Die Glocken läuteten für Hermiswil

Seeberg

Schlank gingen die Gemeindeversammlungen für die Fusion von Seeberg und Hermiswil über die Bühne. Umso zufriedener wurde anschliessend gefeiert.

Vorbild für künftige Ortstafeln: Das Geschenk, das der Seeberger Gemeindepräsident Roland Grütter (links) dem letzten Gemeindepräsidenten von Hermiswil, Hans Ulrich Werren, überreichte.

Vorbild für künftige Ortstafeln: Das Geschenk, das der Seeberger Gemeindepräsident Roland Grütter (links) dem letzten Gemeindepräsidenten von Hermiswil, Hans Ulrich Werren, überreichte.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Am Dienstagabend um 20.15 Uhr läuteten in Seeberg die Kirchenglocken. Ihr heller Klang galt den Hermiswilern, die ebenso wie die Seeberger in der Dreiviertelstunde zuvor einer Fusion der beiden Gemeinden einhellig zugestimmt hatten. Nun waren sie nach Seeberg gekommen, wo sie unter den Klängen der Glocken durch das Spalier der Seeberger ins Kirchgemeindehaus schritten. Dort wurde mit einem Apéro auf den Zusammenschluss angestossen.

In der Kirche war bereits um 20 Uhr kräftiger Applaus aufgebrandet. Dies, nachdem Seeberg selbst der Fusion zugestimmt hatte und per SMS auch ein «Juppi» aus Hermiswil angekommen war. Der Applaus galt jedoch vor allem der Stimmbeteiligung von Hermiswil: Dort waren 29 von 74 Stimmberechtigten anwesend, was 39,2 Prozent entspricht. Die 63 anwesenden Seeberger brachten es bei einem Total von 1096 Stimmberechtigten bloss auf 5,8 Prozent.

In der Kirche würde es eng

«In dieser Beziehung können wir von den Hermiswilern noch etwas lernen», hielt Gemeindepräsident Roland Grütter fest, um gleich einzuschränken: «Doch dann müssten wir uns mit der Gemeindeversammlung wohl etwas Neues überlegen.» Diese findet in Seeberg traditionell in der Kirche statt.

Neue Wege will man in Seeberg und Hermiswil allerdings durchaus gehen. Roland Grütter hatte der Seeberger Versammlung ein Motto von Franz Kafka vorangestellt: «Neue Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.» An den Versammlungen war dies unbestritten. Einstimmig sagten sie Ja zum Fusionvertrag und zum Fusionsreglement. In Hermiswil diskussionslos. In Seeberg gab es ein paar wenige Sachfragen zu beantworten.

Präsident wird Rat

Unbestritten war in Hermiswil auch, wen der neue Ortsteil 2016 als Vertreter mit Antrags-, aber ohne Stimmrecht in den Seeberger Gemeinderat entsendet: Gemeindepräsident Hans Ulrich Werren sowie als Ersatz Vizepräsidentin Vreni Brunner. Ende 2016 können die Hermiswiler dann bei der Wahl des Seeberger Gemeinderates für die nächste Legislaturperiode selbst mitbestimmen und allenfalls antreten.

Hans Ulrich Werren blickte aber auch noch kurz zurück auf den Weg, den Hermiswil in den letzten hundert, zweihundert Jahren gegangen ist: Sie bauten ein Schulhaus, finanzierten mit Tombola und Volksmarsch ein eigenes Gemeindehaus, legten Land zusammen oder bauten eine Wasserversorgung. «Ich habe grosse Achtung für diese Leute, bin stolz auf unsere Vorfahren», sagte er und erntete grossen Applaus.

Eigener Weg

Später, beim Apéro im Kirchgemeindehaus Seeberg, blickte auch Roland Grütter kurz zurück. Er erinnerte daran, dass Seeberg als Gemeinde einen eigenen Weg ging: Es beliess im 19.Jahrhundert seinen Ortsgemeinden eine grosse Eigenständigkeit in den Bereichen Feuerwehr, Strassenunterhalt und Schule. Erst 1991 bereinigte es diese komplexe Struktur, wozu ein zwei Jahrzehnte dauernder Prozess nötig war. Letzte Sonderrechte der Ortsgemeinden wurden dann 2012 gestrichen.

Das Geschenk, das Roland Grütter Hans Ulrich Werren überreichte, illustriert, dass Seeberg diese Vielfalt in der Einheit mit der Integration von Hermiswil künftig stärker hervorheben wird. Das Geschenk ist eine neue Ortstafel mit der Anschrift «Hermiswil, Gemeinde Seeberg». Nach diesem Prinzip sollen in Zukunft alle Ortsteile von Seeberg angeschrieben werden.

Sportliches Tempo

Beide Gemeindepräsidenten hoben das sportliche Tempo hervor, mit dem die Fusion über die Bühne gebracht werden konnte: Erst im Mai 2014 hatte die Gemeindeversammlung von Hermiswil ihrem Gemeinderat den Auftrag gegeben, Fusionsabklärungen aufzunehmen – schon auf den nächsten Jahreswechsel wird der Zusammenschluss vollzogen.

Er erfolgt in Form einer Absorptionsfusion, was heisst, dass Hermiswil ein weiterer Ortsteil von Seeberg wird. Bereits an der Seeberger Gemeindeversammlung vom 3.Dezember können die Hermiswiler teilnehmen und über das Budget 2016 mitbestimmen. Die Rechnung 2014 von Hermiswil wird dann wie jene von Seeberg an der Frühjahresversammlung der fusionierten Gemeinde verabschiedet.

Für die Hermiswilerinnen und Hermiswiler fand am Dienstag also bereits die letzte Gemeindeversammlung statt. Allfällige Wehmut wurde durch die Kirchenglocken in Seeberg bald verscheucht. «Ich habe weiche Knie bekommen», gestand Hans Ulrich Werren sichtlich gerührt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt