Die Ästhetik des vermeintlich Hässlichen

Langenthal

Verlassene Gebäude wecken den Fotografen in Christian Boss. Im Chrämerhuus in Langenthal zeigt der Roggwiler jetzt eine Auswahl seines langjährigen Schaffens.

Das Abbilden von verfallender Architektur hat für Christian Boss etwas von Aktfotografie.

Das Abbilden von verfallender Architektur hat für Christian Boss etwas von Aktfotografie.

(Bild: Thomas Peter)

Die Motive reichen von düster und unheilvoll bis zu lieblich und verheissungsvoll. In Vergessenheit geratene Industriebauten reihen sich ein neben verlassenen Wohnhäusern und längst veralteten Maschinen. «Der Verfall, die Ästhetik des vermeintlich Hässlichen. Das hat mich schon immer fasziniert», sagt Christian Boss.

Seine erste Kamera fand der heute 62-Jährige im Alter von zehn Jahren auf einer Müllhalde in Olten. Seither folgte ihm die Fotografie durch sein Leben. 21 seiner Schwarzweissfotografien sind ab Freitag in der Galerie des Chrämerhuus in Langenthal zu bewundern.

Sammelsurium von Orten

«Metamorphose unserer Zeit» nennt der Roggwiler seine Ausstellung. Die Motive repräsentieren ein Sammelsurium von Orten aus der Schweiz und dem näheren Ausland. In allen Exponaten geht es um verlorene Orte, vergessene Gebäude sowie deren Vergänglichkeit.

Die Bilder rufen Erinnerungen an HR Gigers Werke hervor. Nur sind Alien-Tentakel und Knochenkonstruktionen durch Rohre, Stangen und vergessene Ingenieurskunst ersetzt. «Ich achte vor allem auf Geometrie und wie ich diese durch Perspektive erzeugen kann», sagt Christian Boss. «Das Fotografieren von verfallender Architektur hat für mich etwas von Aktfotografie. Die Wände und das ganze Gebäude liegen nackt und verlassen da.» Der letzte Akt dieser Gemäuer, die sich langsam über sie stülpende Vergessenheit und die damit in Zusammenhang stehende Metamorphose: Das ist es, was Boss mit seinen Bildern einfangen will.

In der Gothic-Szene mit seinen Fotografien kein Unbekannter, hauptberuflich aber als Sozialarbeiter im Wohnheim Sonnengarten der Luzerner Psychiatrie in St. Urban tätig, ist es für den Roggwiler die erste Ausstellung. Aufgeregt sei er deswegen nicht, stellt Boss klar. Es gehe ihm lediglich darum, seine Arbeit auch einmal physisch zur Schau stellen zu können. Im Internet sei sie ja bereits einzusehen. Auf sozialen Medien geniesst Christian Boss denn auch schon eine weltweite Bekanntheit: Über eineinhalb Millionen Bildaufrufe kann der gebürtige Glarner auf seinem Profil der Website 500px, eines beliebten Onlinetummelplatzes für Fotografen, verzeichnen.

Vernissage: am Freitag, 20 Uhr, Chrämerhuus Langenthal. Ausstellung bis 11. Mai 2019.

Berner Zeitung

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