Andere Städte, andere Strukturen

Langenthal

Das politische Oberhaupt? Der Stadtschreiber? Eine Drittperson? Der Gemeinderat macht sich Gedanken über die Organisation der Verwaltungsleitung.

Im Glaspalast wurden die Hierarchien 2010 neu geregelt.

Im Glaspalast wurden die Hierarchien 2010 neu geregelt.

(Bild: Thomas Peter)

Kathrin Holzer

Die Personalunion von Stadtschreiber und Verwaltungsleiter sei nicht in Stein gemeisselt, sagte Stadtpräsident Reto Müller (SP) nach dem Weggang der stellvertretenden Stadtschreiberin. Sie hat ihren Posten bekanntlich Ende Januar dieses Jahres niedergelegt. Für den Gemeinderat mit ein Grund, sich Gedanken zu machen über die künftige Organisation der Verwaltungsführung «auch auf oberster Ebene», wie Müller sich ausdrückte. Entsprechend offen ist der Gemeinderat die Suche nach einer Nachfolge für Regula Schneider angegangen.

Ein Blick in nahe Städte vergleichbarer Grösse zeigt: Das Verwaltungsleitungsmodell in der Form, wie es Langenthal heute anwendet, ist nicht die einzige denkbare Lösung. Bewusst wurde andernorts darauf verzichtet.

Die Stadtpräsidenten

Mit etwa 16 000 Einwohnern, 40 Parlamentariern und 7 Gemeinderäten mit der Ausgangslage von Langenthal vergleichbar ist etwa die Stadt Burgdorf. Dort wird die Stadtverwaltung in erster Linie vom Stadtpräsidenten geführt. Die Leiter der sechs Direktionen sind diesem direkt unterstellt. Der Stadtschreiber leitet die Präsidialdirektion und die Sitzungen aller Direktionsleitungen, ist diesen als Primus inter Pares aber hierarchisch gleichgestellt.

Die Stadt Burgdorf habe sich bei der Einführung des New Public Management im Jahr 2005 eingehend auch mit dem Verwaltungsleitungsmodell auseinandergesetzt, erklärt Stadtpräsident Stefan Berger (SP). «Obwohl organisationstheoretisch vieles für das CEO-Modell spricht, wurde dieser Reorganisationsschritt als politisch zu gross betrachtet.»

Auch in Solothurn obliegt die Leitung der verschiedenen Verwaltungsabteilungen direkt dem Stadtpräsidenten. Bis heute sei die Verwaltung mit diesem System zufrieden, sagt Stadtschreiber Hansjörg Boll. «Allerdings im Bewusstsein, dass das Funk­­­tionie­ren weitgehend von der Person des Stadtpräsidenten oder der Stadtpräsidentin abhängt.»

«Obwohl vieles für das CEO-Modell spricht, wurde ­dieser Reorga­­ni­sationsschritt als ­politisch zu gross betrachtet.»Stefan BergerStadtpräsident Burgdorf

Erst vor Kurzem sei in Solothurn auch das Modell CEO diskutiert worden, in dem ein angestellter «Direktor» die Führung der dezentral auf verschiedene Standorte verteilten Verwaltung übernähme und die gewählten insgesamt 30 Exekutivmitglieder praktisch als Verwaltungsrat die strategische Führung tragen würden, erklärt Boll. Das Modell sei allerdings abgelehnt worden: Weil eine Trennung von politisch-strategischer und operativer Führung schwierig scheine, sagt Hansjörg Boll. Aber auch, weil einem solchen CEO die demokratische Legitimation durch Wahlen fehlen würde.

Alle Ratsmitglieder

Das sogenannte Ressortführungssystem kommt im aargauischen Zofingen zum Zug. Alle ­Exekutivmitglieder, neben dem Stadtammann im Vollamt also auch die sechs Stadträte im Nebenamt, tragen dort neben der politischen auch die personelle Verantwortung über ihr Ressort. «Das heisst, dass jedes Exekutivmitglied eine(n) oder mehrere Kadermitarbeitende direkt führen», erklärt Hans-Ruedi Hottiger (parteilos), der Ammann der Kleinstadt mit ihren rund 12 000 Einwohnern.

Der Vorteil dieses Systems liege in einer ungeteilten Führungsverantwortung, findet Hottiger. «Die politische Ebene trägt nicht nur die fachlich-politische, sondern auch die personelle Führungsverantwortung», was auch der gängigen Führungslehre entspreche.

«Der Geschäfts­führer oder die Geschäftsführerin hätte eine sehr starke Stellung,  was vielerorts auf Ablehnung stösst.»Martin Wey Stadtpräsident Olten

Allerdings berge dieses Modell auch die Gefahr eines Gärtlidenkens bei den einzelnen Ressorts. «Dem wirken wir durch verschiedene Koordinationsgefässe auf politischer und operativer Ebene entgegen», verweist Hottiger etwa auf die Bereichsleiterkonferenz, bei der die etwa zehn Mitglieder der obersten Kaderebene unter der Leitung des Stadtammanns alle zwei Wochen tagen würden.

So sei man in Zofingen denn auch nach wie vor überzeugt vom eigenen Führungs­modell, das am Ende der Legis­laturperiode jeweils überprüft werde. Die Verantwortung und die Anforderungen an die ­Exekutivmitglieder seien zwar grösser als andernorts, sagt Hottiger. Gleichzeitig schaffe der klar definierte Aufgabenbereich aber auch Transparenz, und die zusätzliche Verantwortung erhöhe die Motivation.

Zwei Ebenen

Auch in Olten mit seinen rund 19 000 Einwohnern sind die Führungsaufgaben auf alle fünf Exe­kutivmitglieder aufgeteilt. Ihnen obliegt allerdings nur die strategische Führung, während für die operative Führung die verschiedenen Direktionsleiter zuständig sind.

Man habe im Hinblick auf die letzten August angelaufene Legislaturperiode verschiedene alternative Führungsmodelle geprüft, sagt Stadtpräsident Martin Wey (CVP). Zur Diskussion gestanden sei dabei auch das so­genannte CEO-Modell entweder mit einem operativen Verwaltungsleiter oder dem Stadtprä­sidenten als Leiter der gesamten Verwaltung. «In beiden Fällen wäre die Koordination zwischen den Direktionen wohl einfacher», räumt Wey ein. Sei diese heute doch «anspruchsvoll, aufwendig und manchmal auch schwierig».

Hingegen würden die Exekutivmitglieder durch einen Wechsel zum CEO-Modell in ihrem Stellenwert herabgestuft. «Der Geschäftsführer oder die Geschäftsführerin hätte eine sehr starke Stellung, was vie­lerorts auf Ablehnung stösst», gibt der Stadtpräsident zu be­wdenken.

Kommt hinzu, dass die Funktion des CEO, sofern diese nicht der Stadtpräsident selber übernimmt, erst noch geschaffen werden müsste in Olten. Der Stadtschreiber als Leiter der Präsidialdirektion, sagt Wey, «könnte neben den bisherigen Aufgaben nicht auch noch die Gesamt­leitung inklusive der Führung der übrigen Direktionsleitungen übernehmen».

Berner Zeitung

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