Bald geht es auf die Schatzsuche

Huttwil

Der erste Workshop der Fachhochschule Burgdorf in Huttwil ist ausgewertet, das umfangreiche Material dazu im Internet aufgeschaltet.

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Jürg Rettenmund

Wie mit den vielen Neubauten und leeren Wohnungen umgehen? Zu diesem brennenden Thema in Huttwil wurde letzten Dezember ein Workshop organisiert, mit dem ein Prozess angestossen werden soll. Eines haben die Teilnehmer von damals dabei bereits erreicht: Die Vertreter der Fachhochschule Bern aus Burgdorf nahmen als Erkenntnis mit, dass Huttwil nicht ein Dorf ist, sondern ein Städtchen.

Deshalb nennen sie das Ganze nun nicht Dorfwerkstatt, sondern Städtliwerkstatt. Entsprechend finden sich die Ergebnisse im Internet unter www.städtliwerkstatt.ch. Geleitet wird der Prozess von Christine Seidler, Professorin für Urbane Entwicklung und Mobilität.

«Äxgüsi»

Eines hingegen konnten die Teilnehmer den Fachleuten damals nicht mitgeben, obschon diese doch sogar darum gebeten hatten, ihn mitzunehmen: ihren bekannten oder unbekannten Schatz aus Huttwil. Diesen vorstellen zu lassen, war damals glatt vergessen worden. «Äxgüsi» schreiben die Fachleute deshalb nun auf der Website – und geben Gelegenheit, dies dort nachzuholen. 

«Ihr Huttwilerinnen und Huttwiler seid die Stadtmacherinnen und Stadtmacher von heute.»Aufruf der Projektleiter von der Fachhochschule

Dazu aufgerufen, ihren Schatz einzutragen, sind jedoch nicht nur die Workshopteilnehmenden vom Dezember, sondern alle Huttwilerinnen und Huttwiler. Denn sie alle seien die Stadtmacherinnen und Stadtmacher von heute, schreiben die Fachleute. Ihre Ideen sollen ebenso in den Prozess einfliessen wie die Ergebnisse des ersten Workshops. Diese hat Angela von Däniken, Mitarbeiterin von Christine Seidler, in einem ausführlichen Bericht zusammengefasst, der auf der Website angeschaut oder heruntergeladen werden kann.

Zentrales Element ist eine Karte, auf der die Teilnehmenden ihre Lieblingsorte, ihre Unorte sowie ihre Orte eintragen konnten, an denen sie sich eine Veränderung wünschen oder Potenzial für mehr sehen. Als unbestrittener Lieblingort hat sich dabei der Huttwilberg herausgestellt. An zweiter Stelle folgt der Campus Perspektiven, wobei dort bereits Entwicklungspotenzial geortet wird. Die drittmeisten Nennungen konnte das Schwimmbad im Krummacker auf sich vereinen. Angesichts des angestossenen Sanierungsprojektes halten sich dort die Qualifikationen Lieblingsort, Unort und Ort mit Handlungsbedarf die Waage. Oft genannter Unort mit Handlungsbedarf ist wenig überraschend die Umgebung des Bahnhofs mit der Coop-Baugrube.

Erhebliche Differenzen

Angela von Däniken hat weiter untersucht, wie die Anliegen der Workshop-Teilnehmer mit den Legislaturzielen des Gemeinderates übereinstimmen - und dabei zum Teil erhebliche Differenzen ausgemacht, wie der Rat bereits nach seiner Klausursitzung feststellte. Dies sei vor allem beim Bodenverbrauch oder wirtschaftlichen Themen der Fall.

Für die weitere Begleitung des Projektes hat der Gemeinderat eine Kerngruppe gewählt, die personell von Politik und Verwaltung unabhängig ist. Ihr gehören an: Gabriela Baumann, Kirchgemeinderätin, Christina Büchi, Geschäftsfrau, Manfred Loosli, Unternehmer, Jürg Rettenmund, Historiker und Redaktor, Andreas Schüpbach, Grossrat, und Erich Stamm, Mitbegründer der inzwischen wieder aufgelösten Freien Wähler und ehemaliger Gemeinderat.

Diese hat in diesen Tagen ihre Arbeit aufgenommen. Mit ihr zusammen will Christine Seidler das weitere Vorgehen festlegen. Vorgesehen sei, erklärt sie, dass ein weiterer grosser oder themenspezifische kleinere Workshops organisiert werden. Dies, um eine Auswahl aus den Vorschlägen zu treffen, die in Arbeiten der Fachhochschulstudierenden vertieft weiterverfolgt werden sollen. Ebenso möglich sei jedoch, dass die Auswahl bereits in der Kerngruppe getroffen werden könne. Im Sommer sollen dann Studierendenteams der Fachhochschule ihre Arbeiten erstellen. Diese sollen im nächsten Frühjahr vorliegen.

Rund um den HB Zürich

Als Beispiel, wie der Prozess in Huttwil weitergehen kann, ist auf der Website die Velocity Zürich aufgeschaltet, ein Projekt, mit dem in der Stadt Zürich Lösungen für Velonetze erarbeitet wurden, und zwar für das zentrale Gebiet der Rämistrasse und rund um den Hauptbahnhof. Das ist kein Zufall, ist dort doch Nextzürich federführend, ein Netzwerk von Stadtplanern, dem auch Christine Seidler angehört. Es ist wiederum Teil des weltweiten Next-Netzwerks.

Auf dessen Website finden sich Projekte zum Beispiel aus Hamburg, Heidelberg oder Kassel, Belgrad, Lissabon, Istanbul oder Bangalore. Überall wird die gleiche Methode angewendet wie nun in Huttwil. Für ein kleines ländliches Zentrum wie Huttwil habe diese natürlich angepasst werden müssen, hält Christine Seidler fest. Im Prinzip gehe es aber überall um das Gleiche. Im Protkoll des Huttwiler Workshops wird das so umschrieben: zentral und ergebnisoffen vorzugehen und Betroffene nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen. Unabhängig davon, ob es um ein Dorf oder ein Städtchen geht.

Langenthaler Tagblatt

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