Der Mann mit der ruhigen Hand

Wynau

Hans Käppeli hat sie erlebt und mitgestaltet: die Blütezeit der Porzi. Im Museum Langenthal gibt der 94-Jährige derzeit Einblicke in sein Schaffen.

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Melissa Burkhard

Er ist ein Künstler durch und durch. Das ist nicht zu übersehen, wenn Hans Käppeli durch sein Haus in Wynau führt, in dem der 94-Jährige lebt und arbeitet. Hier wird die Fülle seines kreativen Schaffens deutlich. Porzellan in allen Farben und Formen findet sich hinter gläsernen Vitrinen, auf Möbeln und an den Wänden, und zahlreiche bunte Gemälde sind auf Staffeleien ausgestellt.

«Ich bin ein vielseitiger Mensch», sagt Käppeli, ohne dabei überheblich zu wirken – und ohne auch nur einen Deut zu übertreiben. Der Wynauer ist langjähriger Porzellanmaler, Graveur, Modelleur und freischaffender Maler. Und was in seinem Haus zu sehen ist, ist noch nicht einmal alles, was er in den knapp 80 Jahren, in denen er schon künstlerisch tätig ist, geschaffen hat.

Einige seiner Werke sind derzeit in der Sonderausstellung «Manche mögens weiss» im Museum Langenthal ausgestellt. Hans Käppeli ist nicht nur ein Meister seines Fachs, er ist auch einer der Letzten, die von der Blütezeit der Langenthaler Porzellanfabrik erzählen können. 

49 Jahre im Betrieb

Mit zwei älteren Brüdern ist Käppeli in Wynau aufgewachsen. 1939, als sich die Welt auf den bevorstehenden Krieg vorbereitete und auch die Schweiz die Mobilmachung ausrief, kam er aus der Schule. «Es war nicht leicht, damals eine Stelle zu finden», sagt er rückblickend. Eigentlich habe er immer schon Maler werden wollen, erzählt Käppeli.

Durch einen Besuch beim Berufsberater sei er auf eine freie Lehrstelle in der Porzellanfabrik Langenthal aufmerksam geworden. Er setzte sich damals gegen 16 Mitbewerber durch und begann im Jahr 1940 seine Lehre zum Porzellanmaler. Der Beruf habe ihm viel Freude bereitet. «Alles, was ich lernen konnte, habe ich gelernt», sagt er.

Neben der Porzellanmalerei bildete sich Käppeli auch zum Graveur aus und besuchte Modellier- und Töpferkurse. 49 Jahre lang habe er immer gerne in der Porzi gearbeitet.1989 wurde er als Betriebsleiter der Dekorationsabteilung pensioniert. Einige Jahre später wurde die Produktion der Porzi nach Tschechien verlegt. Er habe das Ende kommen sehen, sagt er nachdenklich. 

50 Lernende ausgebildet

Wenn Käppeli erzählt, kann man kaum glauben, dass einem ein 94-Jähriger gegenübersitzt. Er erinnert sich so genau an jeden Ort, an jede Person, die ihm in seinem Leben begegnet ist. Deshalb kann er auch noch sehr detailliert von seiner Zeit in der Porzi erzählen. 50 Lernende habe er ausgebildet, so Käppeli.

Das Wichtigste beim Porzellanmalen sei eine ruhige Hand, ein gewisses künstlerisches Talent müsse aber natürlich auch vorhanden sein. Er hat auch nach seiner Pensionierung weiterhin Porzellan bemalt und im hauseigenen Ofen selbst gebrannt. Ausserdem hat er sich wieder vermehrt der Ölmalerei gewidmet, der er auch heute noch nachgeht.

Er malt Landschaften, Berge, besondere Orte, die er besucht hat, aber ebenso Fantasiebilder und zeitgenössische Kunst. Ausserdem engagiert sich Käppeli gerne für den Erhalt seines erlernten Handwerks, der Porzellanmalerei.

Gegen das Vergessen

Heute, da kaum mehr jemand für teures Porzellan spart, ist auch das Handwerk eines Porzellanmalers nicht mehr so gefragt. Diese Entwicklung findet Käppeli schade. Heutzutage erkenne man den Wert des Produktes nicht mehr an. «Das ist echtes Gold», sagt er und zeigt eine Tasse, die mit einem Muster aus Gold verziert ist. Ihm ist es daher wichtig, sein Wissen zu teilen.

«Ich möchte, dass das handwerkliche Wissen und die Tradition des Porzellanmalens in der Region bleiben», sagt Käppeli. Deshalb erzähle er gerne von früher und unterstütze alles, was zum Erhalt der Kunst beitrage. Ausserdem hat er einen Wunsch für das Areal der ehemaligen Porzellanfabrik: Er hofft, dass dort künftig eine ständige Ausstellung eingerichtet wird. Dort, wo früher in den grossen Rundöfen täglich neues Porzellan hergestellt wurde.

Langenthaler Tagblatt

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