Ausreissen zwecklos

Langenthal

Der Japanische Staudenknöterich macht sich am Langeteufer breit. Jetzt versuchen Schulkinder in Langenthal dem invasiven Neophyten Herr zu werden.

Hartnäckig: Der Japanknöterich breitet sich rasant aus.

Hartnäckig: Der Japanknöterich breitet sich rasant aus.

(Bild: Urs Jaudas)

Seit Jahren schon ist man in Langenthal gegen Pflanzen aus fernen Gebieten aktiv, die die einheimische Flora zu verdrängen drohen. Galt die Aufmerksamkeit in der Vergangenheit vor allem etwa dem Drüsigen Springkraut oder dem Einjährigen Berufskraut, steht jetzt ein noch weitaus hartnäckigerer Gegner im Fokus: der Japanische Staudenknöterich, kurz Japanknöterich.

Hartnäckig ist die Pflanze mit ihren bis zu über 2 Meter hohen Trieben nicht nur wegen des schnellen Wachstums, mit dem sie heimischen Pflanzen Licht und Nährstoffe nimmt und so deren Wachstum verhindert.

«Im Gegensatz zu anderen invasiven Neophyten kann man den Japanknöterich nicht einfach ausreissen», erklärt Werner Stirnimann, dessen Biodiversia GmbH betraut ist mit der Bekämpfung invasiver Neophyten in Langenthal und weiteren Gemeinden der Region. Auch ein Pickel genüge nicht.

«Wer den Japanknöterich mit einem Bagger entfernen möchte, muss meines Wissens mindestens 5 Meter Erde ausheben und in der Deponie entsorgen.» Dort müsse das Deponiegut mit mindestens 10 Metern überdeckt werden, damit die Pflanze nicht erneut an die Oberfläche durchtreibe. In Langenthal werde eine solch teure Massnahme so schnell wohl nicht umgesetzt.

Immer wieder knicken

Um der Ausbreitung des Knöterichs dennoch Einhalt zu gebieten, setzt Stirnimann in Zusammenarbeit mit der Rudolf-Steiner-Schule jetzt auf Handarbeit: Bereits dreimal sind Schulkinder ausgerückt, um die Triebe des Neophyten am Langeteufer zwischen Alter Mühle und Brüelwald zu knicken.

Entfernen könne man die Pflanze mit dieser Massnahme zwar kaum, sagt Stirni­mann. Häufiges Schneiden und Knicken würden jedoch die Ausbreitung eindämmen und die Pflanze sogar schwächen – sofern keine Pflanzenteile ins Gewässer gelangen.

Das Engagement sei von der Schule aus gekommen, so Stirni­mann. Noch bis zu sechs weitere Einsätze sollen bis zu den Sommerferien folgen. Möglichst viele, weil das den Gehölzpflanzen Vorsprung gebe.

Wie wirksam der Versuch ist, wird sich zeigen. Dass ohne frühes Eingreifen das Wachstum des Japanknöterichs kaum aufzuhalten ist, zeigt ein Blick ins Ausland. So hat sich der invasive Neophyt etwa in Gegenden Grossbritanniens über grosse Flächen dermassen ausgebreitet, dass keine anderen Pflanzen mehr wachsen.

Das hat Auswirkungen nicht zuletzt auf den Wert der Grund­stücke. Die Wertverminderung durch Problempflanzen ist denn auch Thema einer Veranstaltung des örtlichen Bäuerinnen- und Bauernvereins am 13. Juni im luzernischen Altbüron.

khl

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt