Auf den Spuren von Hector Egger

Langenthal

Die Bauten des Architekten prägen Langenthal seit einem Jahrhundert. Eine Führung zeigte nun auf, dass er auch mit weniger ­bekannten Gebäuden Pionierleistungen erbrachte.

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Giannis Mavris

An ihm kommt man einfach nicht vorbei. «Ich biete schon seit Jahren klassische Stadtführungen an. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass es kaum ein Quartier gibt, in dem Hector Egger nicht seinen Abdruck in irgendeiner Form hinterlassen hat», sagte Jana Fehrensen.

Die Co-Präsidentin des Museums hat sich schon für die Sonderausstellung «170 Jahre Hector Egger» intensiv mit dem Langenthaler Architekten beschäftigt. So ist sie auf die Idee gekommen, eine Führung zu organisieren, die explizit nicht seine bekanntesten Bauten wie die Badi oder das Porziareal berücksichtigt. Sondern weniger bekannte Gebäude, die jedoch selber mitunter interessante Geschichten zu erzählen haben.

In etwas mehr als zwei Stunden führte Fehrensen am Samstag die Mitglieder der Historischen Gesellschaft Langenthal durch die Stadt und zeigte an den rund ein Dutzend Stationen die grosse Bandbreite des Schaffens von Hector Egger und einigen seiner Weggefährten auf.

Die sommer­liche Hitze setzte den rund zwanzig Teilnehmern zwar etwas zu, dafür waren dank der Helligkeit auch viele Details und Spiele­reien gut sichtbar, die sich in manchem der Häuser finden.

In verschiedenen Stilen

Los ging es am Bahnhof. Der Firmensitz befand sich zunächst auf dem heutigen Ammann-Areal, damit man in der Nähe des damals neu durch Langenthal gehenden Schienenverkehrs war.

«Ich glaube, der Mann schlief nie.»Führerin Jana Fehrensen

Gleich gegenüber realisierte Egger seinen ersten bedeutenden Bau: das Amtshaus. Der massive Putzbau entstand im vom Neo­barock geprägten Heimatstil, der in lokalen und regionalen Bautraditionen wurzelte und zu dieser Zeit in zahlreichen nordeuropäischen Staaten blühte.

Egger beschränkte sich jedoch nicht darauf, sondern baute auch viel im sachlichen Stil: Die Funktion des Gebäudes bestimmte oft seine Form, so etwa bei Merkur Druck, wo die funktionale Befensterung Zeuge dafür steht. Er spielte auch immer wieder mit Reminiszenzen an baulichen Nachbarn: So hat beispielsweise das Gebäude an der Wiesenstrasse, wo das Geschäft von Kohler Optik untergebracht ist, die gleiche Fassade wie die Alte Mühle, in kleinerem Format.

«Unscheinbare Pioniertaten»

Dass Egger immer wieder Pionierleistungen erbrachte, wurde bei der Führung gleich an mehreren Gebäuden sichtbar. So bei der Möbelfabrik Bösiger, die der bei Hector Egger ausgebildete Bauzeichner Willy Bösiger entwarf und sein ehemaliger Chef als Baumeister realisierte. Dabei handelt es um einen Pionierbau des ­modernen Bauens und eines der ersten Flachdachhäuser in der Schweiz – und das erste solche mit einem Garten auf dem Dach.

Erwähnenswert sind auch die Brockenstube in der Farbgasse, die in einer der letzten noch ­existierenden Herag-Baracken untergebracht ist, sowie der Doppelkindergarten Winkel, der architekturgeschichtlich wertvoll ist und nach dessen Vorbild etliche weitere in der Region gebaut wurden. «Eine seiner unscheinbaren Pioniertaten», wie Fehrensen sagte.

Üppige Hinterlassenschaft

Vom Bahnhof ging es über das Kreuzfeld-Areal zum Rumi-Weg, die Farbgasse hinab bis zur reformierten Kirche, runter zur Alten Mühle und über Wuhrplatz und Marktgasse bis zum Restaurant Braui, wo Egger das Waaghüsli gebaut hat. Der Kleinbau zum Schluss der Tour ist gewissermassen das Gegenstück zum dominanten ehemaligen Amtshaus und die Bestätigung, dass der manchmal eigenwillige Architekt eine enorme Vielfalt bei der Umsetzung seiner Ideen an den Tag legen konnte.

Hector Egger, der noch bis kurz vor seinem Tod 1956 arbeitete, ­bewies in seinem Arbeitsleben einen enormen Schaffensdrang. So baute er – neben Industriebauten, Schulhäusern, Arbeitersiedlungen – ganze 150 Villen. Wie schaffte er das? «Ich glaube, der Mann schlief nie», sagte Fehrensen.

Dass der Mensch Hector Egger jedoch durchaus auch einen Sinn für Humor hatte, unterstreicht folgende Anekdote: Obwohl weitherum bekannter Architekt und Baumeister, baute er für sich ein unscheinbares, bescheidenes Haus – Spott und Häme liessen natürlich nicht auf sich warten. Als Reaktion darauf liess Egger folgenden Satz an seinem Haus anbringen: «Wem diese Bauart nicht gefällt, der baue besser für sein Geld.»

Die Stadtführung findet nochmals am Sonntag, 17. Juni, statt. Mehr Infos gibt es auf der Websitedes Museums.

Langenthaler Tagblatt

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