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Der Genossenschaftsvorstand erntet Kritik

Schon im Dezember haben Mitglieder der WVGO beim Vorstand eine Versammlung beantragt. Doch bis heute haben die Verantwortlichen keine solche einbe­rufen. Das schürt Unmut.

Kathrin Holzer
Eine einheitliche Wasserversorgung bleibt Voraussetzung für eine Fusion zwischen Langenthal und Obersteckholz.
Eine einheitliche Wasserversorgung bleibt Voraussetzung für eine Fusion zwischen Langenthal und Obersteckholz.
Thomas Peter

Der Vorwurf ist happig: Der Vorstand der Wasserversorgungs­genossenschaft Obersteckholz (WVGO) handle ohne Mandat – «und dies schon lange», sagt Claudia Fuhrer Uebersax. Denn bis anhin, so die ehemalige Gemeinderätin und selber Mitglied der privaten Wasserversorgung, hätten die Genossenschafter zur Wasserfrage keinen einzigen Beschluss fassen können.

Bereits am 7. Dezember, also noch vor der letzten Gemeindeversammlung, hätten sie und ihr Mann gemeinsam mit 3 wei­teren Genossenschaftsparteien dem Vorstand beantragt, eine Versammlung einzuberufen, erklärt Claudia Fuhrer. Doch auf eine Einladung wartet sie seither vergebens. Vielmehr sei sie vom Vorstand immer wieder vertröstet worden. Man wolle mit der Versammlung warten bis nach dem auf Anfang Januar angesetzten Gespräch mit der Gemeinde, sei ihr vom Vorstand am 31. Dezember beschieden worden.

Das Gespräch zwischen Vorstand und Gemeinde, an dem als Mediator auch der Statthalter hätte teilnehmen sollen, hat bis anhin bekanntlich nicht stattgefunden: weil die WVGO-Verantwortlichen den Statthalter als nicht neutral erachten.

Die zweite Absage

Die Genossenschafter um Claudia Fuhrer hakten deshalb am 10. Januar noch einmal nach. Erneut beantragten sie dem Vorstand, dass dieser eine Versammlung einberufen solle. Gemäss Statuten hätte dieser dem Antrag inzwischen längst Folge leisten müssen. Doch stattdessen erhielt Claudia Fuhrer letzte Woche ein weiteres Schreiben: Darin verweist der Vorstand auf ein Gespräch mit der Stadt, das am 31. Januar stattgefunden habe und «konstruktiv» gewesen sei. Wegen weiterer Abklärungen, die seitens der Stadt noch getroffen werden müssten, könne aber noch keine Genossenschaftsversammlung einberufen werden.

Das Vorgehen der Vorstandsmitglieder stösst bei der ehema­ligen Gemeinderätin auf Unverständnis. «Sie sprechen nicht mit der Genossenschaft», bedauert sie. «Wir wissen nicht, was der Vorstand abklärt. Und der Vorstand weiss nicht, was die Genossenschafter wollen.»

Der Vorstand schweigt

Und der Vorstand hält sich auch weiterhin bedeckt. Weder geben die Verantwortlichen Auskunft zu den Gründen, weshalb sie bis anhin keine Versammlung einberufen haben, noch zum Gespräch mit der Stadt oder einer allfäl­ligen Gesprächsbereitschaft mit dem Gemeinderat von Obersteckholz. «Im Einvernehmen mit der Stadt Langenthal können wir Ihnen zurzeit keine Auskunft geben», lautet die knappe Rückmeldung des Vorstands.

«Wir wissen nicht, was der Vorstand abklärt. Und der Vorstand weiss nicht, was die ­Genossenschafter wollen.»

Claudia Fuhrer UebersaxGenossenschafterin

Die Stadt will ein Treffen ebenfalls weder bestätigen noch kommentieren. Die Arbeiten an der Fusion seien nicht wieder aufgenommen worden, sagt Stadtpräsident Reto Müller (SP). Eine vertragliche Sicherung zur Lösung der Wasserfrage, welche die Wiederaufnahme rechtfertigen würden, liege zurzeit nicht vor.

Die Genossenschafter bleiben somit weiter im Ungewissen über die Absichten ihres Vorstands. «Mir kommt es vor, als würden sie das Geschäft hinauszögern», sagt Claudia Fuhrer. Dabei wäre eine baldmögliche Aussprache ihrer Ansicht nach wichtig. «Es geht auch um den Frieden im Dorf.» Sie hätten dem Vorstand deshalb mittlerweile angekündigt, notfalls beim Richter einen Antrag auf Einberufung einer ­Genossenschaftsversammlung zu stellen, an der die Wasserfrage offen diskutiert werden könne.

Und die anderen?

Ob die insgesamt 33 Genossenschaftsparteien mehrheitlich für oder gegen den für eine Fusion vorausgesetzten Anschluss ans öffentliche Versorgungsnetz wären, sagt Claudia Fuhrer, könne sie nicht abschätzen. Sie habe Mitte Januar alle Genossenschafter über ihren Antrag für eine Versammlung und dessen Hintergründe informiert. Rückmeldung habe sie bisher keine ein­zige erhalten.

Klar ist: Im Dorf stösst die Haltung des Vorstands grossmehrheitlich auf Unverständnis. Mit 90 zu 14 Stimmen hat sich die Gemeindeversammlung im Dezember klar für eine Übernahme des privaten WVGO-Netzes durch die Gemeinde ausgesprochen. Zuvor hatten sich bereits über hundert Einwohner in einem offenen Brief an die WVGO gewandt. Schon ­damals wurde deutlich, dass die Meinungen auch innerhalb der Genossenschaft zumindest geteilt sind.

Ernten für ihr Vorgehen Kritik: (v.l.) Die WVGO-Vorstandsmitglieder Marc Ammann ­(Vizepräsident), Markus Steffen (Präsident) und Thomas Niederhauser (Sekretär). Olaf Nörrenberg
Ernten für ihr Vorgehen Kritik: (v.l.) Die WVGO-Vorstandsmitglieder Marc Ammann ­(Vizepräsident), Markus Steffen (Präsident) und Thomas Niederhauser (Sekretär). Olaf Nörrenberg
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