Die Stadt mit Kinderaugen entdecken

Seit kurzem gibt es einen Langenthal-Führer extra für die Kleinen. Das Buch von Kindergärtnerin Nathalie Scheibli richtet sich primär an Vier- bis Achtjährige. Eine Probe aufs Exempel zeigt, dass es bei der Zielgruppe durchaus ankommt.

Der Härtetest: Leila Rachdi, Leta Denoth und die Autorin (von links) wollen wissen, wie das Buch bei der Kinderschar ankommt.

Der Härtetest: Leila Rachdi, Leta Denoth und die Autorin (von links) wollen wissen, wie das Buch bei der Kinderschar ankommt.

(Bild: Thomas Peter)

Béatrice Beyeler

Eine Kinderschar hat sich an diesem Nachmittag auf dem Wuhrplatz versammelt. Leta Denoth, Mutter von drei der Kinder, hält den Stadtführer in den Händen und liest den Knöpfen geduldig vor: «Jetzt sind wir auf dem Wuhrplatz. Früher wurden hier die Autos parkiert.» Noch sind die jungen Zuhörer nicht im hohen Masse gefesselt. Die nahe Gelateria mit ihren süssen Erfrischungen erscheint bei dieser Hitze doch verlockender. «Eine Glace gibt es später, jetzt gehen wir erst mal zum Stadttheater», spricht Leila Rachdi ein Machtwort.

Mit ihren Töchtern Emilia und Jelscha hat sie den Stadtführer schon vor dem Ausflug durchgeblättert. Stolz erzählt die fast fünfjährige Emilia, was ihr geblieben ist. Zum Beispiel, welche Aufgabe den Schleusen auf den Wässermatten zukommt: «Dort wird das Wasser gestaut, bevor die Leute schlafen gehen.» Damit entlockt sie den Erwachsenen ein Schmunzeln.

«Bubieifach» ist für den fünfjährigen Basil die Frage,wieso in Langenthal die Trottoirs so hoch sind. «Früher wurde das Wasser abgelassen, dann konnten die Menschen auf den Trottoirs laufen.» Beeindruckend, wie viel die Kleinen schon wissen. Das Wasser sei aber ganz dreckig gewesen, ergänzt Jelscha.

Die elfköpfige Truppe versammelt sich,ausgerüstet mit zwei Kinderwagen, Sonnenhüten und Früchten, beim Stoplisi vor dem Stadttheater. «Die muss aber aufpassen, dass sie nicht runterfällt», sagt der dreieinhalbjährige Elias. Tatsächlich steht die Frauenstatue doch etwas waghalsig auf ihrem Sockel. Der Stadtführer bringt Interessantes über das Stoplisi zutage.

«Das ist doch orange!», sagt Jelscha (links) zum Strumpf des Stoplisi. Bild: Thomas Peter

So heisst die Dame eigentlich Pomona.Bei Nacht und Nebel seien ihr die beiden Strümpfe grün und rot angemalt worden, liest Leila Rachdi aus dem Buch vor. «Aber das ist doch orange!», unterbricht Jelscha ihre Mutter.

Der Tierpark und die Badi erscheinen bei diesen schwülenTemperaturen etwas weit. Doch auch in der Marktgasse gibt es einiges zu entdecken. Auf gehts. Beim Bären angekommen, haben die Kinder aber nur Augen für den Brunnen. Zweimal geblinzelt, und schon sind die Knöpfe patschnass. Die Mütter nehmen es locker: «Bei diesen Tempe­raturen trocknet das schnell ­wieder.»

Unter der grossen Linde in der Marktgasse wird eine Pause eingelegt. Emilia nimmt das Buch zur Hand und blättert es interessiert durch. «Es gefällt mir», schwärmt die Kleine. Auch die fünfjährige Yael ist langsam für den Stadtführer zu erwärmen. Die übrigen Kinder haben derweil anderes im Kopf. So spielen Jelscha und Basil in der verkehrsfreien Marktgasse Fangis. Elias und Dimitri beschäftigen sich hingegen lieber mit dem Kugelschreiber und Notizblock der Redaktorin.

Die Luft ist draussen, eine Glace nun wirklich zu verlockend. Zum Tierpark oder zur Badi mag niemand mehr gehen. «Für die ganze Tour ist es heute zu warm. Aber man kann es ja etappenweise machen», meint Leta Denoth. Und im Tierpark sei es sowieso immer schön. Die Mütter finden den Kinderstadtführer eine gelungene Sache. «Die Kinder fragen ja oft nach, dann hat man auch etwas zu erzählen», sagt Leta Denoth.

Das Buch richtet sich mit seinen Ausführungen, erzählt vom Fasnachtsvogel Düudäpp, in erster Linie an Kindergärteler, 1.- und 2.-Klässler. «Für ältere Kinder ist es sicher auch interessant», sind sich Leila Rachdi und Leta Denoth einig. Und mit den historischen Ausführungen von Stadtchronist Simon Kuert bietet es auch einiges für Erwachsene. Im Büro schaut die Redaktorin das Buch nochmals mit dem Gottibuben an.«Gotti, bastelst du den mit mir?», fragt Elias, und zeigt auf die Bastelanleitung zum Düudäpp. Auweia, wie beichtet man dem Patenkind, dass man zwei linke Hände hat? «Da kannst du Mami oder Papi fragen», ist doch immer eine praktische Antwort.

Kinderstadtführer Langenthal von Nathalie Scheibli.Erhältlich bei der Buchhandlung Buchzeichen inLangenthal oder beim Kulturbuchverlag: www.herausgeber.ch.

Berner Zeitung

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