Die dritte Generation ist am Ruder

Bleienbach

Lautlos und ­beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat bei der ­Firma Daetwyler in Bleienbach ein Führungswechsel stattgefunden. Der neue Mann an der Spitze ist Ralph Daetwyler.

Wechsel im Familienunternehmen: Peter Daetwyler (links) übergibt die Maschinenbaufirma seinem Sohn Ralph.

Wechsel im Familienunternehmen: Peter Daetwyler (links) übergibt die Maschinenbaufirma seinem Sohn Ralph.

(Bild: Thomas Peter)

Mit Ralph Daetwyler ist nun bereits die dritte Generation am Ruder des global tätigen Unternehmens mit Sitz in Bleienbach. Aufgewachsen und zur Schule gegangen sind der 37-Jährige und sein Bruder Marc (40) in den USA. «Nach meinem Studium zum Master im Druckverfahren habe ich während zweier Jahre die Welt bereist, um unsere Niederlassungen, Vertreter und Kunden kennen zu lernen», erzählt er in einwandfreiem Dialekt.

Nur der leichte Singsang verrät, dass Ralph Daetwyler sein bisheriges Leben nicht im Oberaargau verbrachte. Schon 2008 übernahm er die Niederlassung in den USA. 2015 dann habe er mit seiner Familie zusammen entschieden, von North Carolina nach Bleienbach zu ziehen, «um mich dem täglichen Geschäft hier in der Schweiz widmen zu können», erzählt der neue CEO der Daetwyler Group. Zur Familie gehören seine amerikanische Frau Kali sowie die beiden Kinder Emalyn (5) und Everett (3).

Seiner Frau gefalle es hier sehr gut. «Das ruhige Leben in der Schweiz entspricht mehr ihrem Wesen als die Hektik in den USA», verrät Ralph Daetwyler. Da sie schon oft mit ihrem Mann in der Schweiz weilte und bereits einmal in der Firma in Bleienbach tätig war, sind auch ihr weder die Umgebung noch die Sprache fremd.

Der Auswanderer

Dabei hat die Firma ihren Ursprung nicht im Oberaargau selber. Die Grundlage zum Familienunternehmen legte Max ­Daetwyler 1943 im zürcherischen Dietikon. Der Fokus lag damals auf der Wartung von Flugzeugen, einer Leidenschaft, der alle männlichen Daetwylers heute noch frönen. Erst sechs Jahre später folgte der Umzug nach Bleienbach. Die Firma wie auch die Betriebszweige wuchsen stetig. Um auch in Amerika Fuss zu fassen, wanderte Sohn Peter Daet­wyler 1975 mit seiner Frau Romy in die USA aus, wo er «mit einfachsten Mitteln» eine Niederlassung gründete und wo auch seine beiden Söhne zur Welt kamen.

«2006 sind meine Frau und ich wieder in die Schweiz zurückgekehrt, und ich habe nach dem Tod meines Vaters die Firmenleitung übernommen», blickt Peter Daetwyler zurück. «Damals war die Firma bereits im Maschinenbau für Anlagen für die grafische Industrie tätig. Wir entwickelten uns relativ schnell zum Leader für Tiefdruckzylinderherstellungsanlagen.»

Nicht nur die Firma, auch die Herausforderungen seien stetig gewachsen, sagt Peter Daetwyler. «Vor allem die letzten acht bis zehn Jahre waren schwierig, denn wir exportieren rund 95 Prozent ins Ausland.» Da seien Kursänderungen sofort spürbar. Deshalb habe die Firma im vergangenen Jahr Anpassungen vornehmen müssen, verweist er auf den Abbau von zahlreichen Stellen. «Ein Stellenabbau ist schlimm», sagt Peter Daetwyler. «Aber noch schlimmer als solche Massnahmen ist es, wenn ein Unternehmer gar keine Entscheidungen trifft.»

Mit Qualität trumpfen

Nennenswerte Umstrukturierungen seien unter seiner Leitung derzeit keine geplant, sagt Ralph Daetwyler. «Aber selbstverständlich arbeiten und denken die Jüngeren anders als die Älteren.» Zudem sei ein Geschäft wie ihres ständig am Ändern und Anpassen. Die Konkurrenz, die in sogenannten Billigländern hochwertige Produkte imitieren und zu einem niedrigen Preis auf dem Markt vertreiben wolle, nehme auch in ihrem Sektor zu. «Wir haben uns entschieden, dies mit Innovation zu bekämpfen.»

Ob die Präsidentschaftswahl in den USA Auswirkungen auch auf den Familienbetrieb in Bleienbach haben wird, kann Ralph ­Daetwyler noch nicht beurteilen. «Donald Trump ist als Politiker schwierig einzuschätzen. Wir können nur abwarten», sagt er. «Ich werde auf jeden Fall jeden Tag mein Bestes geben, um die Firma erfolgreich weiterzu­führen.»

Berner Zeitung

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