Die Kunst verbindet

Langenthal

Am Mittwoch wurde der städtische Kulturpreis verliehen. Zum Handkuss kamen das Stadtorchester sowie die beiden Berufsmusikerinnen Núria Rodríguez und Eva Lüthi. Die Geehrten im Porträt.

Stolze Preisträgerinnen: (v.l) Núria Rodríguez, Beatrice Wenker (Präsidentin des Stadtorchesters) und Eva Lüthi. Foto: Beat Mathys

Stolze Preisträgerinnen: (v.l) Núria Rodríguez, Beatrice Wenker (Präsidentin des Stadtorchesters) und Eva Lüthi. Foto: Beat Mathys

Béatrice Beyeler

In diesem Haus ist Musik allgegenwärtig: Ein Plattenspieler steht mitten im Wohnzimmer, daneben stapeln sich Kassetten, CDs und Schallplatten. Nun holt Núria Rodríguez auch noch ihren Geigenkasten hervor. Sie ist hier mit ihrem Mann Marcel Hirsiger und den beiden gemeinsamen Töchtern zu Hause.

Als das Musikerehepaar der Stadt schlechthin könnte man Rodríguez und Hirsiger bezeichnen. Sie, die Konzertmeisterin des Stadtorchesters Langenthal, Geigenlehrerin an der Oberaargauischen Musikschule und Leiterin des Kammerensembles. Und er, der Klarinettist und seit 2016 Dirigent des Stadtorchesters (siehe Kasten).

Trotz ihres unermüdlichen musikalischen Schaffens wurden beide von der Auszeichnung mit dem Kulturpreis überrascht. Sie sind von der Kulturbeauftragten Marianne Hauser Haupt zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen worden. «Sie sagte uns, es ginge um ein Projekt», erinnert sich Rodríguez.

Für sie kommt die persönliche Ehrung mit dem Anerkennnungspreis noch überraschender: «Ich war am Anfang fast überfordert und wusste nicht, wie reagieren.» Dann sei sie gar etwas erschrocken: «Bin ich schon so alt, um einen solchen Preis zu erhalten?!» Sie lacht laut auf. «Es ist ja kein Preis für das Lebenswerk», sagt Hirsiger mit einem Augenzwinkern zu seiner Frau. Beide sind sie gerade mal vierzigjährig.

Erfüllung gesucht

Núria Rodríguez ist als Tochter von Berufsmusikern in Biel aufgewachsen. Nach dem Gymnasium hat sie aber nicht direkt die musikalische Laufbahn eingeschlagen, sondern zunächst Italienisch, Geschichte und Medienwissenschaften studiert. «Ich habe damals lieber Musik gehört, als selber zu üben», sagt sie.

Instrumente prägen ihr Zuhause: Núria Rodríguez und Marcel Hirsiger. Foto: Thomas Peter

Das gewählte Studium habe sie aber dann nicht so erfüllt, wie ursprünglich erhofft. Und plötzlich habe sie, auch dank der Familie, die Musik gepackt: «Ich fing an, wie verrückt zu üben, stand jeden Tag um fünf Uhr auf», erinnert sich Rodríguez.

Mit ihrer Geige bestand sie schliesslich die Aufnahmeprüfung für das Musikstudium, die anderen Fächer hing sie an den Nagel. Vorerst, wie die Langenthalerin heute betont: «Ich habe mir vorgenommen, mit 70 die Seniorenuni zu besuchen.»

Im Gegensatz zu seiner Ehefrau hat sich Marcel Hirsiger von Anfang an bewusst gegen den Beruf des Musikers entschieden. «Ich wollte mich dem Druck nicht aussetzen.» Gerade für Klarinettisten sei das Stellenangebot sehr begrenzt. «Meine Haltung als Leiter des Stadtorchesters ist aber trotzdem professionell», betont er. Der gebürtige Aargauer hat Wirtschaft studiert und arbeitet heute als Dozent auf diesem Gebiet. Zudem absolviert er derzeit sein Masterstudium in Osteuropawissenschaften.

Gerade aus wirtschaftlicher Sicht habe er zuweilen Mühe, wie mit Berufsmusikerinnen und -musikern umgegangen werde, sagt Marcel Hirsiger. «In der Gesellschaft wird viel abgewertet und neidisch davon gesprochen, dass Musiker ihr Hobby zum Beruf machen konnten.»

Er schüttelt den Kopf. Dabei hätten die Berufsleute ein abgeschlossenes Studium und seien oftmals echte «Chrampfer». Und sie müssten erst noch den hohen gesellschaftlichen Erwartungen standhalten. Marcel Hirsigers Fazit fällt bitter aus: «Die Branche hat oftmals kaputte Arbeitsbedingungen.»

Sie sind die Helden

Núria Rodríguez pflichtet ihrem Gatten bei: «Mir war immer schon bewusst, dass die Branche schlecht bezahlt ist. Weil ich die Musik liebe, habe ich mich trotzdem für diese Laufbahn entschieden.» Sie überlege sich aber stets gut, welche Engagements sie annehmen wolle.

Die schlechten Arbeitsbedingungen sind mit ein Grund, dass das Musikerehepaar den beiden Töchtern keine musikalische Karriere empfiehlt. «Als Hobby wollen wir es ihnen natürlich nicht nehmen», betont Rodríguez. Die Achtjährige spielt bereits Cello, und die Fünfjährige klimpert ab und zu auf der Ukulele.

«Sie kommen oft an unsere Konzerte», sagt Hirsiger, nicht ohne Stolz. Sind denn die Kinder zugleich die strengsten Kritiker? «Überhaupt nicht», sagt die Mutter, das Gegenteil sei sogar der Fall: Ihnen gefalle immer, was sie zu hören bekommen. «In diesem Alter sind wir Eltern halt noch die Helden.»

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