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Die Frage der ­Schuld bleibt offen

Ein Autofahrer wurde eines Unfalls in Niederbipp verantwortlich gemacht und dafür bestraft. Er war damit ­jedoch nicht einverstanden – und bekam vor Gericht recht.

Ein Autofahrer war nicht damit einverstanden, dass er eines Unfalls verantwortlich gemacht wurde – und bekam damit vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau in Burgdorf (Bild) recht.
Ein Autofahrer war nicht damit einverstanden, dass er eines Unfalls verantwortlich gemacht wurde – und bekam damit vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau in Burgdorf (Bild) recht.
Keystone

Es war kurz nach 19 Uhr an einem verhangenen Wintertag, kurz vor Weihnachten. Auf der A 1 herrschte Stau, etliche Autofahrer wichen auf die Hauptstrasse aus. So auch ein Vater mit seinem Sohn, der sich auf dem Heimweg ins Oberland befand.

In Niederbipp wollten die beiden zurück auf die Autobahn, denn das Navi zeigte dort freie Fahrt an. Vorbei an einer Linkskurve fuhren sie in Richtung Autobahn. «Ich sah aber schon von weitem, dass sie immer noch verstopft war und wendete», sagte der ­49-jährige Lenker, der 2016 wegen einfacher Verkehrsregelverletzung eine Busse erhielt.

So bog er erneut in die Kurve ein. «Dann sah ich nur noch einen Schatten auf mich zu kommen», erklärte er nun am Regionalgericht Emmental-Oberaargau, da er mit der Busse nicht einverstanden war und Einsprache erhoben hatte.

Knirschen und Knacken

Zur selben Zeit war ein junger Mann mit seinem PW auf dem Weg von Oensingen nach Niederbipp. «Es war neblig und bereits dunkel», sagte der 26-Jährige. Auch er bog, in entgegengesetzter Richtung, in die scharfe Kurve ein. Dann klirrte es: Die beiden Autos kollidierten.

«Trümmer lagen auf dem Asphalt», beschrieb der Beschuldigte die Unfallstelle. Um nicht auch noch die Hauptstrasse zu versperren, fuhren die beiden Autos auf das Trottoir.

«Papi, lug, di fahre über üses Outo», habe ihm sein 11-jähriger Sohn gesagt, als die Fahrzeuge über die Trümmer fuhren. «Es knackte und knirschte», beschrieb er der Gerichtspräsidentin Nicole Fankhauser die Geräusche. Er habe zwar danach die grössten Trümmer von der Strasse beseitigt, dennoch lagen immer noch viele Scherben herum.

Spuren wurden beseitigt

Noch bevor die Polizei informiert wurde, rief der Beschuldigte die Notrufzentrale der Versicherungsgesellschaft Mobiliar an. Zwischenzeitlich putzte der Zweitbeteiligte mit seinem Freund minutiös die Fahrbahn, sodass, als die Polizei eintraf, bereits alle Spuren beseitigt waren.

«Je länger ich darüber nachdachte, desto überzeugter war ich, dass der andere Autofahrer die Kurve geschnitten hatte», sagte der Beschuldigte. «Denn alle Trümmer lagen auf meinem Fahrstreifen.» Es sei nicht ungewöhnlich, dass Autofahrer diese Kurve schneiden, sagte dessen Anwalt Bruno Lehmann.

Ein Zeuge bestätige diesen Sachverhalt und auch die Aussage, dass die Trümmer auf dem Fahrstreifen des Beschuldigten lagen. Der 26-jährige Lenker lehnte die Anschuldigung, die Kurve geschnitten zu haben, allerdings vehement ab: «Ich dachte, das andere Auto wollte geradeaus fahren.»

Laut Fankhauser sei diese Begründung nicht plausibel: «Das Navi zeigte dem beschuldigten Lenker den genauen Verlauf der Strasse an, weshalb er diesen kannte und keinesfalls plante, geradeaus zu fahren.»

So endete das Verfahren mit einem Freispruch für den 49-Jährigen. Denn womöglich habe trotzdem der jüngere Lenker die Kurve geschnitten und dann die Spuren zu beseitigen versucht.

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