihrem Gastspiel an den Jazz-Tagen auch in Langenthal. Gesangliche Spuren von Tango nuevo, Folklore, Flamenco und Jazz bis hin zum Bossa nova, stilsicher zelebriert, werden von ihrer multikulturellen Band aus der Berliner Jazzszene sensibel zusammengefügt.

Von Beginn an fasziniert die Latina das Publikum mit ihrer Ausstrahlung und ihrer Stimme, sinnlich, geschmeidig, warm timbriert und mühelos wechselnd zwischen tiefen und hohen Lagen. Ihre sympathischen An­sagen werden übersetzt von Pianist Bene Aperdannier, der auch sämtliche Arrangements geschrieben hat, massgeschneidert auf die gefühlvolle Sängerin.

Selbst mit einem eingegipsten Arm und Rückenschmerzen, die von einem kürzlich erlittenen Unfall herrühren, ist sie immer in Bewegung: grazil, aber mit Grandezza. Inspiriert wird sie von ihrer Liebe zum Tango nuevo und der Musik des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla. Die Sehnsucht nach der zurückgelassenen Heimat verbindet sie mit Piazzolla.

Zaubern wie Messi

Leicht neigt Marcelo Mercadante den Kopf über das Bandoneon und spielt mit geschlossenen Augen, während seine schmalen Finger über die Tasten gleiten. Als Special Guest verbreitet er mit seinen Klängen eine träumerische Melancholie. Die charakteristischen Elemente des Tangos werden beim Tango nuevo neu zusammengefügt, aber durch die synkopischen Rhythmen, harmonischen Wendungen und Staccati bleibt das Wesentliche des Tangos erhalten.

Mit seinen tanzenden Fingern zaubert der Bandoneonspieler beinahe wie sein berühmter Cousin, Weltfussballer Lionel Messi, mit den Füssen, der wie Perkussionist Topo Gioia im argentinischen Rosario aufgewachsen ist. So hofft die Band darauf, Messi einmal als Konzertbesucher begrüssen zu dürfen, um ihm das Originalrezept für Empanadas mitzugeben, die sie als Jungen bei seiner Oma gegessen hätten.

Nach dieser humorvollen Geschichte erklingt eine poppige Version von «Bésame mucho». Mit «Como la cigarra» singt Lily Dahab ein ergreifendes Tribut an Mercedes Sosa, die mit dieser Hymne zur Stimme Lateinamerikas wurde.

Kaleidoskop der Gefühle

Aufgewachsen in Buenos Aires, kam Lily Dahab über Spanien nach Berlin. Das nomadische Wesen der Sängerin mit syrisch-türkischen Wurzeln widerspiegelt sich in der Begegnung mit den arabischen Elementen des Flamenco. Sie oszilliert zwischen ­euphorischen und melancholischen Gefühlen, wenn sie die Sehnsucht und die Liebe nach der Heimat besingt.

Mit einer Stimme, die ihresgleichen sucht, einer bildschönen Natürlichkeit, sanft und kraftvoll gleichermassen, hinterlässt sie tiefe Spuren und ein hingerissenes Langenthaler Publikum.

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