Die Verhandlungen können beginnen

Wolfisberg

Es war weitgehend unbestritten, dass es für die Berggemeinde Wolfisberg keinen anderen Weg als eine Fusion mit Niederbipp gibt. An der Versammlung kamen aber trotzdem Bedenken zur Sprache.

Die Berggemeinde folgt nun der Spur, die sie bereits vor vier Jahren gewählt hatte: Sie möchte Teil von Niederbipp werden.<p class='credit'>(Bild: Thomas Peter)</p>

Die Berggemeinde folgt nun der Spur, die sie bereits vor vier Jahren gewählt hatte: Sie möchte Teil von Niederbipp werden.

(Bild: Thomas Peter)

Er hatte eine emotionale, aufschäumende Diskussion erwartet. Das war bei der Einleitung des Wolfisberger Gemeindepräsidenten Ulrich Leuenberger an der Gemeindeversammlung deutlich zu spüren. Bevor er die Diskussion zum wichtigsten Traktandum des Abends eröffnete, versuchte er, die Stimmbürger zu beschwichtigen: «Heute geht es nicht darum, dass wir uns de­finitiv entscheiden müssen.»

Der Gemeinderat wolle lediglich die Ermächtigung, mit Niederbipp zu verhandeln. So hatte der Souverän einen Bruttokredit über 52 000 Franken zu genehmigen, der für die Fusionsabklärungen eingesetzt werden soll. Unter dem Strich wird die Wolfisberger Gemeindekasse lediglich mit knapp 3400 Franken belastet, während Niederbipp 22 600 Franken bezahlt und der Kanton sich mit 26 000 Franken am Projekt beteiligt.

«Hier sieht man, dass Niederbipp begriffen hat, dass wir nicht mit der grossen Kelle anrichten können», sagte Leuenberger.Als sich die Bürger vor vier ­Jahren für die Aufnahme von Fusionsverhandlungen ausgesprochen hatten, habe er gesagt, dass sich Wolfisberg noch mit etwas Geld einbringen könne. «Heute ist das nicht mehr möglich. Noch haben wir aber keine Schulden.»

Angst vor dem Schulwechsel

Um die Wogen zu einem der wohl heikelsten Themen von vornherein zu glätten, betonte Leuenberger: «Die Schule ist wichtig. Wir müssen aber Abklärungen in alle Richtungen machen.» Was mit der Schule passiere, war dennoch eine der ersten Fragen, die auftauchten. Das Thema werde erst noch verhandelt, sagte der Gemeindepräsident.

Ein Votant wollte wissen, ob die Versammlung den Gemeinderat beauftragen könnte, sich für einen Verbleib der Schule in den bestehenden Schulverbänden mit den Berggemeinden und Wiedlisbach einzusetzen. Das sei nicht möglich, sagte Leuenberger, verwies aber auf das Mitwirkungsver­fahren, in dem die Einwohner entsprechende Anträge werden stellen können.

Während der Diskussion wurden weitere Bedenken der Bevölkerung deutlich. Ein Votant fragte sich, welche Interessen die Niederbipper überhaupt an Wolfisberg hätten, wo doch die Weiterführung des Fusionsprojekts Oberaargau Nord dort so deutlich abgelehnt worden sei. Die beiden Gemeinden würden bereits heute in vielen Bereichen zusammenarbeiten, sagte Leuenberger und nannte den Zivilschutz oder die Feuerwehr als Beispiele. Ausserdem sei den Niederbippern auch bewusst, dass die Wolfisberger viel bei ihnen im Dorf einkauften.

Sorge um Mitspracherecht

Weiter wurden Bedenken laut, nach der Fusion werde die Berggemeinde verbaut. «Mit dem neuen Raumplanungsgesetz ist das gar nicht möglich», entgegnete der Gemeindepräsident. Heute werde verdichtetes Bauen im Ortskern gefördert.

Da ist ausserdem die Sorge, dass sich das kleine Wolfisberg in der fusionierten Gemeinde nicht mehr einbringen kann. Das sei ­alles Schwarzmalerei, sagte ein Versammlungsteilnehmer. «Die wollen uns weder fressen noch uns alles aufdiktieren», sagte er. «Wir wären Einwohner von Niederbipp wie alle anderen auch.» Ein Mitglied des Löschzugs Wolfisberg pflichtete ihm bei: Bei der ersten gemeinsamen Übung nach der Zusammenlegung der Feuerwehren hätten sie gleich die gleiche Brandschutzkleidung wie die Niederbipper getragen. «Wir wurden sofort aufgenommen.»

Dass es für Wolfisberg keinen anderen Weg als eine Fusion gibt, waren sich die 36 anwesenden (von 142) Stimmberechtigten weitgehend einig. Sie genehmigten der Antrag des Gemeinderates mit 32 Ja- zu 2 Nein-Stimmen (bei 2 Enthaltungen). Nun können die Verhandlungen also beginnen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt