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Diskussionen am grossen Tisch

Das Bahnunternehmen will die Gemeinde und die Bevölkerung für sein Depotprojekt ins Boot holen. Deshalb sollen Letztere auch angemessen in der geplanten Begleitgruppe vertreten sein.

Die Pläne für ein neues Gebäude in Bätterkinden stossen im 3200-Seelen-Dorf auf grossen Widerstand.
Die Pläne für ein neues Gebäude in Bätterkinden stossen im 3200-Seelen-Dorf auf grossen Widerstand.
Max Spring

Es ist das derzeit umstrittenste Projekt im Emmental: das geplante Bahndepot in Bätterkinden. Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) will auf der Leimgrube beim Bahnhof ein ­Gebäude bauen, in dem Züge abgestellt und instand gehalten werden. Bisher wird das in Worblaufen gemacht, doch dort fehlt dem Bahnunternehmen zunehmend der Platz. Zudem werden in Zukunft die Züge länger, womit auch die Depots angepasst werden müssen. Die Pläne für ein neues Gebäude in Bätterkinden stossen im 3200-Seelen-Dorf allerdings auf grossen Widerstand. Sowohl die Behörden als auch viele Einwohner wehren sich gegen das Vor­haben.

Nachdem der Regierungsrat den Standort Leimgrube als Zwischenergebnis in den kantonalen Richtplan aufgenommen hat, treibt der RBS die Planung ­nichtsdestotrotz voran. Dabei hat das Unternehmen angekündigt, auch die Gegner einbeziehen zu wollen. Dafür soll eine Projekt­begleitgruppe gebildet werden. Dieser Schritt steht nun kurz bevor. Als Moderator der Gruppe konnte Alt-Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher verpflichtet werden (wir berichteten).

Schwerfällige Grösse?

Doch wie die Begleitgruppe im Detail aussehen soll, ist laut Fabienne Thommen, Mediensprecherin des RBS, noch offen. «Wir wollen sie gemeinsam mit der Gemeinde und der IG Bätterkinden zusammenstellen», sagt Thommen. Im November sei eine erste Sitzung mit Behörden- und IG-Vertretern vorgesehen. Im Januar wollen der RBS und die Gemeinde dann einen Anlass für die Bevölkerung organisieren und dieser das Vorgehen präsentieren. «Die Einwohner sollen auch die Möglichkeit haben, Vertreterinnen und Vertreter für die Begleitgruppe bestimmen zu können», sagt sie.

«Unsere Einwände und Forderungen müssen ernst genommen ­werden.»

Jürg Reinhard, IG Bätterkinden

Die Begleitgruppe dürfte schliesslich eine stattliche Grösse erreichen. Denn nebst Vertretern des RBS, der Gemeinde und der Bevölkerung werden auch solche des Kantons und externe Fachleute Einsitz nehmen. Zudem könnten auch Umweltverbände miteinbezogen werden, das sei derzeit aber noch unklar, so die RBS-Mediensprecherin. In der Begleitgruppe werden voraussichtlich rund 20, maximal aber 30 Personen mitreden. Sorgen, dass der Ausschuss durch diese Grösse schwerfällig werden könnte, hat Thommen nicht: «Eine Diskussion in einer so ­grossen Runde ist durchaus möglich, das haben wir auch schon ­gemacht.» Es sei zudem denkbar, dass einzelne Themen jeweils in kleineren Gruppen bearbeitet und dann wieder in die grosse Runde eingebracht würden, sagt sie.

Die RBS-Verantwortlichen wissen, dass es immer noch viele Gegner eines Depots in Bätterkinden gibt. «Am öffentlichen Anlass werden wir nochmals ­erläutern, weshalb wir uns für diesen Ort entschieden haben», erklärt Thommen. Doch eine Standortdiskussion werde es in der Begleitgruppe nicht mehr ­geben. Denn der Regierungsrat habe die Leimgrube als Zwischenergebnis in den kantonalen Richtplan eingetragen, und «wir wollen das nun auch umsetzen».

Sicher am ersten Treffen dabei

Im Dorf haben sich viele Einwohner der Interessengruppe Bätterkinden angeschlossen. Fast 700 Mitglieder zählt sie bereits. Sie kritisierte den RBS bisher scharf für sein Vorgehen. Laut Jürg Reinhard, Sprecher der IG, wollen deren Vertreter zwar am Treffen mit dem RBS im November teilnehmen. «Wir werden dort unsere Rahmenbedingungen für ein Mitwirken in der Begleitgruppe deponieren.» Ob die IG dann wirklich mitmacht, kann Reinhard aber noch nicht sagen. Das müsse innerhalb der Gruppe noch besprochen werden. «Wenn wir uns aber in der Begleitgruppe einbringen, dann wollen wir keine Mitläufer sein, sondern haben klare Ansprüche», sagt er. «Unsere Einwände und Forderungen müssen ernst genommen werden.» Die IG sei nach wie vor der Meinung, dass die Machbarkeit eines Depots auf der Leimgrube noch nicht erwiesen sei. Vor allem die Zu- und Wegfahrt werde als grosse Schwierigkeit betrachtet. «Das tangiert die Bevölkerung am stärksten», sagt Reinhard. Das Ziel der IG bleibe letztlich, den Wohnraum zu schützen.

«Jetzt beginnt die Arbeit erst»

Der Gemeinderatspräsident Beat Linder bestätigt, dass sich Vertreter der Exekutive mit den RBS-Verantwortlichen treffen werden. «Wir wollen uns der Diskussion nicht verschliessen», sagt er. Es sei das erklärte Ziel, dass möglichst alle Beteiligten in dieser Begleitgruppe dabei seien. Froh sei die Gemeinde vor allem auch, dass mit Markus Grossenbacher ein unabhängiger Leiter habe gefunden werden können, so Linder. Nun beginne die Arbeit für die Gemeinde erst richtig, denn es gelte die verträglichsten Lösungen zu finden.

Der RBS ist sich seiner Verantwortung gegenüber dem Dorf durchaus bewusst: «Unser Ziel ist es, das bestmögliche Projekt zu realisieren, gerade auch aus Sicht der Bevölkerung», sagt Thommen. «Wir wollen eine partnerschaftliche Beziehung zur Gemeinde Bätterkinden, schliesslich wollen wir langfristig dort bleiben und arbeiten.»

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