Der Neue erkennt ein «Wir-Gefühl»

Seeberg

Andreas Mühlemann, bisheriger Vize Seebergs, tritt in den Vordergrund. Die Fussstapfen von Vorgänger Roland Grütter sind gross. Doch der Landwirt, der auch ein leidenschaftlicher Turner ist, fühlt sich bereit.

Für Präsident Andreas Mühlemann ist klar: Die Gemeinde muss auch in Zukunft attraktiv bleiben.

Für Präsident Andreas Mühlemann ist klar: Die Gemeinde muss auch in Zukunft attraktiv bleiben.

(Bild: Thomas Peter)

Sebastian Weber

Angefangen hatte er als Senkrechtstarter. Als Andreas Mühlemann (BDP) 2011 seine Arbeit im Gemeinderat von Seeberg aufnahm, tat er dies sogleich als Vizegemeindepräsident. Ein Fehler sei das nicht gewesen, sagt er. «So konnte ich gleich helfen, etwas mitzugestalten.» Später das Präsidium zu übernehmen, das sei aber damals noch gar kein Thema gewesen.

Erst als Anfang Juli bekannt wurde, dass Gemeindepräsident Roland Grütter (BDP) überraschend zwei Jahre früher aufhört, sei er erstmals mit dieser Frage konfrontiert worden. «Meine Partei fragte mich an und liess mir rund einen Monat Bedenkzeit», sagt der 57-Jährige.

«Als Landwirt kann man ein solches Amt ohne die Rückendeckung der Angehörigen nicht übernehmen.»

Diese nutzte er, um sich mit seiner Familie zu besprechen: Als Landwirt könne man ein solches Amt ohne die Rückendeckung der Angehörigen nämlich nicht übernehmen. Diese erhält Mühlemann auf dem Hof in Grasswil, den er vor 28 Jahren übernommen hat, nicht nur von Frau Marianne, sondern auch von seinem Sohn und seinem Schwiegersohn. «Ich bin gewappnet», sagt er.

Zusammengewachsen

Andreas Mühlemann ist seit 2013 für die Wirtschaft zuständig. Für sein Lieblingsressort, wie er es nennt, sei er auch bisher schon viel unterwegs gewesen. Zuletzt etwa um das Hochwasserschutz- und das Sanierungsprojekt für die Dorfstrasse zu betreuen. Trotzdem: Vor seinen neuen Aufgaben hat Mühlemann Respekt. Ihm ist bewusst: «Roland Grütter hinterlässt grosse Fussstapfen.»

In fast 18 Jahren im Gemeinderat und 12 davon als Präsident habe dieser das Dorf stark geprägt. «Die Liste der Projekte, die er angestossen hat, ist lang», sagt Mühlemann. Für ihn als Nachfolger sei das aber nur von Vorteil: Der scheidende Präsident hinterlasse eine gut funktionierende Gemeinde. Eine auch, die zwar aus sechs verschiedenen Dörfern bestehe, in den letzten Jahren aber immer stärker zusammengewachsen sei. «Ich bin überzeugt, dass es mittlerweile ein Wir-Gefühl gibt.» Als Präsident sei es ihm denn auch wichtig, alle Ortsteile gleich zu berücksichtigen.

Mühlemann begleitete auch die Sanierung der SBB-Brücke. Foto: Walter Pfäffli

Sanftes Wachstum

Und nicht zuletzt soll die Gemeinde auch unter ihrem neuen Präsidenten weiter wachsen. «Wir streben aber ein sanftes Wachstum an», betont Mühlemann. Bedenken, dass es zu wenig Wohnungen geben könnte, hat er nicht. «In Seeberg, aber auch in Riedtwil und Grasswil wird wieder gebaut.»

Zudem sei die Realisierung der Überbauung «Dorf» in Hermiswil in diesem Jahr ein Stück nähergerückt. Kommt hinzu, dass auf dem Schulhausareal in Seeberg neue Generationenwohnungen entstehen sollen. Ein Projekt, das Mühlemann ganz besonders begrüsst: «Ich finde es wichtig, dass wir eine gute Durchmischung von Alt und Jung haben.»

Intakte Infrastruktur

Um wachsen zu können, das weiss Mühlemann, benötigt es eine entsprechend grosse Infrastruktur. Die steigenden Schülerzahlen fängt die Gemeinde vorerst über ein Provisorium auf. Die Abklärungen für einen Festbau laufen indes bereits. Sodass im Frühjahr 2019 vermutlich ein Vorprojekt vorliegen wird.

«Das ist ein sehr ambitiöses Ziel», so Mühlemann. Doch diesbezüglich habe er die gleiche Meinung wie sein Vorgänger: Die Infrastruktur müsse intakt sein. «Wir wollen den kommenden Generationen keine marode Gemeinde hinterlassen.» Das Dorf müsse attraktiv bleiben. Dazu gehöre es ebenfalls, dass trotz hoher Investitionen eine Steuererhöhung derzeit kein Thema sei. Auch dank eines grosszügigen Polsters beim Eigenkapital.

Auf die Attraktivität seiner Gemeinde angesprochen, kommt der neue Gemeindepräsident sowieso ins Schwärmen. «Die Naherholung wird bei uns grossgeschrieben.» Was ihm hingegen gar nicht gefallen kann, ist die Tatsache, dass der Ortsteil Grasswil mit dem Restaurant Bären Ende Jahr seine Dorfbeiz verliert. «Das gibt mir zu denken», sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

«Für die Vereine ist der Verlust des Bären einschneidend.»

Er bedaure vor allem, dass die Vereine damit den grossen Saal im Bären verlieren: «Für sie ist das einschneidend.» Zumal das Vereinsleben im Dorf ansonsten absolut intakt sei. Der gelernte Meisterlandwirt engagiert sich seit vielen Jahren im Turnverein Steinenberg-Grasswil und ist aktives Mitglied der Männerriege. «Meine Begeisterung für den Sport ist gross», sagt Mühlemann. Für diesen wolle er sich auch künftig unbedingt noch Zeit nehmen.

Langenthaler Tagblatt

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