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Auf Kommando weinen

Sara Bienek spielt mit viel Mimik und Körpersprache. Die Bewegungsschauspielerin bringt Gefühle auch ohne grosse Worte zum Ausdruck. Dafür wurde sie vor kurzem ausgezeichnet.

Wenn Sara Bienek ganz fest an eine Person denkt, die nicht mehr in ihrem Leben ist, dann wird sie traurig. So traurig, dass sie weinen muss. In solch dunklen Er­innerungen versinkt die 22-Jährige regelmässig. Nicht weil sie besonders sentimental ist. Doch Gefühle zum Ausdruck bringen ist Teil ihres Berufs.

Die ange­hende Bewegungsschauspielerin kann auf Kommando von Herzen weinen, lachen oder total wütend sein. Am Anfang fiel es ihr schwer, solch persönliche Gefühle öffentlich zur Schau zu tragen. «Ich weine sonst nie vor Leuten», sagt sie. Doch mit der Zeit habe sie gemerkt, dass Schwäche zeigen ex­trem stark wirken könne. Viel Kraft erforderten die Gefühlsausbrüche aber noch immer. Denn man dürfe ja trotzdem nicht die Kontrolle verlieren. «Zack, musst du von Trauer zu Freude wechseln», sagt sie.

Diese Emotionen spielt Sara Bienek so überzeugend, dass sie ausgezeichnet wurde. Im Februar gewann die Langenthalerin den Studienpreis Bewegungstheater des Migros-Kulturprozents. Dies, obwohl sie noch mitten in der Ausbildung steckt. Derzeit ist sie im dritten Studienjahr an der ­Comart in Zürich.

Dort lernt Bienek nicht nur die Schauspielerei. Auch tanzen, musizieren oder ein Bühnenbild kreieren gehört dazu. Doch was genau ist eigentlich eine Bewegungsschauspielerin? «Der Fokus liegt mehr auf dem Körper und weniger auf der Sprache», sagt Sara Bienek. So ­erzähle man die Geschichte vor allem mit Mimik und Körpersprache. Wie beispielsweise bei der Pantomime.

Nebenrolle bevorzugt

Lebhaft gestikuliert die Bewegungsschauspielerin, wenn sie über ihre Leidenschaft berichtet. Immer wieder unterbrochen von einem herzlichen Lachen. Man kann sich vorstellen, wie Sara Bienek auf der Bühne wirkt: präsent und einnehmend. Sie sei schon sehr expressiv, sagt sie. Doch im Privaten, mit Freunden und Familie, müsse sie nicht im Mittelpunkt stehen.

«Wie Clown Dimitri mit wenigen Worten eine ganze Welt schaffen konnte, ist beeindruckend.»

Sara Bienek

So habe sie bereits in der Schule nicht immer die Hauptrolle gespielt. Bei den Schulaufführungen schlüpfte sie lieber in eine Nebenrolle. «Ich war sehr schüchtern und wollte nicht zu sehr auffallen.» Auf­müpfig sei sie dann mehr zu Hause gewesen. Als Jüngste von fünf Geschwistern musste sie sich behaupten. Trieb sie gerade keinen Unfug, war Sara Bienek gern im Atelier ihres Vaters, eines Bildhauers und Kunsttherapeuten. «Es war ein kleines Paradies für uns Kinder, denn wir konnten uns mit den verschiedensten Materialien beschäftigen.»

Die Tournee

Auch heute ist sie noch gern dort. Doch bleibt bei ihrem hektischen Alltag nicht mehr viel Zeit dafür, sich handwerklich zu betätigen oder die Familie in Langenthal zu besuchen. Derzeit steckt Sara Bienek nämlich mitten in der Vorbereitung für eine Tournee. Zusammen mit ihren Studienkollegen reist sie im nächsten September quer durch die Schweiz. Thun, Bern und Solothurn stehen unter anderem auf dem Plan. Gern würde Sara Bienek zudem in ihrer Heimatstadt spielen.

«Ich hoffe, wir finden in Langenthal einen passenden Spielort», sagt sie. Das Stück «Merci beaucoup» soll eine Hommage an die grossen Bewegungskünstler sein. So auch an den im letzten Sommer verstorbenen Clown Dimitri. «Wie er mit wenigen Worten ei­ne ganze Welt schaffen konnte, ist beeindruckend.» Das Stück schreiben die Studierenden gemeinsam mit einem Regisseur. Die Organisation der Tournee nehmen sie eigenständig in die Hand. Denn Ziel der Ausbildung sei, Künstler hervorzubringen, die eigene Projekte realisieren könnten, so Bienek.

Ein Risiko eingehen

Was sie mit all dem Erlernten danach anfangen will, weiss Sara Bienek noch nicht genau. Ihre Zukunft malt sie sich erst mit schwachen Farben und unge­wissen Linien aus. Vieles kann sie sich vorstellen. Und dank des Stipendiums, das sie vom Migros-Kulturprozent gewonnen hat, muss sich die 22-Jährige noch nicht gleich festlegen. «So habe ich die Chance, weitere Ausbildungen zu machen.»

Hörbücher erzählen, mit einem kleinen Zirkus auf Tournee gehen oder in einer Company eigene Projekte realisieren – all das kann sie sich vorstellen. Und wenn es dann nicht gleich klappt mit dem passenden Engagement? «Dann arbeite ich erst mal in einem Café.» Von einigen Freunden ­seien schon Zweifel gekommen, was sie denn mit dieser Ausbildung anfangen wolle. «Sie sahen das mehr als Hobby.»

Diese Zweifel hätten sie aber nie von ihrem Weg abgebracht. Denn die Be­wegungsschauspielerei sei das, was sie machen wolle. «Dafür gehe ich gern ein gewisses Risiko ein.»

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