Drei Schulstandorte statt sieben

Huttwil

Der Gemeinderat stellte seine Pläne für einen neuen Kindergarten vor. Am 19. Juni ist die Gemeindeversammlung am Zug.

Hier ist der Neubau geplant: Mit dem Eingang des Kindergartens im Obergeschoss zum Dornackerweg hin (im Vordergrund).

Hier ist der Neubau geplant: Mit dem Eingang des Kindergartens im Obergeschoss zum Dornackerweg hin (im Vordergrund).

(Bild: Thomas Peter)

Jürg Rettenmund

Der neue Grossrat Andreas Schüpbach (SVP) stellte die Fragen, die in Huttwil viele bewegen: Wie viel würde es kosten, den ­bestehenden Kindergarten an der Südstrasse zu erneuern? Und wurde der Vergleich mit dem neu vorgesehenen Standort beim Städtlischulhaus gemacht?

Für den bisherigen Standort wolle der Gemeinderat kein Geld mehr ausgeben, hielt ihm Gemeinde­präsident Walter Rohrbach (BDP) entgegen. Zu gross seien dessen Nachteile. Das Gebäude sei zu klein. Man müsste also auch dort neu bauen.

Zudem sei es für den heutigen Unterricht und den zukünftigen gemäss Lehrplan 21 nötig, den Kindergarten bei der Unterstufe anzusiedeln, da dieser dort mit der ersten und der zweiten Klasse als ein Zyklus behandelt wird.

Konzentrieren

Adrian Lienhart, Gemeinderat mit Ressort Bildung (SVP), hatte zuvor das aktuelle Bauprojekt in die Strategie eingebettet, die der Gemeinderat für die Schul­raumplanung ausgearbeitet hat. «Wenn wir auf der grünen Wiese neu planen könnten, würden wir noch ein grosses Schulhaus bauen», hielt er fest. Denn so liesse sich die Volksschule mit den heutigen Anforderungen am effizientesten und damit auch am günstigsten organisieren.

Auf der grünen Wiese planen kann der Gemeinderat jedoch nicht. Aktuell ist die Volksschule auf sieben Standorte verteilt. Mit dem Neubau für den Kindergarten will der Gemeinderat eine Konzentration auf drei Standorte einläuten: Oberstufe in der Hofmatt, Kindergarten, Unter- und Mittelstufe im Städtli, Heilpädagogik und Volksschule in Schwarzenbach.

Walter Rohrbach wies auf ein zusätzliches Problem bei der Planung hin: Durch die rege Bautätigkeit und den hohen Leerwohnungsbestand wissen Bildungskommission und Gemeinderat nicht, was auf sie zukommt.

Gebaut, aber leer und in verschie­denen Stufen der Planung sind derzeit in Huttwil rund 630 Wohnungen. Die Einwohnerzahl könnte sich damit um rund 1800 Personen oder um ein Drittel erhöhen, die Zahl der Schülerinnen und Schüler um 100 oder rund fünf Klassen.

Nyffel als Reserve

Die Schulraumstrategie sieht deshalb vor, das Schulhaus Nyffel als Reservestandort vorläufig zu behalten. Bereits ohne diese zusätzlichen Einwohner rechnet die Bildungskommission jedoch damit, dass im Schuljahr 2019/2020 die letzte Raumreserve gebraucht sein wird.

Mit dem Neubau beim Städtlischulhaus werden dort zwar neben dem Kindergarten zwei multifunktionelle Räume für diesen Standort geschaffen. Warum denn nicht gleich mehr gebaut werde, wurde aus der Versammlung gefragt.

Es gehe darum, den aktuell angemeldeten Bedarf der Schule zu decken, gab Walter Rohrbach zur Antwort, und Adrian Lienhart ergänzte: Mehr Spielraum als im Zentrum bestehe in Schwarzenbach. Durch einen langfristigen Mietvertrag mit der Heilpädagogischen Schule Oberaargau könne dort voraussichtlich ein Ausbau finanziert werden, den sich die Gemeinde Huttwil eigentlich gar nicht leisten könne.

Doch zurück in die Gegenwart und zum Städtlischulhaus. Das Siegerprojekt aus einem offenen Wettbewerb stammt von den Amrein Kurz Architekten aus Sursee und den ASP Landschaftsarchitekten aus Zürich. Es sieht einen zweigeschossigen Neubau im Hang zum Dornackerweg vor. Der Eingang des Kindergartens im Obergeschoss kann so zum Dornackerweg hin separat angelegt werden, während sich die Räume im Untergeschoss zum Schulhaus hin öffnen.

Auf rund 4 Millionen Franken werden die Kosten für diesen Neubau beziffert. Das bewegt sich im Rahmen der Finanzplanung, in der dafür 4,6 Millionen Franken eingestellt sind.

Gemeinderat und Bildungskommission möchten jedoch zusätzlich die «Asphaltwüste» des Pausenplatzes attraktiver gestalten. Damit würden die Kosten über den Rahmen der Finanzplanung hinaus auf 4,9 Millionen Franken ansteigen. Diese Erhöhung würde Folgekosten auslösen, die sich im Rahmen von 0,5 Steuerzehnteln bewegten, erläuterte Walter Rohrbach.

Zwei Projektierungskredite

Der Gemeinderat unterbreitet der Gemeindeversammlung vom 19. Juni deshalb Neubau und Pausenplatz separat. Vorerst geht es dort um zwei Projektierungs­kredite von 670'000 respektive 54'000 Franken.

Für die Baukredite ist dann eine Urnenabstimmung nötig, die der Gemeinderat auf den 10. Februar 2019 angesetzt hat. Sagen die Stimmberechtigten beide Male Ja, wäre der Neubau nach anderthalb Jahren Bauzeit auf das Schuljahr 2020/2021 bezugsbereit.

«Es geht dabei auch darum, auf dem Arbeitsmarkt des Bildungswesens konkurrenzfähig zu bleiben», wies Adrian Lienhart auf die Bedeutung des Projektes hin: Bereits heute habe die Schule Huttwil Mühe, Lehrkräfte für ­offene Stellen zu finden, weil diese andernorts bessere Voraus­setzungen für ihren Beruf vor­fänden.

Langenthaler Tagblatt

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