Brau AG: Über Wert bemessen

Langenthal

Eigentlich hätten die Aktionäre am Freitag über die Rechnung der Brau AG befinden sollen. Doch wegen Unstimmigkeiten hat der Verwaltungsrat die Abstimmung kurzfristig vertagt.

«Ich will mich für eine absolut seriöse Führung dieses Unternehmens einsetzen», betont Kurt Schär, Verwaltungsratspräsident der Brau AG.

«Ich will mich für eine absolut seriöse Führung dieses Unternehmens einsetzen», betont Kurt Schär, Verwaltungsratspräsident der Brau AG.

(Bild: Marcel Bieri)

Kathrin Holzer

Noch vor zwei Wochen zeigte sich Kurt Schär rundum zufrieden. Mit Seraphin Ritter und Florian Eichenberger konnte der Verwaltungsratspräsident eine neue Co-Geschäftsleitung vorstellen für die Brau AG.

Auch auf das Wissen des bisherigen Geschäftsführers Peter Kläfiger würde man in Zukunft noch zurückgreifen können, übernimmt dieser per 1. September doch nun als neuer Pächter den Restaurationsbetrieb der Langenthaler Bierproduzentin. Und ebenso was die aktuelle zweite Runde der Kapitalerhöhung angeht, zeigte sich Schär ­angesichts erster Zwischenerfolge durchaus zuversichtlich.

An der Generalversammlung vom Freitagabend waren seine Neuigkeiten dann allerdings weniger erfreulich. Er habe wenige Tage vor der Versammlung Feststellungen gemacht, aufgrund deren die Rechnung noch einmal überarbeitet werden müsse, liess er die etwa 500 anwesenden Aktionäre (von insgesamt rund 2400) wissen. Das Lager der Brau AG sei offenbar überbewertet worden, was das Jahresergebnis «im kleineren fünfstelligen Bereich» verändern werde.

«Unter 50 000 Franken»

Auf Anfrage konkretisierte Schär am Sonntag: Es handle sich einerseits um Abweichungen beim Bier­bestand sowie andererseits unter anderem um Gläser, die ungeachtet eines mehrfachen Gebrauchs mit vollem Wert eingesetzt worden seien.

Die mit einem Verlust von zwischen 170'000 und 180'000 Franken neuerlich defizitäre Rechnung der Brau AG vor der letzten Kapitalerhöhung werde dadurch zwar «nicht fundamental erschüttert», verwies er auf erwartete Korrekturen im Bereich von «unter 50'000 Franken».

Auch bestünden keine Anzeichen darauf, dass sich jemand bereichert habe. Dennoch wolle der Verwaltungsrat die Abweichungen nun korrigieren und einer ausserordentlichen Generalversammlung voraussichtlich im Herbst eine neue Rechnung zur Genehmigung vorlegen.

«Ich will mich für eine absolut seriöse Führung dieses Unternehmens einsetzen», betont Kurt Schär. Schliesslich habe er das Verwaltungsratspräsidium vor zwei Jahren übernommen, um die angeschlagene Brau AG auf Kurs zu bringen. «Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem es wieder aufwärtsgeht», sagt Schär. «Da wollen wir nichts mitnehmen, was nicht ganz korrekt ist.»

Fehlende Sorgfalt

Zurückzuführen sind die Abweichungen offenbar auf Unsorgfalt in der Geschäftsführung. Es sei kein Geheimnis, dass Peter Kläfiger zwar einen riesigen Einsatz geleistet, aber zeitweise auch unter sehr grossem Druck gestanden habe, sagt Schär. Der Wechsel in der operativen Leitung sei denn auch von ihm selber letztes Jahr gewünscht worden. Mit den nun festgestellten Abweichungen habe die personelle Veränderung nichts zu tun.

Die Verschiebung der Rechnungsgenehmigung am Freitag vermochte die Bierlaune der versammelten Aktionäre jedenfalls nicht gross zu trüben. Sie genossen die Zusammenkunft wie jedes Jahr in trinkfreudiger Aus­gelassenheit.

Langenthaler Tagblatt

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