Zum Hauptinhalt springen

Ein Abgang mit Nebengeräuschen

Langenthals Finanzverwalter Mark Bucher begründet seine Kündigung mit unterschiedlichen Auffassungen bei der Führungsphilosophie. Was sagen der Stadtpräsident und der Stadtschreiber dazu?

Langenthals Alt-Finanzchef René Hubacher (links) wirft Fragen auf, Stadtschreiber Daniel Steiner (Mitte) sieht keine Auffälligkeiten und Mark Bucher, städtischer Finanzchef, sagt nichts Detailliertes.
Langenthals Alt-Finanzchef René Hubacher (links) wirft Fragen auf, Stadtschreiber Daniel Steiner (Mitte) sieht keine Auffälligkeiten und Mark Bucher, städtischer Finanzchef, sagt nichts Detailliertes.
Thomas Peter

Die Meldung von Mark Bucher Ende Februar war kurz und knapp: Langenthals Finanzverwalter habe sich entschieden, sich beruflich einer neuen Herausforderung zu stellen. Er werde seine Funktion bis längstens Mitte des Jahres 2017 ausüben. Der Gemeinderat bedauere diesen Entscheid und danke Mark Bucher für die geleisteten Dienste.

Bucher ist seit gut sechs Jahren Finanzverwalter der Stadt. Eine berufliche Neuorientierung ist insofern nicht ungewöhnlich. Stutzig macht, dass Bucher zum Zeitpunkt seiner Kündigung noch gar keine Anschlusslösung gefunden hatte, wie er auf Anfrage einräumt. Auch habe er gerne in der Verwaltung gearbeitet «und auch gut, glaube ich sagen zu können», hält der 42-Jährige fest. Weshalb aber hat er seinen Posten dann gekündigt?

«Tiefer liegende Gründe?»

Das hat sich offenbar auch Buchers Vorgänger René Hubacher gefragt. Es sei nachvollziehbar, dass sich ein relativ junger Amtsvorsteher weiterentwickeln und beruflich möglicherweise neu orientieren wolle, schrieb der pensionierte Finanzverwalter nach Bekanntwerden von Buchers Weggang in einem Leserbrief. «Aber hat der Gemeinderat beziehungsweise die zuständigen Stellen mit dem Stelleninhaber das Gespräch gesucht? Gibt es vielleicht tiefer liegende Gründe, dass Kadermitarbeitende der Stadtverwaltung auffallend oft die Stadt verlassen?»

Er habe diesen Brief geschrieben, weil er die Kündigung von Mark Bucher sehr bedaure, sagt René Hubacher auf Anfrage. Offenbar habe es an der Arbeit seines Nachfolgers nichts auszu­setzen gegeben. Darum berühre es ihn, wenn «schon wieder» ein Kadermitglied die Verwaltung verlasse, verweist er auf Wechsel auch bei anderen Kaderposi­tionen.

Tatsächlich ist es bei den Amtsleitungen in den vergangenen Jahren zu einigen Wechseln gekommen. Nicht immer waren sie auf Pensionierungen oder berufliche Aufstiegsmöglichkeiten zurückzuführen (siehe Kasten). Aber Kritik ist dabei kaum laut geworden. Auch er selber sei seinerzeit «sehr zufrieden» in den Ruhestand gegangen, betont Hubacher, der insgesamt vierzehn Jahre lang Finanzverwalter war in Langenthal.

Offen Kritik übte bei seinem Abgang 2014 nur der damalige Leiter des Amtes für Bildung, Kultur und Sport, Peter Moser. Gerade einmal zwei Jahre war er im Amt; seine Vorgängerin Brigitte Müller schmiss den Bettel bereits nach wenigen Monaten wieder hin. Moser begründete seinen Abgang unter anderem mit dem grossen Spardruck und fehlender politischer Unterstützung für die Amtsleitung.

Differenzen in der Führung

Mark Bucher will die detaillierten Hintergründe, die zu seinem Weggang geführt haben, nicht kommentieren. Letztlich seien es aber «seit längerem bestehende unterschiedliche Auffassungen in der Führungsphilosophie» gewesen, räumt der Finanzverwalter offen ein. Ein Konflikt, der ­seiner Meinung nach durchaus hätte gelöst werden können.

Sind das die «tiefer liegenden Gründe», die sein Vorgänger hinter der Kündigung vermutet? Hängt im Glaspalast der Haus­segen schief, wie es Kritiker hinter vorgehaltener Hand immer wieder verlauten lassen? Fehlt es den Amtsleitern tatsächlich an Unterstützung, wie es Peter Moser monierte? Und welche Rolle wird dabei dem Stadtschreiber als Vorsitzendem des Verwaltungsleitungsteams zuteil?

Verwaltung unter Druck

Seinem Empfinden nach sei die Stimmung innerhalb der Verwaltungsleitung grundsätzlich gut, sagt der neue Stadtpräsident Reto Müller (SP). «Aber natürlich wird auch bei uns nicht immer auf Sachebene diskutiert wie bei jedem Team.» Ins selbe Horn stösst Stadtschreiber Daniel Steiner: «Sicher ist sich die Verwaltungsleitung nicht immer einig. Und ich muss als Vorsteher auch ab und zu Weisungen treffen, an denen nicht alle Freude haben, zum Beispiel zu Terminen und administrativen Vorgaben», sagt er.

Auch stünden die Verwaltungsleitung und die Amtsleiter angesichts des seit längerem sehr hohen Investitionsvolumens der Stadt und vielen Projekten unter sehr grossem Druck, was mögliches Reibungspotenzial verstärke. Den Abgang von Bucher aus der Stadtverwaltung weiter zu kommentieren, sagt Steiner, dazu bestehe aber kein Anlass, zumal das Anstellungsverhältnis ja nicht durch eine Kündigung des Arbeitgebers beendet worden sei. «Herr Bucher hat sich offensichtlich seine eigene Beurteilung der Lage gemacht und seine Schlüsse daraus gezogen.»

Von «Auffälligkeiten», betonen Stadtschreiber Steiner und Stadtpräsident Müller, könne im Zusammenhang mit den Abgängen von Kadermitarbeiterinnen und -mitarbeitern in den letzten Jahren keine Rede sein. «Im Gegenteil: Sehr viele Anstellungen gerade auf den Kaderebenen Amtvorstehende und Fachbereichsleitende in der Stadtverwaltung sind sehr langjährige Anstellungsverhältnisse», sagen sie. «Und Pensionierungen und einige persönliche Entscheide zu Veränderungen gibt es in jeder Organisation mit so vielen Mitarbeitenden.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch