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Ausflug ins Paradies

Langenthal

Marie T. Martin (36) verbringt als Stipendiatin der Lydia-Eymann-Stiftung ein Jahr in Langenthal. In dieser Kolumne schildert die Deutsche ihre Eindrücke aus der Region.

Marie T. Martin Eine Deutsche in Langenthal.

Marie T. Martin Eine Deutsche in Langenthal.

(Bild: Nicole Philipp)

Unlängst habe ich einen Ausflug ins Paradies gemacht. Es befindet sich nicht im Himmel, wie man vielleicht vermuten sollte, sondern in Winterthur-Wülflingen. Vom dortigen Bahnhof geht man noch etwa eine halbe Stunde bergauf und bergab über die Felder, dann erreicht man die Galerie Weiertal, die gerade eine Skulpturen-Biennale ausrichtet. In einem verwunschenen Garten kann man dort die Arbeiten von 25 Künstlerinnen und Künstlern bewundern. Ihre Werke sind in die Landschaft eingebettet und treten mit der Umgebung und uns in Kontakt. Etwa drei Plastik-Einhörner, die auf dem See treiben, oder poetische Tränen aus Glas, die an einem Apfelbaum hängen. Eine Lichtschwelle im Dämmerlicht vor einer Hecke oder der bedrohliche Satz  «The end is near» auf einer grossen Tafel, die aufs Feld hinausweist. «Paradise, lost» –  das verlorene Paradies  –  so lautet der Titel der Ausstellung. Auf vielfältige Weise regt sie dazu an, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was ein Paradies eigentlich ist. Inwiefern tragen wir selbst dazu bei, es zu erschaffen oder zu zerstören? Unserem Garten Eden, der Erde, geht es nicht gut. Sie hat Fieber und leidet unter Ausbeutung und Zerstörung. Auch vielen Menschen geht es nicht gut, die in einem auf Geld und Privilegien ausgerichteten System unter die Räder kommen oder vor Gewalt und Armut fliehen müssen.

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