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«Die Frage war, ob er wirklich kandidiert»

Dass Hans-Jürg Schmied sich ausserhalb der Fasnacht um das Stapi-Amt bewirbt, überrascht kaum jemanden. Sein Auftritt macht einen zweiten Wahlgang wahrscheinlich.

Hans-Jürg Schmied mischt die Langenthaler Wahlen auf.
Hans-Jürg Schmied mischt die Langenthaler Wahlen auf.
Thomas Peter

Er darf sich im Kampf ums ­Langenthaler Stadtpräsidium höchstens Aussenseiterchancen ausrechnen: Der parteilose Hans-Jürg «Hügü» Schmied, seit Mittwoch offizieller Kandidat neben den bereits bekannten ­Anwärtern Reto Müller (SP) und Stefan Costa (FDP).In der Fasnachtszeitung «Päng» wurde die Kandidatur des 54-Jährigen als Jux dargestellt.

Auch in der Folge sprach man eher im Scherz über Schmieds Absichten, Stapi zu werden. «Der dritte Bewerber wird die Scherzkandidatur nicht mehr los», orakelt denn auch Alt-BDP-Grossrat Dieter Widmer online. Seit dem Vorschlag im «Päng», schreibt er, «hat alles über diesen Scherz gelacht».

Auf dem Radar hatte ihn aber dennoch der eine oder andere Langenthaler. «Für mich kommt das nicht ganz überraschend», sagt etwa Mitbewerber Stefan Costa. Schmied habe ihm gegenüber zweimal angekündigt, seine Kandidatur einreichen zu wollen. Nun, da diese offiziell sei, gelte es, Schmied ernst zu nehmen. «Auch er hat seine Themen», sagt Costa. «Ich bin jedoch gespannt, wie er diese präsentieren will.»

Müller nimmt ihn ernst

Erwartungsvoll zeigt sich auch Mitte-links-Kandidat Reto Müller: «Ich weiss nicht, wie Hügü politisch einzuordnen ist und welche Stimmen er abholen wird.» Vorverurteilen oder gar belächeln mag Müller den Sprengkandidaten aber keineswegs: «Er ist einer von drei offiziellen Kandidaten für das Stadtpräsidium.» Für ihn sei nicht überraschend, dass Schmied nun tatsächlich antrete. Er habe dies in der Fasnachtszeitung «und auch sonst» angekündigt.

Dass längst nicht alle damit gerechnet haben, zeigt die Reaktion von Reto Kurt, LFG-Mitglied und Chefredaktor des «Päng». Er sei «aus allen Wolken gefallen», als er davon gehört habe. Reto Kurt und Hans-Jürg Schmied sind einander bekannt, Letzterer wirkt ebenfalls im Redaktionsteam der Fasnachtszeitung mit. Kurt bemerkt aber auch: «Eigentlich stellt sich Hügü schon seit Jahren als Stapi-Kandidat vor.»

Schmied als Stadtgespräch

Auch weder SP-Präsident Stefan Ryser noch FDP-Präsident Diego Clavadetscher sind überrascht. «Überhaupt nicht. Die Frage war, ob er es wirklich macht», sagt Ryser. Und Clavadetscher verweist darauf, dass auch nach der Fasnacht die dritte Kandidatur Stadtgespräch gewesen sei. Allerdings habe er selbst nie mit Schmied gesprochen.

Ob und inwiefern sich dessen Kandidatur auf die anderen beiden auswirke sei derzeit nicht beurteilbar: Darin sind sich die Ortsparteipräsidenten einig. Er könne es nicht werten, sagt Ryser. Und Clavadetscher, dass ihm Schmieds politisches Profil nicht bekannt sei. Er billigt dem wilden Kandidaten aber ausreichend Verantwortungsgefühl zu. «Ich gehe schon davon aus, dass er das ernst meint.» Ein dritter Kandidat ändere nichts an der Situation: Es gewinne jener, der die meisten Stimmen erziele. Auch Ryser wartet zu. Tenor: Es sei jedem freigestellt, zu kandidieren.

Zweiter Wahlgang wahrscheinlich

Ein dritter Stapi-Kandidat macht einen zweiten Wahlgang wahrscheinlicher. Im ersten ist gewählt, wer die absolute Mehrheit erreicht. Erreicht keiner mehr als die Hälfte aller gültig eingeworfenen Stimmen, wird eine zweite Ausmarchung an der Urne nötig – spätestens drei Wochen danach. Wählbar sind dann nur die verbleibenden zwei Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl in der ersten Runde.

Clavadetscher stösst sich an der Agenda: Weil der zweite Wahlgang am 16. Oktober mitten in den Herbstferien liegt, könnten viele Langenthalerinnen und Langenthaler ferienhalber ihre Stimme nicht abgeben. «Das macht das Ganze zufälliger», so der FDP-Präsident, und ihm bereite es «Sorgen, unabhängig von unserem Kandidaten».

cd/paj

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