An Talenten mangelt es nicht

Huttwil

Gegen achtzig Personen fanden sich am Samstag zum Casting des Freilichtspiels «Burechrieg» ein. Etwa die Hälfte davon waren Frauen.

Regisseur Schang Meier (sitzend vorne links) und Drehbuchautor Gerhard Meister (vorne rechts) beobachten die Bewerber.

Regisseur Schang Meier (sitzend vorne links) und Drehbuchautor Gerhard Meister (vorne rechts) beobachten die Bewerber.

(Bild: Susanne Keller)

Das Ziel des Castings sei, sich einen ersten Überblick zu verschaffen, erklärt Regisseur Schang Meier im Saal des Hotels Kleiner Prinz in Huttwil. «Für uns ist es wichtig, zu wissen, mit wem wir unterwegs sein werden.» Rund achtzig Personen zeigen Interesse an einem Auftritt im Freilichtspiel über den Bauernkrieg von 1653, das im Sommer 2020 geplant ist. Gesucht sind zum Beispiel Bauern, die Obrigkeit oder die gnädigen Herren, wie Schang Meier sie auch nennt, sowie Gaukler und Kinder.

Weil gut die Hälfte der Interessierten Frauen sind, es aber kaum historisch belegte Frauenfiguren zum Bauernkrieg gibt, wird neben der Hauptfigur von Niklaus Leuenberger ein Frauenchor die Hauptrolle spielen. Der Bauernführer wird von einem Profischauspieler dargestellt werden. Grosse Frauenrollen kommen der Gattin von Niklaus Leuenberger und einer Pfarrerin zu. Auch Kinder braucht es: Sie spielen in der Familie des Bauernführers.

Die Geschichte der Frauen

Im Chor erzählen die Frauen ihre Geschichten, wie sie den Bauernhof allein weiterführten, während die Männer an Versammlungen teilnahmen oder die Stadt Bern belagerten. Oder wie es für sie war, als ihre Männer nach dem verlorenen Krieg geköpft, gehängt oder gevierteilt wurden. Der Chor treibt die Geschichte während der Aufführung weiter. Aber auch bei den Gauklern sind Frauen gefragt, die in Marktszenen als Jongleusen oder vielleicht sogar als Schwert- oder Feuerschluckerinnen auftreten könnten.

Während der musikalische Leiter, Ben Jeger, mit den Frauen gruppenweise im Keller zum Vorsingen verschwindet, werden an die Männer nach Auflockerungsübungen kleine Texte verteilt. Nach kurzem Einüben spricht einer nach dem anderen vor und versucht, die gewünschte Situationso authentisch wie möglich darzustellen.

Während Autor Gerhard Meister aufmerksam zusieht und zuhört, macht sich Schang Meier zu jedem einzelnen Notizen. Einige Talente stechen schon hier hervor. Einer ist Ivan Scherrer (30) aus Ursenbach. Er wurde von seiner Schwester, die selbst auch unter den Teilnehmerinnen ist, überredet, am Casting teilzunehmen. «Wahrscheinlich weil ich zu Hause immer den Clown spiele», meint er schmunzelnd. Grosse Erfahrung mit Theaterspielen hat er jedoch noch nicht, lediglich vor ein paar Jahren wirkte er bei einem Dorftheater mit.

Auch der Rentner Beat Burri kann überzeugen. «Ich spielte bereits in meiner Jugendzeit Theater, später fehlte mir aber leider die Zeit dazu», verrät der 67-Jährige aus Luthern. So packte er die Gelegenheit beim Schopf und bewarb sich für das Freilichtspiel. Ihm sei es einfach nur wichtig, dabei zu sein, egal, welche Rolle ihm schliesslich zugeteilt werde.

Bei den Frauen indes hörte sich Ben Jeger deren Stimmen an. «Wenn ich gewusst hätte, dass wir vor allen anderen vorsingen müssen, wäre ich nicht hierhergekommen», hörte man einige sagen. Letztlich überwanden jedoch beinahe alle ihre Scheu. Nicht nur erwachsene Frauen, auch Jugendliche waren unter den Teilnehmern auszumachen.

Zwei Schulfreundinnen

Die beiden Schulfreundinnen Flavia Fiechter und Leonie Schmid aus Huttwil, beide besuchen die 8. Klasse, hatten sich ebenfalls fürs Casting angemeldet. Während Flavia das Theaterspielen liebt und gerne eine Sprechrolle hätte, würde Leonie lieber nur als Statistin mitwirken. «Singen und sprechen ist nicht so meine Sache», verrät sie. Flexibel in ihren Wünschen hingegen ist Ruth Wüthrich (50), sie kommt aus Langenthal und hat den Aufruf zum Mitwirken im Radio gehört. Sie ist offen für alles und kann sich auch eine Mithilfe im Hintergrund vorstellen.

Sie üben getrennt

Bereits in der ersten Woche im September wird mit den Proben begonnen. Wobei Frauen und Männer vorerst noch getrennt üben. Erst zu einem späteren Zeitpunkt werden sie zusammengeführt. In einem weiteren Schritt, was laut Regisseur Anfang Winter sein wird, werden dann die definitiven Rollen verteilt. Gesucht werden noch Tiere, welche auf der Bühne mitwirken sollen. So könnte sich Schang Meier vorstellen, dass Esel die Gaukler begleiten und Pferde die Bauern mit einer Kutsche zu den Versammlungen bringen.

Leckerbissen zum Schluss

Eine Gage wird den Laienschauspielern nicht ausbezahlt. «Dafür werden wir Sie aber gut mit Essen und Getränken versorgen», stellte Meier in Aussicht.«Zudem erleben wir etwas Einmaliges gemeinsam.»

Eine kleine Kostprobe ermöglicht am Schluss des Castings einen Einblick in die Ideen von Schang Meier und Gerhard Meister: Fünf Frauen werden nach vorne gebeten, jede erhält einen kleinen Text. Sie bieten ein beeindruckendes kleines Schauspiel, das Lust auf mehr aufkommen lässt.

Langenthaler Tagblatt

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