Auch das neue Projekt wird torpediert

Melchnau

Für die geplante Sanierung der Turnhalle nimmt die Gemeinde Melchnau einen neuen Anlauf. Bereits im Vorfeld wird klar: Das Vorhaben ist umstritten. Der Befürworter eines Neubaus hat einen Rückweisungsantrag in Aussicht gestellt.

Schwieriges Pflaster: Die Melchnauer Turnhalle, an deren Sanierung sich die Geister scheiden.

Schwieriges Pflaster: Die Melchnauer Turnhalle, an deren Sanierung sich die Geister scheiden.

(Bild: Thomas Peter)

110'000 Franken möchte der Gemeinderat für die Turnhallensanierung und den Erweiterungsbau des Mehrzweckraums. Über einen Projektierungskredit in dieser Höhe wird die Melchnauer Versammlung am 12. Juni entscheiden.

Im Vorfeld lud die Gemeinde zur Infoveranstaltung am Dienstagabend und schaltete die Pläne auf ihrer Website auf. «Wir haben uns dazu entschlossen, vertieft über das Projekt zu orientieren», erklärte Gemeindepräsident Ulrich Jäggi (SVP).

Seit Jahren ist die Sanierung der bestehenden Turnhalle oder der Bau einer neuen Halle in Melchnau Thema. 2013 hatte die Gemeindeversammlung den Bau einer neuen Halle mit der Verpflichtung der Gemeinde von 1,5 Millionen Franken zurückgewiesen.

Damals war vorgesehen, dass eine Genossenschaft 1 Million Franken beisteuern sollte. «Der Souverän glaubte nicht, dass das gelingt», erklärte der Gemeindepräsident rückblickend. Vielmehr sollte die Finanzierung vollumfänglich über die Gemeinde laufen.

Zudem zeigte die Versammlung auf, dass ein Neubau auch wegen der Kosten kaum eine Chance auf Zustimmung hat. Während derselben Gemeindeversammlung wurde aber ein Projektierungskredit von 40'000 Franken für die Überarbeitung des Projekts gesprochen.

Anschliessend traf der Gemeinderat Abklärungen und bildete mit Vereinen und interessierten Kreisen eine Arbeitsgruppe, um ein neues Projekt zu ­erarbeiten. Verschiedene Möglichkeiten wurden diskutiert und weitere Abklärungen bei der Schule und den Vereinen vorgenommen. «Die Arbeitsgruppe hat sich deutlich gegen einen Hallenneubau ausgesprochen», fasste Ulrich Jäggi am Dienstag die Erkenntnisse zusammen.

Struktur soll erhalten bleiben

Zur Studie für die Gebäudesanierung und den Erweiterungsbau der Mehrzweckhalle informierte Philipp Schärer vom Melchnauer Architekturbüro Haldimann + Schärer. «Die Grundstruktur der bestehenden Halle bleibt erhalten, auch aus Kostengründen», erklärte Schärer.

«Kernstück des Projekts ist das Untergeschoss.» Hier sind auf der Südseite in einem 153 Quadratmeter grossen Anbau eine Küche mit Vorratsraum, ein Stuhldepot, Toilette, Raum für die Tagesschule, Materialräume, Lift sowie ein flexibel nutzbarer Raum angedacht.

Im Obergeschoss sind Anbauten für Bühnenelemente, Lehrergarderobe und Lagermaterial vorgesehen. «Sogenannte ‹Lichtkanonen› auf dem Dach versorgen den Anbau im Süden mit Licht», erklärte Schärer. Und: ­Alles könne in Etappen saniert werden.

Ohne dass die Steuern steigen

Für den Anbau werden geschätzte 1,276 Millionen und für die Sanierung 1,545 Millionen benötigt – insgesamt also 2,821 Millionen Franken. «Wir rechnen mit jährlichen Kosten von 180'000 Franken», erklärte Gemeinderätin ­Susanne Kratochvil.

«Im Moment können wir uns die Halle leisten, ohne dass über eine Steuererhöhung diskutiert werden muss. Unsere Finanzen sind besser als erwartet», betonte die für Finanzen und Steuern Zuständige. ­Finanzielle Prognosen für die nächsten Jahre seien sehr schwierig zu stellen. Melchnau verfügt aktuell über ein Eigen­kapital von rund 2 Millionen Franken.

In der anschliessenden Diskussion wurde deutlich, dass die Turnhallensanierung in Melchnau nach wie vor ein umstrittenes Projekt ist. Peter Stalder, der sich seit Jahren vehement für den Bau einer neuen Halle einsetzt, versprach, an der Gemeindeversammlung einen Rückweisungsantrag zu stellen und seinerseits ein Projekt zu präsentieren. «Ich werde es darlegen, dann kann der Souverän entscheiden.»

Mitglieder des Turnvereins bemängelten, dass der Gemeinderat lediglich ein Projekt präsentiere statt einer Auswahl. Es wurden auch Befürchtungen laut, dass bei einer Ablehnung des Projektierungskredits die Arbeit von vorne beginnt und in den nächsten Jahren gar nichts passiert.

«Es ist ein Kompromiss, aber wir müssen das tun. Ein grosses Projekt würde wahrscheinlich wieder abgelehnt», bekannte ein Mitglied der Musikgesellschaft. Auch Schulleiterin Ursula Salvetti plädierte für die Sanierung und den Anbau der Halle: «Die Schule ist mit diesem kleinen Projekt mehr als zufrieden.»

«Grundsatzentscheid nötig»

«Es braucht nun an der Gemeindeversammlung einen Grundsatzentscheid mit Sprechung eines Projektierungskredits», betonte Ulrich Jäggi zum Abschluss der Orientierung. Auch Architekt Philipp Schärer wies darauf hin, dass nun ein solcher Entscheid gefällt werden müsse – denn mit diesem Hin und Her sei die Planung für eine Sanierung der Halle unmöglich.

Wird dem Kredit zugestimmt, trifft sich die Arbeitsgruppe zu einer nächsten Sitzung. Bis Dezember laufen Vorabklärungen. Im Sommer 2018 will die Gemeinde das Projekt zur Abstimmung unterbreiten, informierte Ulrich Jäggi über die nächsten Schritte.

Berner Zeitung

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