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Bei ihm kam die Politik an zweiter Stelle

Als Gemeindepräsident musste Markus Ott lernen, geduldig zu sein. Nun tritt er endgültig ab. Für den Parteilosen endet damit eine Ära im Dienste des Dorfes Lotzwil.

Markus Ott verbrachte 12 Jahre im Lotzwiler Gemeinderat, 5 davon als Präsident. Bild: Raphael Moser
Markus Ott verbrachte 12 Jahre im Lotzwiler Gemeinderat, 5 davon als Präsident. Bild: Raphael Moser

Für das Foto steht Markus Ott an jenem Ort, von dem er einst dachte, dass er lange vor ihm weg und einem Kreisel gewichen sein würde. Jetzt aber verlässt der 69-Jährige die Gemeinde Lotzwil nach 37 Jahren – und der Dorfplatz steht immer noch da. Für Ott endet eine lange und intensive Zeit. Eine Zeit mit, wie er sagt, vielen Höhepunkten und keinen oder nur unbedeutenden Tiefschlägen.

Ott ist ein Mensch, der in vielen Bereichen seines Lebens die Treue gehalten hat: zu seiner Frau, die er seit Schulzeiten kennt und mit der er seit 45 Jahren verheiratet ist. Oder zur Gemeinde Lotzwil, wo er 29 Jahre lang tätig war, erst in der Bau- sowie der Elektrizitätskommission, später im Gemeinderat und schliesslich auch als dessen Präsident. Ott warf zudem von seinem 12. bis 38. Lebensjahr Speer- und Diskus für die Leichtathletikvereinigung Langenthal. Auch ein paar Länderkämpfe bestritt er.

Der Ortsbezug fehlte

Als der gebürtige Langenthaler mit seiner Frau im Jahr 1982 aus Wynau nach Lotzwil zog, war er nicht auf Anhieb ein Teil des dörflichen Lebens: «Wir wohnten zuunterst im Dorf und hatten Bezug zu Langenthal. Die ersten Jahre hatte ich deshalb von Lotzwil nicht viel mitbekommen», gibt Ott zu. Erst, als er sich in der Baukommission engagierte, erfuhr er mehr über das Dorf, seine Bewohner und seine Eigenheiten.

2008 wurde Ott Gemeinderat (Bau und Planung), war somit Kommissionspräsident und zuständig für die Revision der Ortsplanung – seine erste grosse Aufgabe in Lotzwil. Obwohl er als Gemeinderat politisches Neuland betrat, war er mit dem Bauressort bestens vertraut. «Das war eine gute Zeit. Wir haben viel erreicht», blickt er zurück.

«Ich bin nicht links oder rechts einzustufen, sondern machte das, was ich für mich und die Bevölkerung als richtig empfand.»

Markus Ott, scheidender Gemeindepräsident

Für Ott stand dabei an erster Stelle, Projekte zielstrebig umzusetzen. Die Politik sah er als zweitrangig an. Er sagt: «Ich bin nicht links oder rechts einzustufen, sondern machte das, was ich für mich und die Bevölkerung als richtig empfand.» Ott kandidierte deshalb als Parteiloser auf der Liste von SVP und Bürgerlichen.

Fehler nicht zweimal gemacht

Eine wichtige Rolle spielte für den Gemeindepräsidenten die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen in Lotzwil. «Wir konnten vorwärtsmachen, weil wir wirklich gute Teams hatten.» Eine Warteschleife musste Ott dennoch hie und da ziehen, gerade bei der Ortsplanungsrevision, als sich Widerstand gegen das Verschwinden des Schlittelhogers im Hofacher breitmachte.

Oder beim Ausbau des Schulhauses Kirchenfeld, als sich die Bevölkerung uninformiert fühlte und das Referendum ergriff. Den Fehler der schlechten Kommunikation machte der Gemeinderat beim Neubauprojekt zum Feuerwehrmagazin kein zweites Mal.

Markus Ott mittendrin, als sich die Bevölkerung im Jahr 2016 gegen das Verschwinden des Dorfplatzes wehrte. Bild: Thomas Peter
Markus Ott mittendrin, als sich die Bevölkerung im Jahr 2016 gegen das Verschwinden des Dorfplatzes wehrte. Bild: Thomas Peter

Doch auch Auflagen und Vorschriften verlangsamten das eine oder andere Projekt in Lotzwil. Ott musste deshalb lernen, Geduld zu haben und die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Trotzdem überwiegt für ihn das Positive: Etwa 2013, als für die Ortsplanungsrevision die Zusage einging, womit nun, wie Ott sagt, im Dorf aufgeräumt werden könne. Oder auch die Innensanierung im Schulhaus Dorf, die er ohne Architekten mit den Handwerkern anpackte. Und natürlich der für Lotzwil wichtige Bahnhofumbau, der bald abgeschlossen ist.

Froh um mehr freie Zeit

Unschön war im Dorf der Zwist um die präsidiale Nachfolge in der SVP. Als Konsequenz trat Elsbeth Steiner aus der Ortspartei aus, kandidierte als Parteilose auf der Liste der SP und wurde zur Gemeindepräsidentin gewählt. Markus Ott ist froh, dass der Gemeinderat nun gut zusammengesetzt ist. Auf die Frage, ob das Dorf durch das Wahlgeplänkel nachhaltig Schaden nahm, entgegnet er: «Ich glaube, da wächst Gras drüber.»

«Ich glaube, da wächst Gras drüber.»

Markus Ott zum Wahl-Zwist der SVP

Der 69-Jährige ist nun offiziell pensioniert, unterstützt aber noch als Selbstständigerwerbender einen koreanischen Kunden bei der Entwicklung von Linearführungen. Davor arbeitete er während 11 Jahren in Langenthal für eine italienische Firma, für die er Produkte in der Linearführung entwickelte und als Berater und Verkäufer den Schweizer Markt betreute.

Mit der Politik und Lotzwil hat Markus Ott abgeschlossen und zieht nach Aarwangen. Er ist froh, wird er nun nicht mehr ständig eingeteilt. Guten Gewissens könne er abtreten. Dennoch wird er der Gemeinde verbunden bleiben und sie immer mal wieder besuchen. Ott sagt: «Ich hoffe, die Einwohnerinnen und Einwohner engagieren sich auch weiterhin. Denn Lotzwil ist eigentlich ein schönes Dorf.»

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